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Industriepampe: Wie die Kunstprodukte unser Körpergefühl blenden (Ernährungs- und Bewegungsbibliothek)

Industriepampe: Wie die Kunstprodukte unser Körpergefühl blenden (Ernährungs- und Bewegungsbibliothek)

Titel: Industriepampe: Wie die Kunstprodukte unser Körpergefühl blenden (Ernährungs- und Bewegungsbibliothek)
Autoren: Dr. Anja Dostert
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schmecken. Die Amylase knabbert ein paar Zuckermoleküle von den Kohlenhydraten ab, leistet aber nur einen winzigen Teil der Verdauungsarbeit: Schluckt man die Nahrung runter, wird die Alpha-Amylase im sauern Magensaft sofort wieder deaktiviert. Erst im Darm werden die Kohlenhydrate vollständig aufgeschlossen. Warum macht sich der Körper die Mühe, diese Amylase zu produzieren, um eine minimale Vorverdauung im Mund zu leisten? Dem Darm ist es beim Aufschluss der Kohlenhydrate herzlich egal, ob wir das Brot lange kauen oder in Windeseile verschlingen. Die Alpha-Amylase leistet ihren Beitrag, indem sie von den Kohlenhydraten kleinste Mengen Zucker freisetzt, die dann als süß geschmeckt werden können. So kann der Mensch über die beim Kauen entstehenden Malzzucker und Oligosaccharide schmecken, dass er gerade auf einer energiereichen Nahrung kaut.
    Somit kann der Mensch im Mund alle wichtigen Nahrungsbestandteile analysieren: Den schnell verfügbaren Zucker, die langsam verfügbaren Kohlenhydrate, das Fett, das Eiweiß und die wichtigsten Mineralien. Gleichzeitig schützt der Rezeptor für Bitteres vor Giften.
Der Geruchssinn
    Das Analysieren der Nahrung ist die vielleicht wichtigste Aufgabe des Geruchssinns. Menschliche Nasen sind für Gerüche der Verderbnis sehr sensibel: Der Genuss einer bakteriell verdorbenen Speise könnte das Leben kosten, Schimmelpilztoxine schädigen die Gesundheit. Leckere Aromen animieren zum Zugreifen, sie stimulieren den Appetit und leiten die Produktion der Verdauungssäfte ein. Das Wasser läuft im Mund zusammen, der Körper beginnt mit der Produktion der Verdauungssäfte.
    Geschmack und Geruch beeinflussen sich gegenseitig. Das erlebt jeder, der versucht, das Essen trotz Erkältung und verstopfter Nase zu genießen. Im Inneren des Nasenraumes ist die Riechschleimhaut lokalisiert. Beim gezielten Schnüffeln vor der Bäckerei verwirbelt sich die Luft stärker als beim normalen Atmen, mehr Geruchsmoleküle werden an die Schleimhaut getragen, um die Luft zu analysieren. Beim Kauen gelangen die Geruchsstoffe über den Hals und Rachen von innen an die Riechschleimhaut. Durch die Zerkleinerung und das Erwärmen der Nahrung beim Kauen werden die Aromen gut freigesetzt.
    In der Riechschleimhaut sitzen 30 Millionen sehr verschiedenartige Sinneszellen, die jeweils auf einen bestimmten Duftstoff ansprechen. Jedes Lebewesen verfügt hauptsächlich über die Sinneszellen, die für es von Bedeutung sind. Man sagt, dass Hunde besser riechen können als Menschen. Dies stimmt nur teilweise. Hunde sind für den Fettschweiß ihrer Beute sehr empfindlich, der Mensch kann hier nicht mithalten. Mensch und Affe hingegen können Fruchtdüfte viel besser und differenzierter wahrnehmen als Hunde. Der Hund hat kein Interesse am reifen Apfel, er ernährt sich von Fleisch.
    Die Information über Gerüche gelangt ungefiltert ins limbische System des Gehirns, so ist die Geruchswahrnehmung sehr direkt mit den Emotionen verbunden. Ein bestimmter Geruch erinnert Sie sofort an einen geliebten Menschen oder an eine bestimmte Situation.
    Menschen nehmen schon kleine Konzentrationen von Fäkal- und Verderbnisgerüchen wahr, dies schützt vor Infektionen aller Art. Manche unangenehmen Gerüche können in hoher Konzentration sogar Würgereflexe auslösen. Faule Eier sind für uns kaum zu ertragen, der Körper möchte uns durch den Würgereflex vor einer solchen Gefahr schützen.

Die Verdauung
    Noch im 19. Jahrhundert wusste man nichts darüber, was mit der Nahrung im Körper geschieht. Man fütterte Versuchstiere zu einer festgelegten Zeit, schlachtete diese in bestimmten Abständen und sah in Magen und Darm nach, was mit dem aufgenommenen Essen passierte. Durch diese Versuche gewann man nur wenig Information über den für den Menschen so wichtigen Prozess. Stück für Stück vervollständigten die Wissenschaftler das Puzzle.
    Der Verdauungstrakt bildet ein durchgehendes Rohr durch den Körper, im Grunde liegt dieser gar nicht im Körper, sondern ist dem Außenbereich zuzuordnen. Der Verdauungsraum ist ein nach innen gestülptes Außen. Der Mensch produziert täglich etwa neun Liter Verdauungssäfte.
    Der Körper kann Nahrung in den verschiedensten Zusammensetzungen aufnehmen, zersetzen, von Giftstoffen befreien und in Energie und Baustoffe umwandeln. Woher weiß der Körper, ob er die Enzymsammlung für „Apfel“ oder für „Steak“ vorbereiten muss? Wann würde ein Industrieunternehmen mit den

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