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Ich soll nicht töten

Ich soll nicht töten

Titel: Ich soll nicht töten
Autoren: B Lyga
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1
    Als Jazz auf das Feld vor der Stadt hinauskam, war schon überall das gelbe Absperrband der Polizei gespannt und bildete eine Art taumelndes, windschiefes Sechseck.
    Es wimmelte vor Polizei– Beamte des Bundesstaats in ihren khakifarbenen Uniformen, eine Traube Deputys in Blau, sogar ein Kriminaltechniker in Jeans und Windjacke. Letzterer beeindruckte Jazz wirklich; die Stadt Lobo’s Nod war zu klein für eine eigene offizielle kriminaltechnische Einheit, weshalb normalerweise die Deputys die Beweismittel an einem Tatort einsammelten. Die Tatsache, dass man einen echten Techniker aus der nächsten größeren Stadt geholt hatte– und noch dazu an einem Sonntagmorgen–, bedeutete, dass sie diese Sache ernst nahmen. Einige der Deputys krochen auf allen vieren und mit gesenktem Kopf herum, und Jazz sah amüsiert einen Mann mit einem Metalldetektor langsam unmittelbar außerhalb des gelben Bands hin und her laufen. Einer der Staatspolizisten schritt mit einer billigen Videokamera vorsichtig die Absperrung ab.
    Und über alles wachte Sheriff G. William Tanner, der– die Hände auf seinen mächtigen Bauch gestützt– an der Seite stand und zusah, wie seine Truppen auf sein Kommando umherhuschten.
    Jasper » Jazz« Dent hatte nicht die Absicht, sich von den Polizisten entdecken zu lassen. Er kroch die letzten fünfzehn Meter auf dem Bauch durch Unterholz und hohes Gras, bis er sich zu einem guten Aussichtspunkt vorgearbeitet hatte. Diesen Teil der alten Harrison-Farm hatten früher endlose Reihen Sojabohnenpflanzen bedeckt; jetzt gab es nur noch alte, abgeknickte und zerbrochene Stängel, Unkraut, Rohrkolben und Gestrüpp. Eine wirklich perfekte Deckung. Jazz konnte von hier den ganzen Tatort überblicken, der auch noch von dem gelben Band markiert war.
    » Was haben wir denn hier?«, murmelte Jazz, als der Videofilmer– gut drei Meter von der Leiche entfernt– plötzlich etwas rief. Jazz war zu weit entfernt, um es zu verstehen, aber er wusste, dass es bedeutsam sein musste, da sich alle sofort in die Richtung des Mannes umdrehten und ein weiterer Deputy angelaufen kam.
    Jazz griff nach seinem Fernglas. Er besaß drei verschiedene Ferngläser, jedes für einen anderen Zweck, alle ein Geschenk seines Vaters, der seine ganz besonderen Gründe dafür gehabt hatte, sie seinem Sohn zu vermachen.
    Jazz bemühte sich, nicht an diese Gründe zu denken. Für den Moment war er einfach nur froh, dass er dieses bestimmte Fernglas mitgenommen hatte– ein Steiner 8x30, wasserdicht, Gummigriff, nur etwas über ein Pfund schwer. Aber das eigentliche Verkaufsargument waren die blau getönten Objektive, die Lichtreflexe so gut wie ausschlossen. Das bedeutete, der Feind– oder auch eine nur zwanzig Meter entfernte Gruppe von Polizisten– bekam nichts davon mit, dass sich die Sonne in dem Glas spiegelte, und zerrte einen nicht aus seinem Versteck.
    Staub und alle möglichen Pflanzenpollen kitzelten Jazz in der Nase, und er unterdrückte ein Niesen. Beim Ausspähen, hatte Dear Old Dad gesagt, musst du wirklich still sein, verstehst du. Die meisten Leute haben kleine, geräuschvolle Angewohnheiten, die ihnen selbst gar nicht auffallen. So etwas darfst du nicht tun, Jasper. Du musst absolut still sein. Totenstill.
    Er hasste das meiste an Dear Old Dad, aber was er am meisten hasste, war, dass Dear Old Dad so ziemlich immer richtiglag.
    Er zoomte auf den Staatsbeamten mit der Videokamera, doch die anderen drängten sich um den Mann und verhinderten, dass Jazz sah, was sie alle so in Aufregung versetzte. Einer von ihnen hielt einen kleinen Beweismittelbeutel in die Höhe. Ehe Jazz jedoch darauf scharfstellen konnte, ließ der Polizist den Arm sinken, und die Tüte verschwand hinter seinem Oberschenkel.
    » Sie haben eine Spur gefunden…«, murmelte er leise vor sich hin, bevor er sich auf die Unterlippe biss.
    Die meisten von den Kerlen wollen gefasst werden, hatte Dear Old Dad bei mehr als einer Gelegenheit gesagt. Verstehst du, was ich meine? Ich meine, dass die meisten erwischt werden, weil sie es wollen, nicht, weil ihnen jemand auf die Schliche kommt oder schlauer ist als sie.
    Jazz tat nichts Unrechtes, indem er hier auf dem Bauch lag und die Arbeit der Polizei am Tatort beobachtete, aber wenn man ihn erwischte, würden sie ihn wahrscheinlich wegbringen, und er musste mit einer Standpauke von G. William rechnen, und das wollte er nicht.
    Er war am Morgen zu Hause gewesen, seine Schlafzimmertür fest gegen eine der periodisch

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