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John Sinclair - 0974 - Monsterzeit (2 of 2)

John Sinclair - 0974 - Monsterzeit (2 of 2)

Titel: John Sinclair - 0974 - Monsterzeit (2 of 2)
Autoren: Jason Dark
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    Schreie!
    Gellende, wütende und tierische Schreie, die aber nicht von einem Menschen abgegeben worden waren, sondern aus dem Stamm oder dem Astwerk des Baumes drangen, der unter einer wahren Todesangst litt wie ein Mensch oder Tier.
    Die Schreie hallten durch den düsteren Wald wie Botschaften aus der Totenwelt. Bei mir zog sich die Haut auf dem Rücken zusammen, und ich glaubte daran, daß es Suko und Douglas Kinny nicht anders erging.
    Ich hatte mich zurückgezogen, weil ich schon ahnte, was folgen würde.
    Andere Bäume gaben mir Deckung, aber Suko und Kinny standen noch immer in der Nähe des sterbenden Baumes. Beide starrten ihn an. Kinny mehr entsetzt und fassungslos. Es wies nichts darauf hin, als könnte er sich rasch genug von der Stelle lösen, wenn der Baum endgültig zusammenbrach. Sicherlich mit wahrem Donnergetöse.
    Suko hatte die Lage ebenfalls erfaßt. Er hakte Kinny unter und zerrte ihn zurück. Ich winkte ihnen zu, und so zog Suko den keuchenden Mann in meine Nähe. Hier waren wir einigermaßen geschützt. Wenn der Baum nach vorn fiel, würde er in die beiden hineinkrachen, die uns umstanden.
    Er schwankte, aber noch stand er. Er zitterte von innen. Es sah für uns Beobachter so aus, als würde er sich schütteln. Wir blickten hoch zu seiner Krone hin. Dort begann die Veränderung zuerst. Sie lief einfach so ab, und es war unheimlich für uns, dies mit anzusehen, denn in der Krone liefen in Sekundenschnelle die Jahreszeiten ab.
    Hatte der Baum bisher noch das saftige und frische Grün gezeigt, so verloren die Blätter und auch Zweige und Äste ihre ursprüngliche Farbe.
    Sie wurden braun, fast schwarz, und im nächsten Augenblick lösten sie sich auf. Es gab kein Blatt, das noch überlebte. Jedes von ihnen verwandelte sich in Asche und rieselte zu Boden.
    Ein Regen aus Staub, aus Resten. Die Sicht auf den Stamm des Baumes wurde uns genommen. Wir sahen auch nicht mehr den Spalt, der durch eine Säge entstanden war. Da hatten wir den Baum zuerst schreien gehört, doch jetzt, nach dem gewaltigen Magiestoß, verursacht durch Sukos Dämonenpeitsche und nachdem mein Kreuz keinen Erfolg gebracht hatte, sackte er endgültig zusammen.
    Er starb wie ein Lebewesen.
    Er schrie dabei.
    Klagende Laute hallten durch den Wald. Ausgestoßen in einem wilden, verzweifelten Schmerz. Als wüßte der Baum genau, welches Schicksal ihn ereilte.
    Waren bisher nur die Blätter zu Staub geworden, so kamen nun die Äste an die Reihe. Nichts hielt sie mehr zusammen. Dieses leere und blattlose Gerippe verlor ebenfalls die ursprüngliche Farbe. Ein aschiges Grau blieb zurück. Ausgebleicht. Aussehend wie nach einer gewaltigen Umweltkatastrophe.
    Noch stand der Baum.
    Aber jemand rüttelte und schüttelte an ihm, so daß sich die kahlen Äste und Zweige gegenseitig berührten. Sie prallten zusammen. Geräusche entstanden, als würden Knochen gegeneinander schlagen. Eine hohl klingende, atonale Musik. Als hätten sich zahlreiche Skelette im Wald bisher versteckt gehabt, die sich nun zeigten und sich gegenseitig immer wieder mit ihren Knochenarmen und -beinen anschlugen.
    Der schaurige Rhythmus bannte uns auf der Stelle. Auch die Schreie hörten wir noch. Leiser und immer mehr verwehend. Ob sie aus dem Stamm drangen oder dem Geäst, fanden wir nicht heraus. Jedenfalls hatte sich der Stamm noch gehalten.
    Bis jetzt!
    Das aber änderte sich, denn die einst braune und harte Rinde bröckelte plötzlich ab. Bevor sie zu Boden fiel, hatte sie schon wieder eine andere Farbe bekommen. Sie glich sich der der Blätter und des Astwerks an.
    Grau – ohne Halt und Verbindung. Ein Stoß erfaßte den mächtigen Baumstamm und knickte ihn um.
    Wohin fiel er?
    Wir hielten den Atem an. Es war durchaus möglich, daß er in unsere Richtung kippte, aber er neigte sich nach keiner Seite zu Boden, sondern sackte in sich selbst zusammen.
    Es war mit knirschenden und brechenden Lauten verbunden. Die kahle Krone hatte keinen Halt mehr und mußte der Erdanziehung gehorchen.
    Wie ein skelettierter Pilz mit gewaltigen Ausmaßen sackte der mächtige Baum zusammen.
    Noch hielt die Krone. Aber sie splitterte. Staub bildete dicke Wolken, die uns die Sicht zur Krone hin nahmen, aber die war schon auf dem Weg nach unten.
    Andere Bäume wurden in Mitleidenschaft gezogen. Sie zeigten noch ihr frisches Grün. Wie Knochenarme jagten die Spitzen des Sterbenden in das Laubwerk hinein, bogen es durch, brachen kleinere Zweige ab, die nicht fest genug saßen, und

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