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Ich hasse dich - verlass mich nicht

Ich hasse dich - verlass mich nicht

Titel: Ich hasse dich - verlass mich nicht
Autoren: J Kreisman
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3 – Die Wurzeln des Borderline-Syndroms
    Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre eigene Art.
    Aus: »Anna Karenina« von Leo Tolstoi
    Andrea Anderson hatte keine leichte Jugend. Ihr Vater war nur selten zu Hause, und wenn er da war, sagte er nicht viel. Jahrelang wusste sie nicht einmal, welchen Beruf er ausübte, nur dass er die ganze Zeit über nicht da war. Margaret, Andreas Mutter, bezeichnete ihn als »Arbeitstier«. Ihre ganze Kindheit über spürte Andrea, dass ihre Mutter etwas vor ihr geheim hielt, aber sie war sich nie ganz sicher, was es war.
    Als Andrea elf Jahre alt war, wurde plötzlich alles anders. Sie war »frühreif«, sagte ihre Mutter, aber Andrea wusste nicht, was sie damit meinte. Sie merkte nur, dass ihr Vater plötzlich viel häufiger zu Hause war als früher und dass er ihr mehr Aufmerksamkeit schenkte. Andrea freute sich über die Zuwendung und das neue Gefühl von Macht, das sie über ihn hatte, wenn er sie berührt hatte. Dann tat er alles, worum sie ihn bat.
    Etwa um dieselbe Zeit herum wurde Andrea plötzlich in der Nachbarschaft des Vorortes von Chicago, in dem die Familie lebte, beliebter. Die anderen Jugendlichen boten ihr heimlich Marihuana an und ein paar Jahre später LSD, Kokain und Ecstasy.
    Die Schule war langweilig. Wenn der Schultag halb vorüber war, fing sie Streit mit anderen an. Es war ihr egal. Sie war tough, sie hatte Freunde und Drogen, sie war cool. Einmal schlug sie sogar ihren Chemielehrer, den sie für einen Idioten hielt. Er beschwerte sich beim Schulleiter, der sie von der Schule verwies.
    Mit 13 Jahren war sie zum ersten Mal bei einem Psychiater, der sie als hyperaktiv einstufte und ihr mehrere Medikamente verschrieb. Sie beschloss fortzulaufen. Sie packte ihre Tasche, nahm einen Bus zur Autobahn und hielt einen Wagen an. Innerhalb weniger Minuten war sie auf dem Weg nach Las Vegas.
    Margaret sah die Sache so: Egal, was sie tat, es war immer dasselbe mit Andrea. Sie konnte ihrer ältesten Tochter einfach nichts recht machen. Andrea war ihrem Mann Robert sehr ähnlich. Er kritisierte ständig Margarets Aussehen und die Art und Weise, wie sie das Haus in Ordnung hielt. Sie hatte alles versucht, um abzunehmen, Amphetamine, Alkohol und hatte sogar eine Magenoperation über sich ergehen lassen. Trotzdem schien nichts zu helfen. Sie war immer dick gewesen und würde es wohl immer bleiben.
    Oft fragte sie sich, warum Robert sie geheiratet hatte. Er war ein attraktiver Mann; von Anfang an konnte sie nicht verstehen, warum er sie gewollt hatte. Nach einiger Zeit war es offensichtlich, dass er sie nicht mochte. Er kam abends einfach nicht mehr nach Hause.
    Andrea war der einzige Lichtblick in Margarets Leben. Ihre andere Tochter Julie war bereits mit fünf Jahren übergewichtig und schien ein verlorener Fall. Für Andrea jedoch tat Margaret alles. Ihre Tochter war für sie wie ein Rettungsanker. Aber je stärker sich Margaret an ihre Tochter klammerte, desto mehr lehnte Andrea sie ab. Sie wurde schwieriger, hatte Wutanfälle und beschimpfte ihre Mutter immer wieder wegen ihres Gewichts. Die Ärzte konnten Margaret nicht helfen. Sie sagten, dass sie manisch-depressiv und abhängig von Alkohol und Amphetaminen sei. Als sie das letzte Mal im Krankenhaus war, wurde sie mit Elektroschocks behandelt. Und jetzt, da Robert nicht mehr da war und Andrea immer wieder von zu Hause fortlief, brach ihre Welt zusammen.
    Nach ein paar wilden Monaten in Las Vegas reiste Andrea weiter nach Los Angeles, wo sich das Gleiche abspielte wie in Las Vegas: Man versprach ihr Autos, Geld und Spaß. Gut, sie war in vielen Autos mitgefahren, aber Spaß hatte sie nur selten gehabt. Ihre Freunde waren Verlierer, und manchmal musste sie mit einem Mann schlafen, um sich ein paar Dollars zu »leihen«. Schließlich kehrte sie mit wenig Geld in der Tasche nach Hause zurück.
    Als Andrea zu Hause eintraf, hatte Robert sich schon aus dem Staub gemacht. Ihre Mutter fand sie mit schweren Depressionen und von Medikamenten benebelt vor. Da ihr Zuhause so trostlos war, verfiel Andrea bald wieder der Gewohnheit, Alkohol und Drogen zu nehmen. Mit 15 Jahren war sie bereits zweimal wegen Drogenmissbrauchs im Krankenhaus gewesen und von einer Reihe Therapeuten behandelt worden. Mit 16 wurde sie von einem Mann geschwängert, den sie erst einige Wochen zuvor kennengelernt hatte. Sie heiratete ihn kurz nach dem Schwangerschaftstest.
    Als sieben Monate später

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