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Im Dienste Der Koenigin

Titel: Im Dienste Der Koenigin
Autoren: Karla Weigand
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PROLOG
    »SIE VERDIENT ES, in einem Atemzug mit den größten Königen unseres Landes genannt zu werden.«
    Wer sich so enthusiastisch über seine Mutter, Anna von Österreich , äußerte, war kein geringerer als Frankreichs »Sonnenkönig«, Ludwig XIV.
    Anna Maria Mauricia, aus dem Geschlecht der Habsburger stammend, stand am Beginn der »großen Zeit«, vor dem kometenhaften Aufstieg Ludwigs XIV., während eine andere Habsburgerin, Maria Antonia, genannt »Antoinette«, das Ende dieser Epoche des Absolutismus symbolisieren sollte.
    Anna von Österreich war eine starke Herrscherpersönlichkeit des 17. Jahrhunderts, die jedoch in Vergessenheit geraten ist. In den meisten Stammbäumen der Habsburger taucht nicht einmal ihr Name auf. Marie Antoinette hingegen - eine eigentlich unbedeutende Frau - ist bis heute in Frankreich und im übrigen Europa ein Begriff.
    Anna war eine Urenkelin Kaiser Karls V. und eine Cousine und zugleich Schwägerin Kaiser Ferdinands III. Annas Vater war König Philipp III. von Spanien, ihr Bruder war Philipp IV. Aufgewachsen im düsteren Escorial in Spanien, kam sie mit vierzehn Jahren an den Hof von Paris, wo sie den gleichaltrigen Ludwig XIII. heiratete.
    Sie hat - und darin unterscheidet sie sich von den meisten anderen Mitgliedern des Hauses Habsburg - nicht für das Wohl der Habsburger Dynastie, sondern ausschließlich für das
ihres Sohnes, Ludwigs XIV., gekämpft - und damit für Frankreich, den Erzfeind der Habsburger.
    »Es gibt keinen größeren Schurken als den französischen König.« Diese vernichtende Kritik Kaiser Maximilians I., eines Vorfahren Annas, galt auch für den »Sonnenkönig« …
    In den Augen ihrer Verwandten war Königin Anna eine Verräterin am Hause Habsburg. Ihr scheinbar unloyales Verhalten wird bis heute mit Schweigen übergangen.
    Trost fand die von ihrem Gemahl, Ludwig XIII., zeitlebens mit Missachtung gestrafte Königin von Frankreich unter anderem in der jahrzehntelangen, gelegentlich etwas getrübten Freundschaft zu Marie de Rohan-Montbazon , der Duchesse de Chevreuse .

KAPITEL 1
    MAN SCHRIEB DAS Jahr 1617. In Lothringen herrschte seit einer Woche zauberhaftes Spätsommerwetter. Um vier Uhr morgens war es zwar noch finster, aber im Schloss herrschte bereits reges Treiben. Dienerinnen und Knechte, damit beauftragt, die Räumlichkeiten penibel zu säubern und alles für die illustren Gäste aus Paris herzurichten, waren schon seit einer Stunde auf den Beinen.
    Sogar die zahlreichen Fenster des riesigen Gebäudes mussten nach dem Willen Madame Gabrielles, der Hausherrin, geputzt werden. Mägde liefen mit Eimern, Putzlappen und Besen geschäftig hin und her. Andere schleppten Matratzen und wuchteten Kissen, Laken und Federbetten ins obere Stockwerk, wo die Herren während ihres Aufenthalts nächtigen würden. Die männlichen Domestiken waren dazu eingeteilt, Holz für die in jedem Raum vorhandenen, mächtigen Kamine herbeizuschaffen.
    Selbst der Hausherr, Hercule de Rohan, Herzog de Montbazon und Comte de Rochefort-en-Yvelines, war schon wach, wie die attraktivste seiner ehelich gezeugten Töchter, die bald sechzehn Jahre alte Marie, deutlich hören konnte.
    Alle Nachkommen des Herzogs waren über die Maßen gutaussehend, mit klassischen, aber keineswegs langweiligen Gesichtszügen. Maries Augen unter den schmalen dunklen Brauenbögen und den langen schwarzen Wimpern erstrahlten in einem leuchtenden Grünblau - »wie das Meer« schwärmten
ihre Verehrer -, und ihre honigblonden langen Haare mit dem bezaubernden Rotstich umrahmten ein liebliches Antlitz mit einer kecken Nase und einem vollen roten Mund, der beim Lachen blendend weiße, ebenmäßige Zähne zeigte.
    Sie hatte unruhig geschlafen und war von dem Lärm viel zu früh aufgewacht. Irgendwie schien die junge Dame zu ahnen, dass der so überraschend angekündigte Besuch etwas mit ihr zu tun hatte. Marie vernahm, wie ungeduldig ihr Vater in seinem Gemach auf und ab lief. Wie es aussah, wartete er gleichfalls voller Nervosität und Neugier auf die Abgesandten des Königs.
    Madame Gabrielle, ihre Stiefmutter, hatte das Mädchen zwar über den Zweck des Besuchs im Unklaren gelassen - und den strengen Vater zu befragen, hatte Marie nicht gewagt; dennoch mussten die drei Herren - Vertraute Seiner Majestät, des französischen Königs - auch ihretwegen die weite Reise unternommen haben.
    Warum sonst hatte man nur für sie in aller Eile neue Kleider schneidern lassen und weshalb legte die Stiefmutter auf

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