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Jenseits des Karussells: origin - Preisgekrönt und aufregend anders (German Edition)

Jenseits des Karussells: origin - Preisgekrönt und aufregend anders (German Edition)

Titel: Jenseits des Karussells: origin - Preisgekrönt und aufregend anders (German Edition)
Autoren: Ju Honisch
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zu prüfen“, sagte ein dunkelhaariger junger Mann Anfang zwanzig. Er lächelte, doch das Lächeln war nicht dazu angetan, Fröhlichkeit zu verbreiten.
    Sieben Jahre dauerte das Grundstudium eines zukünftigen Magiers. Diese Jahre zählte man in Numeralia vorwärts anstatt rückwärts, wie es in den Gymnasien üblich war. Die Prima des Jahres 1867 bestand aus fünf jungen Herren, die sich in allem unterschieden außer ihrem ungeheuren Lerneifer und Wissensdurst. Sonst hatten sie nichts gemein, nicht einmal ihre Abstammung – weder geographisch, noch was den jeweiligen sozialen Stand anging.
    „Sie werden mich kein Jahr überspringen lassen“, antwortete Ian, „und die Maxime, immer offen für neue Information und neue Erfahrungen zu sein, war keine Aufforderung, auf Getratsche zu hören, Schreiner.“ Manchmal ging Ian McMullen die ganze Aufmerksamkeit, die sein besonderes Talent hervorrief, leidlich auf die Nerven. Die Bewunderung war genauso lästig wie der Neid.
    Der dunkelhaarige junge Mann ihm gegenüber starrte ihn verdrießlich an.
    „Aber du könntest …“
    „Könnte ich nicht, und würde ich nicht. Es hat auch keiner vorgeschlagen. Sie würden altehrwürdige Regeln nie so beugen. Außerdem …“
    „Außerdem sollten wir den Großmeister über Meister Schrebel informieren und Hilfe holen“, unterbrach eine vierte Stimme ruhig. Man konnte sich darauf verlassen, dass Paul Blaken immer einen kühlen Kopf bewahrte.
    „Da hast du recht.“
    Blaken löste sich von der dunkel gekleideten Gruppe und strebte der Tür zu.
    „Er hat was über Energielinien gesagt und dass sie irgendwie seltsam wären. Was hast du denn gesehen, McMullen?“, fragte Schreiner.
    „Sie sahen etwas anders aus als sonst.“
    Die übrigen drei Kommilitonen starrten ihn an, einer voller Bewunderung, einer misstrauisch, einer neidisch. Es war recht ungewöhnlich für einen Studenten im ersten Jahr, die Kraftlinien sehen zu können, die die ganze Welt umspannten und die die Matrix formten, aus der Arkanwissenschaftler schöpften, um ihre Umgebung zu beeinflussen. Man brauchte dazu mehr als nur magisches Talent. Das hatten alle Akolythen der Aroria-Loge, sonst wären sie nicht Akolythen geworden. Man konnte sich nicht selbst aussuchen, Student des Arkanen zu werden, man wurde auserwählt – und getestet, geprüft, noch einmal geprüft, beinahe zerlegt und auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt. Monatelang war man nichts als „Kandidat“.
    Die meisten Kandidaten schickte man mit entsprechend manipuliertem Gedächtnis wieder fort. Die, die man schließlich auswählte, bestanden diese Wahl aufgrund ihres Talents, ihres Charakters und ihrer überragenden Fähigkeiten. Dann lagen mindestens sieben Jahre des Studiums vor ihnen, um vom Akolythen zum Adepten zu graduieren, und sieben weitere Jahre, um den Rang des Meisters zu erreichen. Magister Arcaniae, das war es, was sie alle letztlich zu sein anstrebten. Sie waren stolz, und sie waren entschlossen. Sie waren ernsthaft, fleißig und zielstrebig.
    Trotzdem konnte nur einer in der Prima Aroriae Energielinien sehen.
    „Was meinst du damit?“
    McMullen zuckte die Achseln und richtete sich nervös die Krawatte. Die Loge gab keine genauen Vorschriften, was Bekleidung anging, bestand aber darauf, dass die Kleidung der Studenten gedeckt, unauffällig und möglichst nicht zu modisch war. Das war einer der Preise, die man dafür zahlte, irgendwann einmal ein Meister zu sein. Geheimlogen wünschten geheim zu bleiben. Dass sie zunehmend auch als die Alma Mater übernatürlicher Wissenschaft ernstgenommen werden wollten, kollidierte ein wenig mit diesem uralten und überkommenen Konzept.
    „Na, anders eben. Eher wie Stahlkabel als wie Spinnweben. Nur für einen Moment allerdings.“
    Die Tür öffnete sich, und eine Gruppe von fünf Herren mittleren Alters und mehr traten ein und gingen zu dem darniederliegenden Kollegen. Sie blickten äußerst besorgt drein, und manchen stand schon ein Anflug von Panik ins Gesicht geschrieben.
    „Du lieber Gott“, sagte der Jüngste, Meister Wilhelm Bartel, der sich mit Herr Professor anreden ließ, weil er die äußerst moderne Ansicht vertrat, dass die Loge nichts anderes war als ein weiterer Ort höherer Bildung und somit im Grunde in die Münchner Universität integriert gehörte. „Nicht auch noch Schrebel!“
    Er kniete sich neben seinen gefallenen Kollegen.
    „Magieinduziertes Koma.“ Er sah zu den Studenten auf. „Was ist

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