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Jerry Cotton - 0557 - Per Express in den Tod

Jerry Cotton - 0557 - Per Express in den Tod

Titel: Jerry Cotton - 0557 - Per Express in den Tod
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»Soll ich mit dir in diesem Aufzug auf einem Bahnsteig stehen?«
    »Das ist dein Problem, Holgren.« Ich grinste ihn fröhlich an. Er schlug mir die Faust ins Gesicht. »Verschluck dein verdammtes Grinsen, G-man!« schrie er.
    Er trat zwei, drei Schritte zurück und musterte mich. »Unmöglich, so mit dir in aller Öffentlichkeit herumzulaufen. Du bist dreckig wie ein Schwein. Dein Gesicht ist voll von verkrustetem Blut. Gib mir die Co wer, Raf!« Der Junge reichte ihm die Kanone. Holgren ging zur Tür und rief den Wirt. Der Mann erschien auf der Bildfläche. »Ich brauche ein Hemd, eine Krawatte, einen Anzug und einen Mantel aus deinen Beständen.«
    »Bezahlt ihr?«
    »Selbstverständlich!«
    Ein paar Minuten später kam der Wirt zurück und warf die gewünschten Kleidungsstücke auf das Bett.
    »Bleib hier!« befahl Holgren. Er gab Dought einen flachen Schlüssel. »Schließ die Handschellen auf.«
    Dought sah ihn überrascht an. »Hast du dir das richtig überlegt, John?«
    »Ja! Mach schon! Wie soll er ’ne Jacke anziehen, wenn seine Hände gefesselt sind?«
    Dought schloß die Handschellen auf, nahm sie an sich und trat hastig zurück.
    »Steig aus den Hosen, mein Junge, und wechsele die Klamotten.«
    »Warum?« widersprach ich. »Gib mir meine Jacke und bürste mich ein wenig ab, dann kannst du dich mit mir in jedem Salon sehen lassen.«
    »Ich verschaffe deinem Zahnarzt Arbeit, wenn du nicht parierst!« schrie Holgren.
    Ich löste den Gürtel. Ich wußte, daß ich nicht mehr an meine Jacke und den Minisender im Knopf gelangen würde, wenn es mir nicht in diesen Sekunden gelang. Ich stieg aus den Hosen, knüllte sie zusammen, warf sie Holgren an den Kopf und schnellte mich mit einem wil-' den Satz nach links in Richtung auf den Stuhl, auf dem noch immer meine Jacke lag.
    Holgren behielt kaltes Blut und schoß nicht. Er sprang zwei, drei Schritte zurück. »Blockiert die Tür!« schrie er.
    Der Besitzer des Rasthauses warf sich auf mich. Ich knallte ihm einen wuchtigen Brocken an den Kopf, der ihn nur deswegen nicht ins Land der Träume schickte, weil ich den Punkt verfehlte. Immerhin purzelte er rücklings und riß den Stuhl mit um, auf dem die Jacke lag. Mit einem Hechtsprung folgte ich dem Burschen. Mit dem vollen Körpergewicht krachte ich auf ihn. Er jaulte auf.
    Ich griff nach der Jacke, erwischte den Knopf und drückte die Ränder zusammen. Es war das letzte, was ich tun konnte. Holgren hieb mir die linke Faust mit solcher Wucht in den Nacken, daß ich zusammensackte, aber ich wußte, daß in dieser Sekunde Empfänger in geheimen Stationen der USA einen alles durchdringenden Peilton registrierten und aufzeichneten.
    ***
    Als wir Greenville erreichten, war es ungefähr sieben Uhr am Abend. Ich hatte den Anzug aus den Beständen des Rasthausbesitzers an und trug auch wieder die Handschellen. Den Mantel hatten die Gangster mir um die Schulter gelegt und vorne zugeknöpft. »Ich hoffe, die Leute halten dich so für ’nen armen Burschen ohne Arme«, hatte Holgren zynisch gesagt. Ich wurde nicht mehr im Laderaum untergebracht, sondern auf dem Beifahrersitz. Durch die Öffnung zum Laderaum hielt Dought während der Fahrt den Lauf der Cower auf mich gerichtet.
    Ich weiß nicht, aus welchem Grunde der South-Expreß in Greenville hält.
    Die Stadt hat rund fünfzigtausend Einwohner, mehr nicht, aber es scheint irgendein uralter Vertrag zwischen der Stadt und der Eisenbahngesellschaft zu bestehen.
    Holgren, der am Steuer saß, brachte den Wagen auf einem kleinen Parkplatz zum Stehen. Er kurbelte das Fenster herunter und blickte nach draußen. »Der Boß ist ein Genie«, stellte er fest. »Er hat genau den richtigen Platz ausgesucht. Wir werden ziemlich allein auf dem Bahnsteig stehen, ein paar Beamte ausgenommen. Wenn ich dich abknallen muß, G-man, weil du auszubrechen versuchst, habe ich ’ne gute Chance, davonzukommen.«
    Während der ganzen Fahrt hatte ich auf das Heulen von Polizeisirenen gewartet, aber nichts war geschehen. Voller Galgenhumor überlegte ich, ob ich den falschen Knopf erwischt hatte oder ob die Techniker des CIA vergessen hatten, die Batterien in den Minisender einzubauen.
    Holgren drehte den Kopf über die Schulter. »Hol die Fahrkarten! Sie sind auf den Namen Harold Govin deponiert worden!« befahl er Dought. Der Junge verließ den Laster und verschwand.
    »Noch einmal, G-man!« sagte der Gangster. »Ich werde dich abknallen, wenn du auf dem Bahnsteig oder im Zug aui irgendeine Art

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