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Jimmy der Mops

Jimmy der Mops

Titel: Jimmy der Mops
Autoren: Miriam Pharo
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      Kurz verweile ich, die Hand auf der Balustrade, und schaue nach unten. Das Innere der Biosphäre ist terrassenförmig angeordnet, wobei mehrere Ringstraßen die Levels miteinander verbinden. Sie alle führen ins zentrale Prinzregenten-Viertel. Dort muss ich hin. Ich könnte eine Equipage nehmen – offene Inhouse-Scooter, die mit Helium-3 betrieben werden und Platz für bis zu zwanzig Personen bieten –, doch ich entscheide mich für den Hoverlift. Er ist nicht sehr bequem, dafür aber um ein Vielfaches schneller und schon bald rausche ich an verheißungsvoll klingenden Straßen und Plätzen vorbei: Ostersee-Boulevard, Tutzinger Dreieck, Alter Münchner Weg, Seeshaupter Rondell …   Der Blick aus der verglasten Zelle ist halb so eindrucksvoll, wie man vielleicht glauben mag, was daran liegt, dass die Häuser aus quadratischen Hartgummimodulen bestehen, während billige Farne zu Grünanlagen zusammengeschart wurden, die jeder Fantasie entbehren. Als würde man durch das Eins-zu-eins-Modell einer Stadt wandeln, das niemals fertig gestellt wird. Der Gedanke deprimiert mich. Ich aktivere meinen Neurokommunikator, gebe den Zugriffscode für Regency ein, dem hiesigen Virtual-Environment-Programm, und plötzlich ist alles in Bewegung: Florale Mosaike kriechen über den grauen Beton, roter Sandstein kraxelt die Wände hoch, während sich Bougainvilleas über steinerne Balkone ergießen und kupferne Schornsteine nach den Wolken greifen. Der Himmel über meinem Kopf steht der Pracht am Boden in nichts nach: Pinselstriche in Hellgrün, Gelb und Orange leuchten auf tiefblauem Fond. Es vergehen nur wenige Sekunden, bis ich sehe, was alle sehen, und mein Herz zieht sich unwillkürlich zusammen. Ich vermisse den Schatten in den Gesichtern und Gassen der HafenCity …  
      Ursprünglich standen die Isar Auen nicht auf meiner Wunschliste für einen Neuanfang, doch nachdem mir einer meiner wenigen Freunde völlig überraschend seine Zweitwohnung kostengünstig angeboten hat, habe ich meine Pläne noch einmal überdacht. Zumal die hiesigen Schulen einen erstklassigen Ruf genießen und ich Kaori versprochen habe, mich gut um ihren Sohn zu kümmern. Ein Versprechen, das ich um jeden Preis zu halten gedenke.
      Kaoris blutüberströmtes Gesicht drängt sich gewaltsam in meine Gedanken und ich richte schnell meinen Blick wieder nach draußen, wo ich zwischen zwei Häusern eine Wasserstelle entdecke, an deren Ufer sich Enten und Pfaue tummeln. Die Vögel sind genauso wenig real wie der Obstverkäufer an der Ecke davor. Mein Instinkt sagt mir, dass dort ein getarnter Security steht. Die sorgfältigen Sicherheitsmaßnahmen offen zur Schau zu stellen, wäre schier zu vulgär.
      Als ich aus dem Lift steige, weist mir ein weißer Königspudel den Weg zum Leopold . Zur Auswahl stünden noch eine Libelle und ein englischer Bobby, doch der Pudel ist mein bevorzugter City-Guide. Sein kahl geschorenes Hinterteil heitert mich jedes Mal auf. Je näher ich dem Zentrum komme, desto erlesener mutet die Gesellschaft an. Menschliche Ausdünstungen sucht meine Nase hier vergeblich. Als wären die Herrschaften in Formaldehyd getränkt worden. Zu der gepflegten Erscheinung gehören regelmäßige Sitzungen im Defroisseur, einer hautstraffenden Photon-Kapsel, und die Gesichter, die mich umgeben, sind engelsgleich, wenn auch von vergreisten Augen durchlöchert. Viele von ihnen tragen Monokel oder Lorgnons, in denen ein Virtueller Kommunikator eingebaut ist, das Vorgängermodell meines Neurokommunikators.
      Schon bald erreiche ich das Leopold . Vor dem schmiedeeisernen Portal fahre ich mir noch einmal durch die Haare, streiche meine Jacke glatt und rücke meinen !NR ! Siegelring zurecht , dann trete ich einen Schritt vor, um gescannt zu werden.  
  „Sie haben keine Reservierung“, ertönt prompt eine Stimme aus dem Off.  
      „Ich bitte um Vergebung“, antworte ich der unsichtbaren Person am Monitor. „Aber ich möchte den Supervisor in einer wichtigen Angelegenheit sprechen. Es geht um die Sicherheit einer seiner Gäste.“
      Wie zu erwarten war, öffnet sich bei meinen letzten Worten das Tor anstandslos. Unter meinen Füßen knirscht es leise, als ich den kurzen Weg zum Haus gehe. Obwohl ich weiß, dass der Kies nicht real ist, fühlt er sich echt an. VAs , Virtuality Architects , genießen zu Recht ein hohes Ansehen.  
      Im Vestibül, wo Gustav Klimts „Dame mit dem Fächer“

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