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Immortal 3 - Schwarze Glut

Immortal 3 - Schwarze Glut

Titel: Immortal 3 - Schwarze Glut
Autoren: Joy Nash
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Kapitel 1
    N ackt praktizierte Magie hatte einen erheblichen Nachteil, dachte Christine verdrossen.
    Sie machte einen spitz.
    Und zwar nicht spitz im Sinne von »Wäre schön, wenn heute Nacht noch was liefe«. Nein, die Lust, die mit dem Himmelsgewand einherging, hatte zumindest auf Christine eher diese Wirkung: »Göttin, ich brauche es so dringend, dass ich wahnsinnig werde, wenn es nicht sofort passiert!« Mit anderen Worten: Sie empfand eine Lust wie seit zwei Jahren nicht mehr.
    Seit sie das Ritual zum letzten Mal zelebriert hatte.
    Silbriges Sternenlicht drang durch die hohen Zweige der römischen Pinien und versah die nächtlichen Schatten mit scharfen Umrissen. Christine kniete auf der alten Erde des Palasthügels in einem Kreis aus zerstoßenem Meersalz und hob die Hände gen Himmel.
    Die nächtliche Brise trieb ihr eine Gänsehaut auf die Arme und jagte ihr Schauer über den nackten Rücken. Wenige Meter entfernt lagen ihre Cargo-Jeans und der weite Pullover, doch sie könnten ebenso gut zwei Meilen weit weg auf dem Fußboden ihres heruntergekommenen Zimmers liegen – bei der übrigen Schmutzwäsche –, so viel, wie sie ihr hier nutzten.
    Im Moment war Christines gesamte Welt innerhalb des Kreises, wo sie vor der Göttin kniete, ihr Körper unbedeckt, ihre Seele unverfälscht.
    Harte spitze Piniennadeln und Scherben von zerbröckeltem Marmor stachen ihr in die Knie. Sie hatte ihren Zopf gelöst, so dass ihr das Haar offen über den Rücken fiel. Ähnlich einem Rauschen vernahm sie aus der Ferne den Verkehr auf der Via dei Fori Imperiali, hier und da unterbrochen vom lauten Stakkato der Autohupen. Die Geräusche verloren sich hinter dem Kolosseum.
    Zwischen Christines Schenkeln kribbelte ein ungeduldiges Verlangen.
    Göttin, wie sie das hasste!
    Sie hasste es, im Himmelsgewand ihre Magie ausüben zu müssen, denn die Gefühle waren zu real, zu stark – nicht zu vergessen: zu gefährlich! Nach Shauns Tod hatte sie geschworen, es nie wieder zu versuchen, ganz gleich, was auf dem Spiel stünde. Wie sich nun herausstellte, war das ein Meineid gewesen.
    Es war unerheblich, dass sie nicht hier sein wollte. Weit lieber wäre sie zu Hause und würde vor dem wackligen Holztisch mit der wunderschönen blauen Seidendecke knien, die sie mehr gekostet hatte, als Christine in zwei Wochen mit den Aquarellen verdiente, die sie an knausrige Touristen verhökerte. In ihren vier Wänden und geschützt durch Sigil-Runen fühlte sie sich wenigstens halbwegs sicher. Hier jedoch, in den ältesten Ruinen Roms und nackt unter dem Sternenhimmel, war sie wehrlos ihrer eigenen Magie ausgeliefert.
    Ihre Zauberkraft wirkte derweil ebenso sinnlich und verführerisch auf sie wie die Zunge eines Mannes auf ihrer bloßen Haut. Christine blieb nichts anderes übrig, als es einfach auszuhalten. Ihre Brüste wurden schwer, die Spitzen fest, und ihre Bauchmuskeln spannten sich über dem erotischen Feuer in ihrem Innern.
    Sollte ein Ewiger sie so entdecken, könnte es höchst unangenehm werden.
    Und dass das passierte, war alles andere als ausgeschlossen. Da halfen ihr auch ihre Schutzzauber und der sorgfältig gemalte Kreis nichts. Ein richtig alter Vampir würde ihre Barrieren mühelos durchbrechen. Selbst die schwächeren Untoten wie Zombies, Golems und Ähnliche waren heute stärker und kühner als noch vor wenigen Monaten – ganz zu schweigen davon, dass sie zahlenmäßig enorm zugelegt hatten. Christine kam es vor, als würde sie überall, wo sie hinsah, neu gewandelte Vampire oder kürzlich auferstandene Zombies entdecken, die im Schatten lauerten. Und wenngleich sie es durchaus mit einem oder sogar zwei jungen aufnehmen konnte, mochte sie überhaupt nicht daran denken, was passieren würde, sollte sie von einer ganzen Horde attackiert werden.
    Und dann waren da noch die Dämonen.
    Sie schloss die Augen. O Göttin! Die Dämonen. Die heutige Nacht könnte ohne weiteres so enden wie beim letzten Mal …
    War sie denn wahnsinnig, das hier zu versuchen? Nein, wahnsinnig war sie nicht. Sie hatte schlicht keine andere Wahl mehr. Himmelsgewandete Magie war die stärkste, die Christine wirken konnte, und heute Nacht musste sie ihre letzten Kraftreserven aktivieren.
    Die leichte Brise raschelte in den Bäumen. Italien litt gerade unter der schlimmsten Dürreperiode aller Zeiten. Die Frühlingsblumen, die gewöhnlich zu dieser Jahreszeit die gesamte Ewige Stadt zum Leuchten brachten, waren noch vor der Blüte verdorrt. Selbst die alten

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