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Je mehr Löcher, desto weniger Käse

Je mehr Löcher, desto weniger Käse

Titel: Je mehr Löcher, desto weniger Käse
Autoren: Holger Dambeck
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Vorwort

    Dieses Buch geistert schon eine Weile in meinem Kopf herum. Seit über fünf Jahren schreibe ich bei SPIEGEL ONLINE in meiner Numerator-Kolumne regelmäßig über Mathematik. Meist geht es darin um Geschichten aus der modernen Wissenschaft, zum Beispiel um die Frage, wie Google die Trefferliste einer Suchanfrage berechnet. Mit einem System aus Milliarden Gleichungen. Es geht auch um Alltägliches wie den Trick, der die Zeit in der Warteschlange des Supermarkts verkürzen kann.
    Ich weiß aus den Klickstatistiken, dass sich viele Menschen für Mathematik interessieren. Die meisten Texte werden mehr als 100.000 Mal aufgerufen. Ich weiß aber auch, dass das Fach die Menschen in zwei Lager spaltet wie kein anderes. Die einen lieben es, die anderen bekommen Albträume. Warum ist das so? Weshalb fragen mich gestandene Journalistenkollegen verschämt, wie man mit Prozenten rechnet? Fehlt ihnen ein Gefühl für Zahlen?
    Spontan fielen mir keine schlüssigen Antworten darauf ein. Also begann ich zu recherchieren. Ich habe dabei Dutzende Bücher und Fachartikel von Mathematikern sowie Didaktikern gelesen. Nach und nach haben sich dabei die zentralen Thesen herauskristallisiert, die Sie in diesem Buch wiederfinden.
    Es gliedert sich in drei Teile. In den ersten drei Kapiteln geht es um die Frage, wie viel Mathematik in uns Menschen steckt. Die Natur gibt uns eine Menge mit – Sie werden staunen! Sie erfahren auch, warum Rechnen eine sehr anspruchsvolle, aber zugleich völlig überschätzte Aufgabe für unser Gehirn ist.
    Im vierten Kapitel geht es um die Frage, wie trotz unserer an sich guten Voraussetzungen Mathephobien entstehen können. Sie ahnen es womöglich, viel hängt vom Lehrer ab, mit dem man als Kind nun mal zu tun hat. Aber auch Eltern können einiges falsch machen und Heranwachsenden die durchaus vorhandene Lust auf das Fach austreiben. Entscheidend ist letztlich, Kreativität und eigene Wege zuzulassen. Wer als Schüler vorgeschrieben bekommt, wie er denken soll, verliert den Spaß daran.
    In den verbleibenden Kapiteln nehme ich Sie dann mit auf eine spannende Reise in eine Mathematik, wie Sie sie aus der Schule kaum kennen werden. Mit welchen Tricks löst man scheinbar unlösbare Aufgaben? Entdecken Sie die betörende Schönheit und Kraft klarer Ideen, wie sie auch Albert Einstein hatte. Erleben Sie die Mathematik als Kunst – und nicht als kaum durchschaubares Werkzeug zum schematischen Lösen von Aufgaben.
    Nicht zuletzt geht es in diesem Buch auch um ein großes Missverständnis, das leider, wie Mediziner sagen, chronisch geworden ist. Mathematik hat nämlich herzlich wenig mit dem zu tun, wofür viele das Fach halten.
    Die gängige Meinung kennen Sie: Mathematik heißt rechnen, Zahlen in Formeln einsetzen, Sachaufgaben lösen. Dass Mathematik etwas ganz anderes ist, als stupide Zahlen in Formeln einzusetzen, die kaum jemand verstanden hat, wissen selbst viele Mathelehrer nicht. Sie haben das Fach genauso erlebt wie viele andere Mathegeschädigte auch. Es gibt Aufgaben, es gibt vorgegebene Lösungswege – und nur wer alles richtig einsetzt, kommt am Ende auf die korrekte Lösung.
    So stecken Lehrer, Schüler und Eltern in einem Teufelskreis. Erwachsene lehren Kinder das Fürchten vor dem Fach, und wenn die Kinder groß sind, machen sie’s genauso. Ein Teil der Menschen schafft es irgendwie doch, sich den Weg durch Geometrie und binomische Formeln zu bahnen. Alle anderen gehören zu jenen, die es angeblich einfach nicht kapieren.
    Umso schlimmer, dass manche Lehrer und Bildungspolitiker die Mathematik dann auch noch als eine Art Scharfrichter betrachten, der intelligente von angeblich weniger intelligenten Kindern trennt. Mathematik zählt wie Deutsch zu den Kernfächern. Wer es kann, hat das Zeug für höhere Weihen, aber alle anderen müssen sich gewaltig strecken, damit sie nicht aussortiert werden. Das deutsche Bildungssystem macht traditionell nämlich genau dies. Eine schlechte Mathenote kann dazu führen, dass Schüler keine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen oder aber einen miesen Abiturdurchschnitt haben.
    Dass so viele Menschen mit Mathematik große Probleme haben, gilt nicht etwa als Indiz für einen möglicherweise grottenschlechten Matheunterricht – nein, es wird vielmehr als Bestätigung dafür gesehen, dass eben nicht jeder Mathematik kann. Ein folgenschwerer Irrtum!
    Je mehr Löcher, desto weniger Käse, heißt dieses Buch. Ja, Mathematik kann wirklich genauso einfach

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