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Judith McNaught

Judith McNaught

Titel: Judith McNaught
Autoren: Legenden der Liebe
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bevor sie etwas sagen konnte, sagte ihr Vater: »Da ist noch jemand, der
dich gerne sehen möchte, Sherry. Allerdings bezweifle ich, daß er dich erkennen
wird«, fügte er mit einem stolzen Lächeln hinzu, während sein Blick langsam
über sie glitt.
    Rafes lachende Stimme kam von der
Türschwelle, als er ins Zimmer trat. Er sah noch besser aus als in ihrer Erinnerung,
und er bewegte sich in dem englischen Wohnzimmer genauso selbstverständlich wie
an einem Lagerfeuer mit einer Gitarre in der Hand. »Hallo, querida«, sagte
er mit seiner tiefen, zärtlichen Stimme. Stephen erstarrte, und zwar noch bevor
seine junge Frau sich in die Arme eines anderen Mannes stürzte, der sie
hochhob und herumwirbelte, wobei er sie unverschämt eng an seinen schlanken
Körper gepreßt hielt. »Ich bin gekommen, um mein Versprechen, dich zu heiraten,
einzulösen«, neckte Rafe.
    »Guter Gott!« stieß Miss Charity
hervor und warf einen ängstlichen Blick auf Stephens abweisende Miene.
    »Guter Gott«, sagte auch die
Herzoginwitwe und musterte die gefährlich zusammengekniffenen Augen ihres Sohnes.
    »Was meint er damit?« flüsterte
Whitney erstickt.
    »Ich wage es nicht, darüber
nachzudenken«, erwiderte ihr Mann.
    Nicholas DuVille dagegen lehnte sich
in seinem Sessel zurück, beobachtete die Szene erheitert und wachsam und sagte
gar nichts.
    »Wann können wir heiraten, querida?« witzelte Rafe, stellte sie wieder hin und musterte sie von Kopf bis Fuß.
»Ich habe die langen Tage im Gefängnis damit verbracht, an meine kleine Karotte
zu denken ...«
    Zu jedermanns Verblüffung achtete
das Objekt seiner unverhüllten Bewunderung gar nicht auf dieses scheinbar ernste
Gespräch über ehrenhafte Absichten, sondern stemmte die Hände in die Hüften und
ging auf den Spitznamen ein. »Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du mich in der
Gegenwart meines Gatten nicht mit einem so unwürdigen Namen belegen würdest.
Außerdem«, gestand sie lächelnd, ergriff den Arm des anderen Mannes und führte
ihn zu Stephen, »findet mein Gatte, daß meine Haare etwas ganz Besonderes
sind.«
    Bei dieser Bemerkung drehten sich
ihr Vater, ihre Tante und Rafe abrupt zu dem Mann am Kamin um, während Sheridan
sie rasch einander vorstellte.
    Als sie damit fertig war, sah sich
Stephen auf einmal im Mittelpunkt einer gründlichen Musterung durch drei
Personen, die es offensichtlich gar nicht beeindruckte, daß ihm das Herrenhaus,
in dem sie standen, gehörte, und daß er der Earl of Langford war. Genausowenig
schien es sie zu interessieren, daß er versuchsweise überlegte, ob es nötig
oder ratsam sei, Rafael Benavente etwas anzutun, der ihm in seiner Aufmerksamkeit
Sherry gegenüber zu frei vorkam und der zu männlich auf ihn wirkte, als daß man
ihn mit einer Frau unter siebzig im gleichen Raum allein lassen sollte, und zu
gutaussehend, um vertrauenswürdig zu wirken.
    Er schob die Entscheidung jedoch
erst einmal auf. Statt dessen legte er den Arm um Sheridans Taille, zog sie
besitzergreifend nahe zu sich heran und ließ die Musterung über sich ergehen.
»Bist du glücklich, Liebes?« fragte ihr Vater nach einer Weile. »Ich habe
Schlafender Hund versprochen, daß ich dich finde und zu ihm zurückbringe. Er
wird wissen wollen, ob du glücklich bist.«
    »Ich bin sehr glücklich«,
erwiderte sie leise.
    »Bist du dir ganz sicher?« fragte
ihre Tante.
    »Ganz sicher«, versicherte Sherry
ihr.
    Rafael Benavente hielt sich mit seinem
Urteil noch eine Weile zurück, aber dann streckte er Stephen die Hand entgegen.
»Sie müssen ein guter und außergewöhnlicher Mann sein, wenn Sherry Sie so sehr
liebt, wie sie es offenbar tut.«
    Stephen beschloß, dem Mann ein Glas
seines besten Brandys anzubieten, anstatt ihm die Wahl der Waffen zu überlassen.
Rafael Benavente war offensichtlich ein Mann von außerordentlichem
Urteilsvermögen und hoher Kultur. Eigentlich bereitete es richtiggehend
Vergnügen, ihn für eine Nacht als Gast zu beherbergen.
    Das sagte er, viel später an diesem
Abend, auch zu Sheridan, als er sie in den Armen hielt, körperlich befriedigt
und geistig von stiller Freude erfüllt.
    Seine Frau blickte ihn an und
spreizte ihre Finger über seiner bloßen Brust in einer Erkundung, die
dramatische Auswirkungen auf seinen übrigen Körper hatte. »Ich liebe dich«,
flüsterte sie. »Ich liebe deine Stärke und deine Freundlichkeit. Und ich liebe
dich, weil du so gut zu meiner Familie bist und so nett zu Rafe.«
    Stephen beschloß, daß sie so

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