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Im Schloss der schlafenden Vampire

Im Schloss der schlafenden Vampire

Titel: Im Schloss der schlafenden Vampire
Autoren: Stefan Wolf
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ob mit oder ohne Heymwacht-Futter.“
    Sie kamen an der Fabrik vorbei,
einer ausgedehnten Anlage mit Gebäuden, Hallen, Silos, Fuhrpark, umfriedendem
Zaun und Reklametafeln neben der Einfahrt. Waldwärts entdeckte Tim eine
Landhaus-Villa. Sie stand abgesondert und nicht mehr auf dem Gelände, gehörte
aber offensichtlich dazu. Neben einem Schwimmbecken waren Kinderspielgeräte
aufgebaut: Schaukel, Rutsche, Klettergerüst.
    Heymwacht hat Kinder, stellte
Tim fest. Hoffentlich werden die gesund ernährt und nicht nur mit Eiern.
    Gaby, die neben dem
TKKG-Häuptling ging, blickte zwar auch umher, aber ohne Interesse. Tim merkte,
seine Freundin war mit was anderem beschäftigt.
    „Hauptsache, es gibt keinen
Ärger“, sagte sie. „Ich meine: mit dem Schlossverwalter. Da ihn im Dorf keiner
mag, falls das stimmt, ist er vielleicht ein... ein unangenehmer Typ. Julia
hätte mir das sagen sollen. Aber ich denke mal, sie hat wenig Kontakt zu ihm
und konzentriert sich seit drei Monaten nur auf die Fledermäuse.“
    „Weshalb sollte es Ärger
geben?“, fragte Karl.
    „Weil ihr nicht angemeldet
seid. Graf Anselm ist tot. Die neuen Schlossherren, die drei Erben, wohnen in
der Stadt. Edmund Vogt ist hier also uneingeschränkt der Chef. Bitte, macht
freundliche Gesichter!“
    „Ich werde ihm Schokolade
anbieten“, meinte Klößchen. „Vielleicht ist er bestechlich.“
    Die schmale Straße, die keinen
Gegenverkehr zuließ, führte durch Mischwald, in dem der Spätsommer seine ganze
Fülle entfaltete. Schmetterlinge — Pfauenauge, Zitronenfalter und Kleiner Fuchs
— gaukelten umher.
    TKKG erreichten Schloss
Prinzenruh. Dahinter lag das Moor, links der kleine See. Andächtig verharrten
die vier vor dem imposanten Gebäude: langgestreckt, zwei Trakte, endlose Reihen
hoher Fenster, zwei Obergeschosse, die breite Steintreppe hinauf zum Hauptportal,
das genau in der Mitte lag. Die zahlreichen übrigen Eingänge hatte man
sicherlich seit ewigen Zeiten nicht mehr benutzt.
    Trotz seiner hellen Fassade
wirkt es irgendwie schaurig, dachte Tim. Das liegt sicherlich an der
unwirtlichen Landschaft ringsum. War zu Prinzens Zeiten anders. Da hatte man
gerodet. Der Adel flanierte. Regatta auf dem See, Blindekuh-Spiele mit den
Damen im Moor und der Besuch füllte 60 der 80 Räume. Himmel, wer hier sein
Portmonee verliert, kann lange suchen.
    Er betrachtete die Nebengebäude:
Scheune, Remise, Gerätehaus, Wirtschaftshaus. Ein Gebäude sah aus wie eine
ehemalige Orangerie — ein Gewächshaus. Es lag neben der Remise, die jetzt
offenbar als Garage diente. Reifenspuren führten hinein. Das große Tor lief auf
Rollen und war geschlossen.
    „Wo jetzt der Wald ist, war vor
300 Jahren sicherlich der Schloss-Park“, meinte Karl. „Wenn wir da querbeet
schnüffeln, könnten wir auf steinerne Zeugen stoßen. Auf einen kaputten
Springbrunnen, Denkmalsockel, Steinvasen-Reste und verlandete Bassins, in denen
jetzt Steinpilze wachsen.“
    In diesem Moment wurde das
Portal geöffnet. Ein Mann trat heraus. Er trug Cordhosen. An der Seite hing das
karierte Hemd etwas heraus. Ein bulliger Typ war’s von etwa 40 Jahren. Und sein
Gesicht gefiel Tim überhaupt nicht — weniger wegen der breitgequetschten
Proportionen, sondern wegen der finsteren Miene. Geradezu böse starrte er her.

    „Julia ist das nicht“, flüsterte
Gaby. „Also sagen wir Herrn Vogt Guten Tag.“
    Sie stiegen die endlos breite
Steintreppe hinauf.
    „Hier ist geschlossen! Keine
Besichtigung!“
    ‘ne Stimme wie ein kaputter
Lautsprecher, dachte Tim und knipste sein Lächeln an. Seine Freunde taten’s in
derselben Sekunde und für Vogt muss das komisch ausgesehen haben.
    „Ich sagte: keine
Besichtigung!“, knurrte er, als sie vor ihm standen. „Das Schloss wird
renoviert.“
    „Tag, Herr Vogt!“ Tim strahlte.
„Wir kommen nicht deshalb. Meine Freundin Gaby Glockner ist angemeldet. Sie
wird Julia Lorenz bei den fledermäusischen Feldarbeiten helfen. Und wir“, er
stellte sich, Karl und Klößchen vor, „sind sozusagen die wissenschaftlichen
Assistenten. Sind die Begleitung. Verpflegung und Zahnbürsten haben wir
mitgebracht. Wir brauchen nur noch Ihre Erlaubnis, Herr Vogt, uns hier irgendwo
für die Nacht einzurichten.“
    Vogt starrte ihn an. „Woher
weißt du, dass ich Edmund Vogt bin?“
    „Eine Vermutung. Und wer sonst
sollten Sie sein?“
    „Hat mich jemand beschrieben?“
    „Nein. Wir haben niemanden
gefragt.“
    „Die Studentin hat mich
beschrieben. Nicht

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