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Justin Mallory 01 - Jäger des verlorenen Einhorns

Titel: Justin Mallory 01 - Jäger des verlorenen Einhorns
Autoren: Mike Resnick
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KAPITEL 1
    20:35 U HR BIS 20:53 U HR
    Mallory ging zum Fenster hinüber und starrte durch die verdreckte Scheibe.
    Sechs Stockwerke unter ihm hasteten die Menschen die Straße entlang und trugen dabei Päckchen und Aktentaschen, während ein endloser Strom gelber Taxis träge an ihnen vorbeisickerte.
    An den meisten Laternenpfählen hing noch die Weihnachtsdekoration, und ein paar Weihnachtsmänner, offensichtlich nicht ahnend, dass bereits Silvester war - oder vielleicht einfach im Vollzuge einer kleinen persönlichen Gehaltsaufbesserung -, läuteten ihre Glocken, stießen ihr typisches Lachen aus und baten um Geld.
    Er lehnte sich ans Fenster und blickte im spitzen Winkel zum Bürgersteig auf dieser Straßenseite hinab. Die beiden stämmigen Kerle, die dort den ganzen Tag lang Wache gehalten hatten, waren fort. Er grinste; selbst Gorillas wurden mal hungrig. Er nahm sich vor, in einer halben Stunde noch einmal nachzusehen, ob sie zurückgekehrt waren und ihre Nachtwache wieder aufgenommen hatten.
    Das Telefon klingelte. Er blickte es an, leicht überrascht, dass man es ihm noch nicht abgeschaltet hatte, und fragte sich kurz, wer ihn zu dieser abendlichen Stunde wohl anrief. Endlich hörte es auf zu läuten, und er ging zu seinem Stuhl und ließ sich hineinfallen.
    Es war ein langer Tag gewesen. Es war eine noch längere Woche gewesen. Und es war ein absolut endloser Monat gewesen.
    Jemand klopfte an die Tür. Er fuhr erschrocken hoch und jaulte vor Schmerzen auf.
    Die Tür öffnete sich knarrend, und ein uralter Kopf, gesäumt von einem weißen Haarkranz, blickte zu ihm herein.
    »Alles okay mit Ihnen, Mr Mallory?«
    »Ich glaube, ich habe mir etwas gezerrt«, brummte Mallory und rieb sich mit der rechten Hand behutsam den Rücken.
    »Ich kann einen Arzt rufen«, bot ihm der Alte an.
    Mallory schüttelte den Kopf. »Wir haben hier alles an Medizin, was wir brauchen.«
    »Haben wir?«
    »Wenn Sie den Wandschrank öffnen, finden Sie eine Flasche im obersten Fach«, sagte Mallory. »Holen Sie sie herunter und bringen Sie sie her.«
    »Nun, das ist aber verdammt großzügig von Ihnen, Mr Mallory!«, sagte der Alte und ging über das abgewetzte Linoleum zum Wandschrank.
    »Ich schätze, das ist es«, bestätigte Mallory. Er hörte auf, sich den Rücken zu reiben. »Also, was kann ich für Sie tun, Ezekiel?«
    »Ich hatte gesehen, dass bei Ihnen noch Licht brennt«, antwortete der Alte und deutete auf die einsame Deckenlampe über Mallorys kahlem Holzschreibtisch, »und ich dachte mir, ich schaue mal zu Ihnen hinein und wünsche Ihnen ein glückliches neues Jahr.«
    »Danke«, sagte Mallory. Er lächelte kläglich. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch viel schlimmer wird als das letzte.«
    »Heh, das ist aber teures Zeug!«, sagte der Alte, schob ein paar ramponierte Schläger zur Seite und holte die Flasche hervor. Er starrte sie an. »Da ist eine Schleife herumgewickelt. Hat sie Ihnen einer Ihrer Kunden zu Weihnachten geschenkt?«
    »Nicht ganz. Sie stammt von meinem Partner.« Er unterbrach sich. »Meinem Expartner. Eine Art Geschenk zum überraschenden Abschied. Sie steht schon seit fast vier Wochen da.«
    »Die muss ihn, na ja, zwanzig Mücken gekostet haben«, schätzte Ezekiel.
    »Mindestens. Das ist erstklassiger Sour-Mash-Bourbon aus Kentucky. Die Düngung im Urzustand erfolgte vermutlich durch erstklassige Rennpferde.«
    »Übrigens tut mir das mit Ihrer besseren Hälfte leid«, sagte Ezekiel. Er öffnete die Flasche, nahm einen Schluck, brummte ein zufriedenes »Ah!« und reichte sie Mallory.
    »Nicht nötig«, sagte Mallory. »Ihr geht es gut.«
    »Dann wissen Sie, wo sie steckt?«, fragte Ezekiel und setzte sich auf die Tischkante.
    »Natürlich weiß ich, wo sie steckt«, antwortete Mallory gereizt. »Ich bin Detektiv, wissen Sie noch?« Er nahm die Flasche von dem Alten entgegen und füllte aus ihr eine schmutzige New-York-Mets-Tasse, deren abgebrochenen Henkel er wieder angeklebt hatte. »Das brauchen Sie gar nicht mir zu glauben. Sehen Sie auf meiner Bürotür nach.«
    Ezekiel schnippte mit den Fingern. »Verdammte Scheiße! Darüber wollte ich ja mit Ihnen reden!«
    »Was?«, fragte Mallory.
    »Ihre Bürotür.«
    »Sie knarrt sehr. Braucht Öl.«
    »Sie braucht mehr als Öl«, wandte Ezekiel ein. »Sie haben Mr Fallicos Namen mit rotem Nagellack durchgestrichen.«
    Mallory zuckte die Achseln. »Ich habe keine andere Farbe gefunden.«
    »Das Management möchte, dass Sie einen Maler beauftragen,

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