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Im Bann der Wasserfee

Im Bann der Wasserfee

Titel: Im Bann der Wasserfee
Autoren: Sharon Morgan
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Kapitel 1

     
     
    Drei nackte Männer wälzten sich auf dem Boden vor Ragnars Schlafgemach. Zwar war es in der aremoricanischen Herberge, einem nach ostienser Art erbautem, dreistöckigen Haus nie besonders leise, doch dies übertraf alles! Warum mussten sie sich ausgerechnet den Flur vor seiner Schlafkammer aussuchen? Noch dazu mitten in der Nacht?
    »Tötet ihn!« Die Männer sprachen römisch, was noch von der Herrschaft der Römer herführen mochte, die bis ins Jahr 383 nach Christus angedauert hatte. Diese Sprache hatte Ragnar vor langer Zeit erlernt, da er damals bereits gewusst hatte, dass er sie höchstwahrscheinlich benötigen würde.
    Schreiend droschen zwei der Männer mit ihren Fäusten auf den am Boden Liegenden ein. Ein vierter Mann kam von der Seite und schlug dem Unterlegenen, der sich soeben aufrichten wollte, mit einer römischen Geißel auf den Rücken. Der Mann schrie auf, als die dünnen, mit spitzen Gewichten versehenen Eisenketten seine Haut aufrissen.
    In Ragnars Schläfen pochte ein heraufziehender Kopfschmerz. Die staubdurchsetzte, leicht modrige Luft und der Schweißgestank der Männer waren dem nicht zuträglich. Seiner durch Schlafmangel angeschlagenen Laune schon gar nicht. Ragnar hasste Ungerechtigkeit. Er hasste es, wenn viele gegen einen kämpften.
    Blut schoss aus der Nase und lief aus den Rückenwunden am Rücken des Angegriffenen. Im gleichen Maße stieg Ragnars Wut.
    »Was ist hier los, warum schreit Ihr so und warum wollt Ihr ihn töten?«, fragte Ragnar.
    »Er ist der Teufel!« Der Mann unterbrach die Prügelei nicht, während er antwortete.
    Ragnar trat näher. »Auch der Teufel hat das Recht auf einen fairen Kampf und ich habe das Recht auf Ruhe!«
    Einer der Männer zog einen Dolch und wollte ihn seinem Opfer in den Hals rammen. Er streifte jedoch nur dessen Rücken, denn Ragnar sprang vor, packte den Kerl und warf ihn aus dem Fenster. Der Windschutz aus Pergament zerbarst.
    Die Kämpfenden hielten inne und starrten Ragnar an.
    »Ich mag es nicht, wenn drei auf einen einprügeln und noch dazu Waffen benutzen.«
    »Ihr habt ihn aus dem Fenster geworfen! Aus dem zweiten Stock!«, sagte einer der beiden Angreifer. Ein Ausdruck des Entsetzens lag auf seinem ausgezehrten Gesicht.
    Ragnar hob die Achseln. »Er ist weich gelandet. Dort unten ist ein Misthaufen.«
    Einer der beiden Männer rammte ihm seinen Kopf in den Magen. Sämtliche Luft wich aus Ragnars Lungen. Er packte den Angreifer an den Haaren und riss ihn herum. Gerade rechtzeitig, denn der zweite Kerl wollte ihm mit der Faust ins Gesicht schlagen. Ragnar wich seitlich aus.
    Der Erste holte mit der Geißel nach ihm aus. Ragnar sprang gerade noch rechtzeitig zur Seite. Die kleinen, spitzen Gewichte an der Eisenkette sausten an ihm vorbei und verhakten sich in der Wand. Bevor der Mann sie herausziehen konnte, ergriff Ragnar ihn und warf ihn auf seinen Komplizen, der sich erneut auf Ragnar stürzen wollte. Gemeinsam gingen die Angreifer zu Boden.
    Ragnar beugte sich über sie. »Wer will noch das Fliegen lernen?« Die Männer wichen entsetzt zurück.
    »Mein Fenster!« Der Wirt stand an der Treppe. Er war blass.
    Die Männer nutzten die kurze Ablenkung und wollten Ragnar erneut angreifen. Er hatte genug. Er packte die beiden und rammte sie mit den Köpfen gegen die Wand, woraufhin Stücke des Mauerwerks abbröckelten. Die Kerle sackten zusammen.
    »So was habe ich ja noch gar nicht gesehen! Meine schöne Wand!« Der Wirt, ein korpulenter, gedrungener Mann, stand noch immer auf der Treppe und rang sich das kurze, dunkle Haar. Verzweiflung stand in seinem Blick.
    »Die Risse waren zuvor schon da gewesen«, sagte Ragnar. Tatsächlich glich es einem Wunder, dass ihnen die Herberge noch nicht über dem Kopf zusammengestürzt war, nach dem Zustand zu urteilen, in dem sie sich befand.
    »Aber ich hatte ihn frisch übertüncht, damit die Leute beruhigt schlafen können. Ihr bezahlt mir die Wand! Komplett oder ich ...«
    »Oder was?« Ragnar drehte sich um. Der Mann verstummte.
    »Eure Wand sieht aus, als hättet Ihr solche Schlägereien jeden Tag.« Tatsächlich war die Wand in einem üblen Zustand. Die gebrannten Lehmziegel waren unordentlich aufeinandergeschichtet und wiesen bereits zahlreiche Risse auf. Außerdem roch es modrig. Die Flurfenster waren schmal, bis auf jenes, das von einer unten hälftig zugemauerten Balkonöffnung stammte und durch das er den Mann geworfen hatte.
    Die restlichen Fenster waren noch von vergilbtem,

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