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Jagd auf Jesse James

Jagd auf Jesse James

Titel: Jagd auf Jesse James
Autoren: Jack Slade
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»Ich will, dass Jona nach Hause kommt«, sagte Don Miles.
    Lassiter hob die Achseln. »Deine Tochter ist erwachsen, Don. Sie geht ihren eigenen Weg.«
    »Den falschen Weg.«
    Die beiden Männer befanden sich im eleganten Büro eines dreistöckigen Hauses in Kansas City, Missouri. Das Haus verfügte über zwei Dutzend Zimmer, die zum größten Teil an Damen vermietet waren, die hier ihre Freier empfingen. Don Miles besaß mehrere solcher Etablissements, nicht nur im Staat Missouri. Das größte seiner Bordells wurde gerade am Rand von San Francisco errichtet. Ein Prachtbau aus Sandstein, eingebettet in die malerische Küstenlandschaft am Pazifik. Miles war einer der reichsten Männer westlich des Mississippi – und er war Kontaktmann der Brigade Sieben.
    »Es stört dich, dass Jona als Tänzerin durch die Gegend tingelt«, sagte Lassiter. »Deshalb willst du …«
    »Nein, zum Henker, das ist es nicht!« Miles stemmte sich in die Höhe. Er war ein stämmiger Mann um die Fünfzig, mit grau durchwirktem Haar, energischem Kinn und kräftiger Nase. Der Anzug, den er trug, stammte aus der neuesten Kollektion eines berühmten Pariser Modehauses. Miles ging zum Fenster, nahm die Gardine beiseite und blickte auf die Main Street hinaus.
    »Willst du darüber reden, Don?«, fragte Lassiter vorsichtig.
    Der Mann am Fenster gab keine Antwort. Er schien tief in seine Gedanken versunken. Lassiter schlug die Beine übereinander und übte sich in Geduld. Er war sicher, dass Miles bald von selbst mit der Sprache herausrücken würde. Vermutlich wog er gerade ab, ob er jemand anders in seine persönlichen Sorgen Einblick gewähren oder lieber weiter die Klappe halten sollte.
    Auf dem edlen Nussholz-Schreibtisch stand eine gerahmte Fotografie, gleich neben dem Tintenfass. Lassiter beugte sich vor, drehte den Ständer herum und blickte in das anmutig lächelnde Antlitz einer jungen Frau mit hochgesteckten, hellen Haaren. Das musste Jona sein, Miles’ Sorgenkind.
    »Ein sehr hübsches Mädchen, deine Tochter«, bemerkte Lassiter.
    Miles erwachte aus seiner Lethargie. Er setzte sich wieder in seinen Sessel, nahm das Bild vom Tisch und betrachtete es mit gefurchter Stirn.
    »Ich finde, Jona sieht so aus, als wenn sie genau weiß, was sie tut«, fand Lassiter. »Eine selbstbewusste Frau, aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihr Daddy. Sie will ihr eigenes Leben. Warum vertraust du ihr nicht?«
    »Vertrauen«, sinnierte Miles leise, ganz langsam sah er von dem Bild auf. »Ich würde ihr ja gern vertrauen – wäre da nicht diese hirnverbrannte Idee, die sich wie ein Geschwür in ihren Kopf gefressen hat.«
    Lassiter wartete.
    Miles sah das Bild an. »Erinnerst du dich noch an diesen Tim Brandon?«
    »Brandon? War das nicht dieser Cowboy, mit dem Jona mal poussiert hat?«
    »Ganz recht. Die Beiden wollten sogar heiraten, aber dann hat Jona ein Engagement in Texas angenommen. Tim ging daraufhin als Vormann auf eine Ranch in Montana. Monatelang verloren sie sich aus den Augen.«
    »Aus den Augen, aus dem Sinn.«
    »Nicht immer.« Miles fegte ein Staubkorn von der Fotografie. »Letzte Woche hat es einen Zugüberfall gegeben. Gar nicht so weit weg von hier, nur ein paar Meilen vor Winston entfernt.«
    »Ja, ich erinnere mich.«
    »Bei dem Überfall wurden zwei Männer erschossen«, fuhr Miles fort. »Der Zugschaffner und ein Passagier – Tim Brandon. Der arme Kerl hatte gerade seinen Dienst quittiert und war auf dem Weg nach Texas, um endgültig bei Jona zu bleiben. Er wollte ihr einen Heiratsantrag machen.«
    » Shit happens !«
    Miles nickte. »Es heißt, die Winston-Morde gehen aufs Konto der James-Bande.«
    Davon hatte Lassiter auch gehört. »Ja, das stimmt. Die Eisenbahngesellschaft hat zehntausend Dollar für die Ergreifung von Jesse James ausgesetzt.«
    Miles zog eine Leidensmiene. »Jona hat sich geschworen, den Dreckskerl, der ihr Lebensglück zerstört hat, zur Rechenschaft zu ziehen. Auge um Auge, Zahn um Zahn.«
    » All devils! « Lassiter war baff. »Sie will Jesse James an den Kragen?«
    »Man braucht kein Prophet zu sein, um sich vorzustellen, wie die Sache enden wird«, versetzte Miles. »Jetzt weißt du, warum ich Jona nach Hause holen will.«
    Drückende Stille lastete in dem Büro.
    Lassiter konnte nachfühlen, was in dem Mann auf der anderen Seite des Schreibtischs vorging. Miles’ impulsive Tochter hatte sich in den Gedanken verrannt, den Mörder ihres Liebsten die Rechnung zu präsentieren.
    Und der Betreffende war
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