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Industriepampe: Wie die Kunstprodukte unser Körpergefühl blenden (Ernährungs- und Bewegungsbibliothek)

Industriepampe: Wie die Kunstprodukte unser Körpergefühl blenden (Ernährungs- und Bewegungsbibliothek)

Titel: Industriepampe: Wie die Kunstprodukte unser Körpergefühl blenden (Ernährungs- und Bewegungsbibliothek)
Autoren: Dr. Anja Dostert
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Ein erfolgreicher Abend
    Sie stehen in Ihrer Küche und kochen für den Besuch, den Sie am Abend erwarten. Die Gäste sollen sehr kostengünstig, aber trotzdem imposant bekocht werden. (Wen Sie beglücken, das bleibt Ihrer Fantasie überlassen.) Zwei Ihrer Freunde sind Lebensmitteltechnologen und haben Sie perfekt beraten. Netterweise haben diese Ihnen auch ein paar Zutaten besorgt, die Sie im Supermarkt in fast jedem Produkt vorfinden, aber nur in verarbeiteter Form. Günstig und trotzdem lecker - Sie nehmen sich heute die Nahrungsmittelindustrie zum Vorbild.
    Zur Begrüßung der Gäste soll ein leckerer Snack auf die liebevoll dekorierten Stehtische. Sie entscheiden sich für selbst gemachte Kartoffelchips. Nach dem Frittieren in einem gängigen Frittieröl, dem Sie einen winzigen Schuss Olivenöl hinzugefügt haben, schmecken diese zunächst nach nichts. Glutamat ist bei Ihren Gästen nicht beliebt. Lieber nehmen Sie den Hefeextrakt des Lebensmitteltechnologen, das klingt besser. Mit Hefe hat ja jeder Ihrer Gäste irgendwann schon einmal gebacken. Sie murmeln auf die Fragen der Gäste vage etwas von „pflanzlicher Würze“ und von „Hefe“. Es befinden sich Vegetarier unter ihren Gästen. Trotzdem ergänzen Sie ein Aroma, das vom Rind stammt. Beim Servieren erzählen Sie von dem natürlichen Aroma, das verwendet wurde. Noch ordentlich Salz (Jodsalz ist ja gesund) und ein paar Gewürze: Rosmarin klingt doch lecker, oder? Auch das gibt es fix und fertig als Aroma. Sie ergänzen günstige fein gemahlene Kräuter, damit die grünen Pünktchen das Produkt verschönern. Da tut es irgendein Kraut, dessen Geschmack nicht schadet. Jeder wird denken, es sei Rosmarin.
    - S nack -
    Selbst gemachte Rosmarin-Kartoffelchips
    Auf der Menükarte sehen Ihre Gäste eine Abbildung von Kartoffeln und einigen Ästchen Rosmarin. Auch eine hübsche Olivenölflasche mit Olivenzweig ziert das Bild. Beiläufig erwähnen Sie beim Aperitif, dass Rosmarin das Gedächtnis stärkt und vor Demenz und Alzheimer schützt. Olivenöl schützt die Gefäße.
     
    Als Vorspeise servieren Sie eine Hühnerbrühe. Zum Glück haben Sie noch Hefeextrakt übrig, denn Huhn ist Ihnen heute zu teuer. Sie werfen die Haut des Huhns, das Sie letzte Woche zubereitet haben, in den Topf. Sonst werfen Sie diese immer weg, heute kochen Sie die Haut schön aus, so gelangt Hühnerfett in die Suppe. Sie verwenden Jodsalz, gekörnte Brühe (eine weitere unauffällige Quelle für Glutamat) und ein paar grüne Kräuter, damit es gesund aussieht. Da in der Suppe außer Wasser, Fett, Salz und Glutamat noch gar nichts drin ist, ergänzen sie ein paar Nudeln und natürlich das Aroma des Lebensmitteltechnologen. Sie haben nämlich gemerkt, dass das bisschen Hühnerfett nicht hergab, was Sie an Geschmack benötigen. Die Farbe ist etwas - grau! Ein wenig Lebensmittelfarbe (ein Pflanzenextrakt des Technologen) sorgt für einen angenehmen gelblich-braunen Suppenton. Sie ergänzen ein paar Stückchen getrocknete Karotte wegen der Farbe. Wenn auf jedem Teller zwei orange Farbtupfer landen, das reicht. Die Vegetarier werden traurig sein, von dieser leckeren Suppe nicht kosten zu können. Sie hätten das Hühnerfett auch durch ein gehärtetes Pflanzenfett ersetzen können, aber soweit wollen Sie heute nicht gehen, eine vegetarische Hühnersuppe herzustellen.
    - Vorspeise -
    Hühnerbrühe mit Nudel- und Gemüseeinlage
    Die Abbildung zeigt einen Teller Suppe mit einem Bund Kräuter und Gemüse im Hintergrund. Beim Essen wird über die gesundheitsfördernde Wirkung der Hühnersuppe diskutiert, sie ist ja ein Allheilmittel bei Erkältung und wirkt sogar gegen Bluthochdruck.
     
    Nachdem Sie bisher günstig gekocht haben, können Sie es bei der Hauptspeise krachen lassen. Es gibt Vollkornpasta in Shrimps-Weißwein-Sauce. Da Shrimps viel zu teuer sind, nehmen sie die Kopie, die auf Basis von Fischabfällen und Enzymen zusammengepresst und mit Lebensmittelfarbe auf gutes Aussehen getrimmt wurde. Die künstlich aromatisierten Shrimpsimitate kaufen Sie fertig. Sie ergänzen den passenden Aromencocktail des Lebensmitteltechnologen. Für den Weißweingeschmack gibt es ebenfalls ein passendes Aroma, da können Sie den Wein für das Essen sparen. Sie finden noch das Eimerchen Zitronensäure im Keller, das Sie immer zur Entkalkung der Kaffeemaschine einsetzen. Heute entnehmen Sie eine winzige Prise, um die Sauce anzusäuern und so die Anwesenheit von Wein vorzutäuschen. Ein paar Kräuter müssen

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