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Jimmy der Mops

Jimmy der Mops

Titel: Jimmy der Mops
Autoren: Miriam Pharo
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mich zur Rückseite des betreffenden Gebäudes und überwinde als „Security“ die Sicherheitssperre zum Innenhof, ohne dass der Alarm losgeht. Es ist wichtig, keine Aufmerksamkeit zu erregen. Bei einer Überprüfung würde die doppelte ID sofort auffallen. Der Hintereingang zum Zielobjekt befindet sich rechts vor mir. Aus der Entfernung erkenne ich das typische Grau einer Dura-Liquid-Legierung. Im Normalfall ein unüberwindbares Hindernis, doch mithilfe meines Hacker-Tablets gelingt es mir, den semipermeablen Verbundstoff aus Aluminium und Nano-Kunststoffen umzuprogrammieren, so dass ich bequem hindurch schreiten kann. Die Apartmenteinheit, in der ich gerade einbreche, besteht aus einem einzigen langen Raum, der durch bewegliche Luftkissenwände, die bei Bedarf in den Boden eingezogen werden, in gleich große Nischen unterteilt ist. Von der Form her dem Seitenschiff einer Kirche nicht unähnlich. In der Ferne höre ich Stimmen, die definitiv nicht aus der Wohnung kommen. Wie zu erwarten ist, bin ich allein. Ich packe den Hut weg, aktiviere mein Head-Up-Display und setze vorsichtig einen Schritt vor den anderen. In der nächsten Minute passiere ich mehrere Räume, ohne dass die optischen Sensoren anschlagen. Erst als ich das Ende des Gangs beinahe erreicht habe, flackert es im Display zum ersten Mal auf. Unschlüssig bleibe ich stehen, dann drehe ich mich um die eigene Achse, als es erneut aufflackert. Langsam gehe ich weiter. Das Flackern wird immer stärker, bis es zu einem konturlosen Klecks erstarrt. Mit einem Kribbeln der Erregung im Nacken nähere ich mich dem Klecks, der sich nach und nach als längliches Objekt entpuppt. Daraufhin aktiviere ich den Multispektralscanner und vor meinen Augen füllt sich der Gegenstand mit gelber Farbe und dunklen Punkten. Die Bestätigung kommt per InterCom. „Kongruenz mit Objekt 1014: hundert Prozent.“ Ein warmes Gefühl der Zufriedenheit breitet sich in mir aus. Ich bin am Ziel angelangt. Ein Knopfdruck und das Head-Up-Display faltet sich auf die Größe einer Streichholzschachtel zusammen, so dass ich es mühelos von meiner rechten Schläfe abziehen kann.
      Neugierig schaue ich mich um. Ich stehe vor einem dunklen GCS-Screen und kann meine angespannte Gestalt darin erkennen. Der gesuchte Gegenstand befindet sich genau dahinter, nur wenige Zentimeter entfernt. Mit zusammengekniffenen Augen unterziehe ich den Screen und seine unmittelbare Umgebung einer Prüfung, doch ich finde keinen versteckten Mechanismus. Wahrscheinlich wird der Screen per Sprachbefehl aktiviert. Sollte der rückseitige Hohlraum ebenfalls auf diese Weise geöffnet werden, ist mein Weg hier zu Ende. Ich denke nach und in genau diesem Moment passiert es.
      Mich überkommt das ungute Gefühl, wie durch ein Nanomikroskop betrachtet zu werden: eine Ameise, die man im Begriff ist, mit dem Daumen zu zerquetschen. Ich bewege mich keinen Millimeter, während meine Gedanken rasen. Entweder ich verschaffe mir mit Gewalt Zugang zum Hohlraum und riskiere ein wildes Tohuwabohu oder ich trete den Rückzug an – auf die Gefahr hin, dass ich damit meinen ersten Fall in den Sand setze. Die Zeit zerrinnt mir zwischen den Fingern. Ich muss eine schnelle Entscheidung treffen, also greife ich nach dem Laserskalpell, schalte auf Stufe 5 und setze an. Es fährt durch den Screen wie durch Butter und schon bald habe ich ein Loch herausgeschnitten, durch das ich einen Blick in den Hohlraum werfen kann. Mein Puls beschleunigt sich, als ich eine Buchausgabe von Wilhelm Buschs „Leben und Werk“ausmache sowie eine Metallröhre, in der sich die gesuchten Papierrollen befinden. Beide liegen adrett nebeneinander, als wären sie für mich dort deponiert worden. Stünde da jetzt noch ein Tintenfass, bekäme ich glatt einen Lachanfall! Die Erkenntnis, gerade in eine Falle getappt zu sein, lässt meinen Verstand auf eine einzige Sache fokussieren und ich ziehe blitzschnell die Beretta Silverfire aus der Tasche.
      „Forsch und ehrgeizig! Das gefällt mir.“
      Die Stimme in meinem Rücken ist wohlklingend und distinguiert. Ich wirbele herum, die Waffe im Anschlag. Vor mir steht Jimmy der Mops – in feinstem Zwirn gekleidet mit perfekt onduliertem Haar und einem breiten Grinsen im Gesicht.
      „Na, na, na! Sie werden doch nicht …“ In abwehrender Haltung hebt er die Hände. „Nehmen Sie Ihre Waffe herunter und reichen Sie mir die Hand.“
      Sein Friedensangebot ignorierend starre ich ihn nur an.
      „Schauen Sie

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