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Im Kille-Kille-Keller

Im Kille-Kille-Keller

Titel: Im Kille-Kille-Keller
Autoren: Carter Brown
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1
     
    Er war der personifizierte
Traum einer Junggesellin. So ein Traum, wie man ihn in der Früh um drei träumt,
dann, wenn ein Glas heiße Milch doch nicht so das rechte Mittel ist. Ein Blick
auf ihn genügte, mich tief aufseufzen zu lassen. Zum Glück trug ich einen
trägerlosen BH, deshalb geriet nichts aus der Fasson — außer mir, glaube ich.
    Der Mann war groß, dunkelhaarig
und hübsch. Irgendwie sah er aus, als habe er im Leben schon viel durchgemacht.
Ich nahm aber auch an, daß seinetwegen schon viel durchgemacht worden war. Ich
hätte gewettet, daß es eine ansehnliche Sammlung von Blondinen, Brünetten und
Tizianroten gab, die das bezeugen konnten.
    »Ich bin doch hier richtig — im
Büro der Rio Investigations ?« fragte er mit Baßbaritonstimme . Dabei betrachtete er mich mit jenem
Von-oben-bis-unten-Blick, bei dem man sich ausgezogen und statistisch erfaßt
vorkommt, aber bei ihm machte mir das gar nichts aus.
    »Ganz recht«, sagte ich etwas
heiser. Ich brauchte nicht einmal die Augen zu schließen, um uns beide in einer
Situation zu sehen, die meine alte Dame kompromittierend nennt, mir aber immer
viel Spaß macht. »Ich bin Mavis Seidlitz«, erklärte ich ihm. »Und ich bin jene
Hälfte der Rio Investigations , deren Name nicht an
der Tür steht.«
    »Hä?« sagte er begriffsstutzig.
    »Ich bin die Teilhaberin von
Johnny Rio«, erläuterte ich. »Als Sekretärin betätige ich mich hier nur so zum
Spaß.« Ich widmete meiner Schreibmaschine eine Grimasse, damit er sah, daß ich
es auch ernst meinte. »Das heißt«, fügte ich rasch hinzu, »auch nur, wenn ich
gerade mal nicht mit Kunden zu tun habe.«
    »So?« sagte er. Sehr
interessiert schien er aber nicht. »Mein Name ist Ebhart.«
    »Ebhart wie?« fragte ich ihn.
Ich glaube, ich war ein bißchen enttäuscht, weil es nämlich gewiß schwierig
war, sich in einen Menschen namens Eb zu verlieben.
Vielleicht sollte ich meinen Namen in Flo ändern,
aber das wäre ein rechter Witz.
    »Donald Ebhart!« herrschte er
mich an. Diese Schnauzerei war eine schlechte Angewohnheit, die ich ihm schon
noch austreiben würde. Denn wenn schon schlechte Angewohnheiten bei den Herren,
dann aber interessante.
    »Ich verstehe, Mr. Ebhart«,
sagte ich und bescherte ihm mein ganz besonderes Lächeln. Das, welches so sexy
ist und das ich vor dem Spiegel einstudiert habe — ich lasse da die Unterlippe
einen guten Zentimeter sinken und werfe sie ein ganz klein wenig auf. Ich finde
es nun mal sexy, auch wenn Johnny Rio meint, ich sähe dann aus, als habe ich
nicht alle Tassen im Schrank. Ich fürchte, wenn er so etwas sagt, fehlen ihm ein paar Tassen — oder sonst etwas.
    »Ich bin mit Mr. Rio
verabredet«, sagte Ebhart und schnauzte schon wieder. »Würden Sie mich melden —
oder sind Sie zu beschäftigt damit, Teilhaberin zu sein?«
    »Ich bin ja schon unterwegs«,
sagte ich kalt. »Schließlich sind Sie nicht unser einziger Klient, falls Sie
das interessiert!«
    »Das wußte ich nicht«, meinte
er. »Und es interessiert mich auch nicht. Aber wenn ich nicht binnen zwanzig
Sekunden bei Mr. Rio bin, dann habt ihr einen Kunden weniger. Soviel weiß ich
bestimmt!«
    Ich zuckte nur die Schultern,
was ihn alles Schnauzen vergessen ließ, und griff zum Telefon. Ich sagte
Johnny, ein Mr. Ebhart begehre ihn zu sprechen.
    »Schick ihn rein«, sagte Johnny
hastig. »Du hast dich doch noch nicht mit ihm unterhalten, Mavis? Nein, das kann
nicht sein — er ist ja noch da. Schick ihn gleich herein, ja?«
    »Ich wüßte nicht, was ich
lieber täte«, meinte ich, legte auf und erklärte Mr. Ebhart, Johnny werde ihn
sogleich empfangen. »Vielen Dank«, sagte er. »Ich weiß zwar nicht, wofür — aber
trotzdem vielen Dank.« Dann ging er in Johnnys Zimmer und machte die Tür hinter
sich zu.
    Manchmal glaubt Johnny wohl,
ich behandele die Kundschaft nicht pfleglich genug, aber das ist natürlich
albern. Wäre ich denn Teilhaberin der Rio Investigations ,
wenn ich irgendwie ungeschickt wäre? Hätte ich eine Einkommensminderung
akzeptiert, um Teilhaberin zu werden, wenn es mir an Ehrgeiz fürs Geschäft
fehlte?
    Bis ich das alles durchdacht
hatte, klingelte das Haustelefon. Ich hob ab, und Johnny tönte mir ins Ohr:
»Würdest du bitte mal reinkommen, Mavis?«
    Ich ging also hinüber, und
Johnny sah mich an und lächelte. Mr. Ebhart lächelte mich ebenfalls an — nun,
vielleicht hatte ich den beiden einen Gefallen getan und es gar nicht gemerkt.
    »Setz dich, bitte, Mavis«,
sagte

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