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Jenseits Der Schatten

Titel: Jenseits Der Schatten
Autoren: Brent Weeks
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du wirst dies nicht bekommen. Dies ist kostbar. Dies gehört uns.
    Während ihre Küsse erhitzter wurden, zogen sich diese Gedanken - und alle Gedanken - in den Hintergrund zurück und verschwanden zur Gänze unter dem Duft von Lavendel und Schweiß und ihrem Atem und dem Gefühl ihres Gewichts auf seinem Schoß und ihren Händen auf seinem Körper. Und - endlich! - fanden seine Finger einen Weg durch all die Schichten von Röcken, und er spürte schlanke, in Strümpfen steckende Waden, und er folgte dieser Seide hinauf zu noch seidigerer Haut. Jenine drückte die Hüften an ihn.
    Logan sprang auf und stellte Jenine auf die Füße. Mit weit aufgerissenen Augen räusperte er sich. »Die königlichen Gemächer können nicht weit sein«, sagte er. »Wenn du fünf Minuten warten kannst -«
    Jenine packte ihn. Sie warteten nicht.
     
    Als Kylar die Augen aufschlug, lag er auf einem weichen Bett. Hoch über ihm war die Decke mit einem kunstvollen Mosaik bedeckt, das einen Krieger zeigte, der am Hals eines Titanen hing, ein riesiges schwarzes Schwert in der Hand, erhoben zum tödlichen Hieb. Es war Kylar, doch das Mosaik war jahrhundertealt. Kylar drehte sich um.
    Zuerst erkannte er Vi nicht. Zum ersten Mal, seit er sie kennengelernt hatte, trug sie ihr wundervolles rotes Haar offen. Eine einzelne Strähne war schneeweiß. Vi saß neben seinem Bett und hielt seine Hand, die grünen Augen im Schlaf geschlossen. Auf dem Nachttisch standen rote Tulpen.

Epilog
    Elenes Beerdigung war schlicht und bescheiden, obwohl sie in der Halle der Winde abgehalten wurde. Der Hochkönig und die Königin gesellten sich zu Vi, Kylar, Durzo und Schwester Ariel. Dorian saß im hinteren Teil der Halle im Schneidersitz auf dem Boden und bekam nichts mit. Glücklicherweise war er still. Feir stand neben ihm und beobachtete ihn - im Wesentlichen, um dafür zu sorgen, dass er nichts Anstößiges tat. Erstaunlicherweise hatte Elenes alter Patr aus Cenaria Logans Armee begleitet, um den Verwundeten zu helfen, und er predigte mit einer schlichten Beredsamkeit, die von seiner langen Freundschaft mit ihr kündete. Die Wände und die Kuppel der Halle der Winde zeigten den schönen Frühlingstag draußen, reif und strahlend und vielversprechend.
    Vi ertappte sich wieder und wieder dabei, dass sie zu Kylar hinüberschaute. Nachdem sie durch die Eheohrringe mit ihm verbunden gewesen war, war es seltsam, seine Gefühle von seinem Gesicht ablesen zu müssen. Er weinte ungehemmt, und diese Tränen hatten etwas Reines und Heilendes. Der Patr beendete das Schlussgebet, und einer nach dem anderen gingen sie zu dem offenen Sarg hinüber.
    Kylar und Vi gingen als Letzte. Elene war absolut atemberaubend. Schwester Ariel und Vi hatten ihr Gewand gemacht. Es war aus weißer Seide wie das, in dem sie gestorben war, aber es
trug Elenes Zurückhaltung und ihrem Geschmack Rechnung. Ihr Gesicht war strahlend. Ohne Narben war es das Gesicht, das Gott für Elene beabsichtigt hatte, aber ohne ihre Sanftheit, die es belebt hätte, sah es zu streng aus. Es war das Gesicht einer Königin, doch Elenes Schönheit war immer warm und tröstend gewesen, niemals einschüchternd. Während Vi versuchte, die Einzelheiten zu ergänzen, die diese Hülle nicht einfangen konnte, wurde sie überwältigt von der Ungeheuerlichkeit des Verlustes. Sie musste sich wappnen, bevor sie zum Sarg ging.
    Schließlich wob Vi einen kleinen Zauber, den Schwester Ariel sie gelehrt hatte, um die roten Tulpen auf Elenes Brust. Er würde die Blumen für alle Zeit bewahren. Dann berührte Vi die kalte Wange ihrer Freundin und küsste sie auf die Stirn. Als sie Elenes Körper berührte, während sie noch immer ihre Magie hielt, fiel Vi etwas auf.
    Elene war nicht schwanger. Vi richtete sich auf, und ihre Tränen waren vergessen. Hatte Elene sich einfach geirrt? Elene war noch nie zuvor schwanger gewesen, daher konnte sie nicht genau gewusst haben, wie es sich anfühlte. Vi gesellte sich zu den Trauergästen, die sich vom Sarg abwandten. Ihr Blick fiel auf die Hochkönigin, schwanger mit Zwillingen, und dann auf Dorian, der an der Tür saß. Der wahnsinnige Magier grinste sie an, und dieses Grinsen rief Vi ins Gedächtnis, dass Dorian der Wahnsinnige die beiden mächtigsten Artefakte der Welt gleichzeitig gehalten hatte. Dorian hatte die Magie geleitet, die alle Krul ausgelöscht und diese Stadt wieder aufgebaut hatte. Dorian war auf magische Weise mit ihnen allen verbunden gewesen. Und er war der begabteste

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