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Im Heu oder im Bett

Im Heu oder im Bett

Titel: Im Heu oder im Bett
Autoren: Julie Hogan
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1. KAPITEL
    Als Cole Travis zum ersten Mal in das Städtchen Valle Verde kam, fühlte er sich in die Vergangenheit zurückversetzt. Die Ränder der Bürgersteige waren von Wildblumen bewachsen, eine Frau schob ihren Kinderwagen vor sich her, und Cole konnte durch das offene Fenster seines Pick-ups eine Gruppe jungen miteinander reden und lachen hören. Alles war friedlich, idyllisch und hübsch anzusehen. Und es vermittelte Cole das Gefühl, weit und breit der einzige Mensch zu sein, der ein Problem hatte.
    Er hielt neben der Zapfsäule einer altmodischen Tankstelle an und wartete, bis der Motor des Wagens schließlich laut knatternd ausging. Er hatte den älteren Pick-up bei einem seiner Baustofflieferanten günstig erstanden, bevor er vor zwei Wochen von Seattle aus losgefahren war. Er seufzte. Da er vorhatte, am Ende seiner Reise nach Hause zu fliegen, hatte er sich eine Klapperkiste ausgesucht, die er dann auf dem Schrottplatz abliefern konnte.
    Ebenfalls wie in guten alten Zeiten erschien jetzt ein Tankwart. „Volltanken?” fragte der junge Mann.
    „Sicher.” Cole öffnete die quietschende Tür und stieg aus. „Wissen Sie, wo ich hier eine Lokalzeitung bekommen kann?”
    Der junge Mann deutete mit dem Kopf in die Richtung des Büros. „Sie können meine haben. Ich habe sie schon gelesen, sie liegt auf meinem Schreibtisch.”
    Cole, der fast den ganzen Morgen von San Clemente nach San Diego gefahren war, machte sich auf den Weg. Er hatte weder in San Clemente noch zuvor in Laguna Beach gefunden, was er suchte. Aber das spielte keine Rolle. Gleichgültig, wie lange es dauern würde, oder was er dafür tun müsste, er würde seinen Sohn finden, ihn nach Hause bringen und versuchen, ihn für die verloren gegangene Zeit zu entschädigen.
    Als er nach der Zeitung griff, bemerkte er den Stadtplan von Valle Verde an der Wand. Er holte ein Blatt Papier aus der Hosentasche, suchte auf dem Plan nach der auf dem Zettel notierten Adresse und ging zurück zum Pick-up.
    Nachdem er bezahlt hatte, fuhr er wieder auf die Hauptstraße. Nun wusste er zumindest, wie er sie finden konnte, und es blieb nur noch ein Detail zu klären: Wie er sich ihnen nähern sollte, ohne Verdacht zu erregen. Sie durften keinesfalls merken, dass er für immer ihr Leben verändern konnte.
    Am rechten Straßenrand tauchte ein kleiner Park auf, und Cole bog ab und machte dort Halt. Dann holte er fünf dicke Aktenordner aus seiner Tasche, in denen das Material säuberlich abgeheftet war, das der von ihm beauftragte Privatdetektiv zusammengetragen hatte.
    Demnach hatte es fünf Chancen gegeben, sein Kind zu finden. Nun waren es noch drei.
    Als er den obersten Ordner aufschlug, stieg heftiger Ärger auf seine Exfrau in ihm auf. Seit er erfahren hatte, dass Kelly schwanger gewesen war, als sie ihn vor fünf Jahren verlassen hatte, schwankte sein Gemütszustand zwischen Wut und Hoffnung, Angst und Trauer. Es war nun fast einen Monat her, dass Kellys Bruder angerufen hatte, um ihm zu sagen, dass Kelly gestorben war und ihm vor ihrem Tod etwas Entsetzliches anvertraut hatte. Sie hatte bei der Trennung von Cole nicht nur ein Kind erwartet, sondern hatte das Baby nach der Entbindung in der Säuglingsstation eines Krankenhauses zurückgelassen.
    Kellys Bruder wusste weder, was mit dem Jungen passiert war, noch kannte er den Namen des Krankenhauses.
    Cole schloss die Augen, versuchte seinen Ärger weitgehend zu verdrängen und sich zu konzentrieren. Die erfolglose Suche in San Clemente und Laguna Beach hatte ihm auch gezeigt, dass er nur Argwohn und Misstrauen erntete, wenn er den Leuten die Wahrheit sagte.
    Jetzt würde er geschickter vorgehen und sich so lange bedeckt halten, bis er ganz sicher sein konnte, seinen Sohn gefunden zu haben.
    Er griff nach der Zeitung und schlug die Seiten mit den Stellenangeboten auf. Vielleicht könnte er hier einen Job annehmen und so für ein oder zwei Wochen ganz unauffällig seine Erkundigungen einziehen. Mit dem Finger folgte er einer Reihe Inserate, in denen nach Aushilfskräften gesucht wurde. Plötzlich hielt er inne, griff nach einem Stift und markierte damit eine große Anzeige.
    Und dann lächelte Cole Travis - das erste Mal seit Wochen.
    Lauren Simpson nahm einen weiteren Schluck des starken Kaffees, der in „Uncle Bills Cafe”
    serviert wurde und lächelte ihren Sohn an, der nur so vor Energie sprühte. „Noch einmal lesen, Mom! Noch einmal!” Sie streckte unter dem Tisch ihre langen Beine aus und seufzte

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