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JULIA FESTIVAL EXTRA Band 03

JULIA FESTIVAL EXTRA Band 03

Titel: JULIA FESTIVAL EXTRA Band 03
Autoren: Emma Darcy , Lucy Gordon , Emma Richmond
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schälte, zögernd, so schien es Sonia, bot sie einen düsteren, schwermütigen Anblick, der ihre eigenen Gefühle widerspiegelte.
    Als sie den Bahnhof verließen, wappnete Sonia sich gegen den Anblick des Canal Grande. Eine breite Treppe führte hinunter ans Wasser und lenkte von dort den Blick auf die beeindruckende Kirche San Simeone Piccolo. Als Sonia sie damals, vor drei Jahren, zum ersten Mal sah, hatte es ihr den Atem verschlagen. Das zweite Mal, ein paar Wochen später, barg noch mehr Romantik. Sie hatte in einer Gondel gesessen, die sie zu ihrer Trauung brachte. Sonia schluckte und wandte die Augen ab.
    Tomaso hatte bereits ein Motoscafi, ein Bootstaxi, herbeigerufen und reichte ihr die Hand, damit sie sicher einsteigen konnte. Ihr Gepäck war rasch verstaut, und Tomaso nannte dem Bootsführer den Namen ihres Hotels.
    Natürlich konnte er nicht wissen, dass sie bereits bei ihrem ersten Aufenthalt im Cornucopia abgestiegen war. Aber das spielte keine Rolle. Sie würde das Cornucopia betreten und die Geister der Vergangenheit vertreiben.
    Das Tuckern des Motors verursachte ihr leichte Übelkeit, so schaute sie nicht auf die vorbeigleitenden Paläste und Hotels. Aber nur zu gut erinnerte sie sich, und auch an jeden noch so kleinen Rio, wie die Seitenkanäle genannt wurden: Rio della Pergola, Rio della due Torri, Rio di Noale, und jeder trug sie dichter an das Cornucopia heran, bis es schließlich in Sicht kam.
    Das Cornucopia, einst ein Palast, hatte früher eine venezianische Adelsfamilie beherbergt, bevor es in ein Hotel umgewandelt und dabei sein alter Glanz wiederhergestellt worden war.
    Ein zuvorkommender Page führte Sonia und Tomaso in den zweiten Stock, wo Tomaso für seinen Gast aus England eine komfortable Suite hatte reservieren lassen.
    „Du siehst müde aus“, sagte Tomaso. „Du solltest dich nach der langen Reise ausruhen. Ich lasse dich jetzt allein und rufe in ein paar Stunden an, damit du Giovanna besuchen kannst.“
    Er gab ihr einen Kuss auf die Wange und verließ sie. Sonia war froh, endlich allein zu sein, sich den Staub der Reise abspülen und anschließend aufs Bett sinken zu können.
    Sie schaute sich um. Welch ein Unterschied zu damals!

    Anlässlich der Messe waren Hotels und andere Unterkünfte ausgebucht, und Sonia bekam nur ein Kämmerchen unter dem Dach des Gebäudes.
    Der Raum war winzig gewesen. Aber er hatte ein eigenes Badezimmer, und so ging sie nach der langen Reise gleich unter die Dusche. Es war ihre erste Reise nach Venedig, beruflich bedingt. Nachdem sie sich erfrischt hatte, ließ sie achtlos das Handtuch fallen. Hier oben konnten sie nur die Vögel sehen. Wohlig streckte sie die Arme in den breiten Sonnenstrahl, der durchs Fenster hereinfiel.
    Die Tür öffnete sich, und ein junger Mann kam herein.
    Sie war völlig nackt, und ihre Haltung unterstrich nur noch ihren perfekten Körper, die langen Beine, die schmale Taille und vollen Brüste. Und der unerwartete Besucher stand nicht einmal zwei Meter von ihr entfernt.
    Eine kleine Ewigkeit lang starrten sie sich an, keiner bewegte sich.
    Dann errötete er. Selbst jetzt noch musste sie lächeln bei dem Gedanken, dass er rot geworden war.
    „ Scusi, signorina, scusi, scusi …“ Er wich hastig zurück und schloss die Tür hinter sich.
    Sie starrte auf die Tür, hatte aber noch immer sein faszinierendes Gesicht vor Augen, das alles andere um sie herum ausblendete. Dann erst erinnerte sie sich, entrüstet zu sein.
    Sie stieß einen schrillen Laut aus, wickelte sich in ihr Badelaken und raste zur Tür. Im Korridor sah sie einen großen Stapel Kartons, zwei kräftige Arbeiter und den jungen Mann. „Wieso platzen Sie einfach in mein Zimmer?“, fuhr sie ihn an.
    „Aber es ist mein Zimmer“, verteidigte er sich. „Zumindest war es das bislang – ich wusste nicht, dass Sie dort wohnen. Wenn man es mir gesagt hätte …“ Sein dunkler Blick flog über ihren Körper. „… wäre ich doppelt so schnell hier gewesen …“
    Sie verzog den Mund, hatte Mühe ärgerlich zu bleiben. Sein Kompliment beeindruckte sie nicht weniger als der Ausdruck in seinen Augen, der noch mehr als das Kompliment verriet.
    Das Badelaken rutschte. Beiden Arbeitern drohten die Augen aus dem Kopf zu fallen. Der junge Mann herrschte sie an, und sie verschwanden hastig.
    „Ich ziehe mich rasch an“, rettete sie sich aus der Verlegenheit, eilte zurück ins Zimmer und griff sich den Morgenmantel. Der junge Mann folgte ihr wie in Trance. Sie hatte

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