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Ja heißt für immer

Ja heißt für immer

Titel: Ja heißt für immer
Autoren: SUSAN MALLERY
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PROLOG
    Wie gebannt blickte Katie Fitzgerald auf das leuchtend rote Fahrrad. Es lag zusammen mit anderen schrottreifen Rädern hinter der Eisdiele, wo ihr älterer Bruder und seine Freunde gerade eben eingekehrt waren.
    Obwohl ihr bei dem Gedanken an ein leckeres Eis das Wasser im Mund zusammenlief, sagte sie sich: Das ist meine Chance, Rad fahren zu lernen.
    Ihre Zwillingsbrüder waren zwei Jahre jünger als sie und konnten es schon. Nur sie noch nicht. Und das, weil ihre Eltern ihr nicht einmal erlaubten, es zu versuchen.
    Ich kann nichts dafür, dass ich so klein bin, dachte sie und ballte die Hände zu Fäusten. Ihr Vater nannte sie manchmal scherzhaft „Zwerg“, was sie jedes Mal verletzte. Aber sie zeigte ihre Tränen nicht, hob stolz den Kopf und schob das Kinn vor. Immerhin war sie eine Fitzgerald und zehn Jahre alt – so gut wie erwachsen.
    Katie überlegte: Wenn David und seine Freunde erst einmal anfangen zu quatschen und wie die Weltmeister anzugeben, hocken sie den ganzen Nachmittag im Café. Sie musste nur aufpassen, dass sie von niemandem gesehen wurde.
    Leichter gesagt als getan. Lone Star Canyon war eine Kleinstadt, und jeder kannte jeden vom Sehen, wenn nicht sogar beim Namen. Dabei hatte Katie nicht vor, das Fahrrad zu stehlen. Sie wollte es sich nur von ihrem Bruder ausleihen .
    Wenn ihre Mutter erfuhr, dass sie sich das Radfahren ganz allein beigebracht hatte, hörte ihre Familie hoffentlich auf, sie wie ein Baby zu behandeln. Nur, weil sie als kleines Kind oft krank gewesen war, verboten die Eltern ihr noch heute, Sport zu treiben. Für Katie galten andere Regeln als für ihre Geschwister. Die durften sich viel mehr Freiheiten herausnehmen.
    Letzten Endes hing alles davon ab, dass sie das Radfahren beherrschte. Dann mussten ihre Eltern ein Einsehen haben und sie draußen spielen lassen. Sie hatte also guten Grund, sich das Rad auszuborgen. Niemand konnte etwas dagegen haben, oder?
    Katie presste die Lippen aufeinander. Da sie ohnehin Ärger bekommen würde, brauchte sie auch nicht auf das Vergnügen zu verzichten. Sie richtete das Fahrrad auf und schwang ein Bein über die Stange.
    Aber der Sattel war viel zu hoch für sie. Selbst wenn sie sich auf die Zehenspitzen stellte, konnte sie nicht sitzen. Sie schob das Rad an den Straßenrand und benutzte den Bürgersteig, um aufzusteigen. Langsam stieß sie sich ab.
    Eine halbe Stunde später waren ihre Knie und Ellenbogen aufgeschürft. Aber trotz Schmerz und Tränen gab sie nicht auf. „Ich kann es lernen“, murmelte sie wild entschlossen.
    „Du machst es ganz falsch“, hörte sie plötzlich eine Stimme hinter sich.
    Als sie sich umdrehte, begann ihr Herz heftig zu klopfen. Jack Darby rollte auf seinem verbeulten Rad geschickt vom Bürgersteig auf sie zu und kam einen Meter vor ihr zum Stehen.
    Obwohl er nur ein Jahr älter war als sie, überragte er sie um einen ganzen Kopf. Wie alle Darbys hatte er dunkles Haar und braune Augen. Katie wagte kaum zu atmen, so einen Respekt hatte sie vor ihm. Aber selbstverständlich würde sie das einen Darby nicht merken lassen.
    „Soll ich es für dich halten, Katie?“ Jack ließ sein Rad auf den Boden fallen und ergriff ihren Sattel. „Zuerst musst du lernen, die Balance zu halten. Der Rest ist dann ganz einfach.“
    „Es geht schon. Ich brauche deine Hilfe nicht“, ließ sie ihn abblitzen.
    Für einen Moment verfinsterte sich sein Blick. Hatte sie ihn verletzt? Aber er war ein Junge, und Jungen waren nicht empfindlich.
    Er stand ruhig neben ihr und musterte sie. Katie erwiderte seinen Blick. Eigentlich machte Jack Darby gar nicht den Eindruck, als wollte er ihr etwas antun. Nein, er wirkte richtig freundlich.
    „Alle Darbys hassen alle Fitzgeralds. Vom ersten bis zum letzten Atemzug. Die Darbys und die Fitzgeralds sind verfeindet, seit der Staat Texas existiert“, so klangen ihr die Worte ihres Vaters in den Ohren.
    Jack deutete auf ihre blutigen Knie. „Du schürfst dir ja die ganze Haut ab. Willst du wie ein gehäutetes Hühnchen aussehen?“
    Bei dieser Vorstellung musste sie lachen. „Werd ich schon nicht.“
    „Wenn sie dich sehen, laufen sie weg.“ Jack klopfte auf den Sattel. „Komm schon. Meine beiden Schwestern können auch Rad fahren, und die sind jünger als du.“
    Die Herausforderung in seiner Stimme klang gar nicht böse. Seine Augen schienen zu lächeln. Die zu langen Haare fielen ihm in die Stirn. Bisher hatte sie Jack nur von Weitem in der Schule gesehen. Obwohl ihr Dad

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