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Jenseits des Karussells: origin - Preisgekrönt und aufregend anders (German Edition)

Jenseits des Karussells: origin - Preisgekrönt und aufregend anders (German Edition)

Titel: Jenseits des Karussells: origin - Preisgekrönt und aufregend anders (German Edition)
Autoren: Ju Honisch
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Geister leuchten nicht im Dunkeln, weil du romantisch bist, sondern weil du gierig bist. Doch das macht nichts, Romantik ist etwas, das wir nicht benötigen werden.“
    „Aber, aber! Ein wenig Romantik wird das Unterfangen umso attraktiver machen. Vielleicht inspiriert sie mich sogar.“
    „Das ist“, entgegnete die Macht und klang dabei keinesfalls ängstlich, sondern eher amüsiert, „ganz genau das, was mir Angst macht.“

Kapitel 1
    Der Mann fiel wie eine gefällte Eiche, langsam, schwerfällig und mit einer widerwilligen Würde. Er fiel ohne vorherige Warnung, rollte nur seine Augäpfel hoch, bis seine Pupillen unter den Lidern verschwunden waren, und kippte um.
    Fünf junge Männer im Alter zwischen siebzehn und dreiundzwanzig Jahren sprangen auf, rannten nach vorne, um ihn zu fassen und seinen Sturz abzufangen. Sie erreichten ihn nicht rechtzeitig. Im Grunde war das nicht ihr Fehler, sondern der ihres Lehrers.
    Professor Eberhard Schrebel bestand immer darauf, dass seine Studenten weit von ihm entfernt saßen, da ihre ungeordneten Gedanken ihn zutiefst störten. Die Studenten hielten sich brav an diese Maxime, denn sie fanden, dass ihr Dozent selbst auf die Entfernung noch ein recht reizbarer Mann war. Professor Schrebel war ein hoher Meister der arkanen Künste und somit ein Mensch mit weit erhöhter Wahrnehmungsgabe, was es einfach machte, ihn aus der Ruhe zu bringen. Unordnung jeder Art war ihm ein Gräuel, und seiner – maßgeblichen – Meinung nach gab es nichts Ungeordneteres als die wirren Gedanken der fünf Studenten, die seine Kunst zu erlernen suchten.
    Die letzten Worte, die er von sich gegeben hatte, bevor er umfiel, hatten gelautet:
    „Das Erlernen der Wahrnehmung von Energielinien ist die Grundvoraussetzung für jede Art von Fortschritt in den arkanen Künsten. Bisweilen scheinen sie einem auszuweichen. Dann wieder mögen sie beinahe penetrant sein in ihrer Intensität. Es bedarf eines fleißigen Studiums und unablässiger Übung, sie zu erfassen und korrekt zu bemessen. Noch mehr Wissen und Kunstfertigkeit ist gefordert, will man sie beeinflussen oder gar beherrschen. Können Sie sie sehen, Mr. McMullen? Ja? Dachte ich ’ s mir doch. Gut. Ein wenig zäh sind sie heute, nicht wahr? Beinahe flagrant in ihrer …“
    Diesen Satz hatte er nicht beendet. Der junge Mann, den er als Mr. McMullen angesprochen hatte, erreichte ihn als erster, da er auch als erster losgelaufen war, und zwar – so sah es zumindest aus –, noch bevor der Mann überhaupt gestürzt war.
    Doch auch er konnte den Sturz nicht verhindern.
    Nun standen die jungen Herren um ihren gefallenen Meister versammelt. Der mächtige Mann lag auf dem Boden, sein schwarzer Gehrock war in Unordnung, seine Krawatte verrutscht, der graue Haarschopf durcheinander. Seine Augen waren halb geöffnet, und sein Atem ging flach und mühsam.
    „Was ist geschehen?“, fragte Hendrik Deiss, mit siebzehn Jahren der Jüngste in der Gruppe.
    „Ich weiß nicht“, antwortete Ian McMullen, der das Gefühl hatte, dass die Frage an ihn gerichtet war, obwohl der Kommilitone ihn nicht direkt angesprochen hatte. „Er ist ohnmächtig geworden. Oder so was.“
    „Hast du irgendwas gemacht, was er nicht vertragen hat?“, fragte ein weiterer Kommilitone misstrauisch. Gerald Sievers konnte sich nicht an den Gedanken gewöhnen, dass in der Anfängerklasse von fünf Neulingen einer dabei war, der alle anderen an Fähigkeiten übertraf, ohne vernünftigen Grund. Oder zumindest ohne akzeptablen Grund.
    „Sei nicht albern. Natürlich nicht.“ Ian McMullen fuhr sich nervös mit der Hand durch sein rotblondes Haar. Er war blass, doch das war er meist. Zum einen von Natur aus, zum anderen hatte ein besonderes Ereignis in seinem Leben, bei dem er einer ungeheuren Menge von Fey-Energie ausgesetzt gewesen war, seine stete Blässe noch verstärkt. „Ich wüsste gar nicht wie. Selbst wenn ich es wüsste, warum sollte ich?“
    „Weil du es kannst?“
    Ian wurde abwechselnd bleich und rot. Das Universum hatte Regeln, und Dinge zu tun, nur weil man es konnte und aus keinem anderen Grund, bedeutete Chaos. Chaos war das, was Magier gemeinhin zu vermeiden suchten. Chaos war der Feind.
    „Nein. Er ist ein verdammt mächtiger Meister, und ich – genau wie du – studiere die arkanen Wissenschaften im ersten Jahr. Wie du sehr wohl weißt, verdammt noch mal.“
    „Ja. Ich habe läuten hören, dass man darüber berät, dich in die Secunda hochzustufen, ohne dich auch nur

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