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Hotel Galactic

Hotel Galactic

Titel: Hotel Galactic
Autoren: William Voltz
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1
     
    Gebt mir ein Glas Whisky, ein Beefsteak, einen Fernsehapparat, und ich will gern als Sklave leben.
    Wahrhaftig, nichts ist schwieriger als die Freiheit – die Freiheit, sich anzustrengen, die Freiheit, nicht tot zu leben.
    -ORIANA FALLACI –
     
    *
     
    Das Landefeld erstreckte sich bis zum Horizont; die eintönige Fläche wurde nur von ein paar Lagerschuppen unterbrochen, die man vor ein paar Jahren aufgestellt und dann niemals benutzt hatte. Die Kontrolltürme und Verwaltungsgebäude des ehemaligen Raumhafens von Quibir bildeten jetzt das Armenviertel der riesigen Stadt; hier lebten Trinker, Rauschgiftsüchtige, alte Raumfahrer und andere Menschen, die beim gnadenlosen Existenzkampf im Innern der Stadt unterlegen waren.
    Das Wetter war kalt und unfreundlich, als Samuel Flachsbarth an diesem Morgen die Türblenden seines Restaurants hochgleiten ließ. Flachsbarth fluchte, weil eine der Blenden klemmte und er sich beim Versuch sie zu lösen, eine Quetschung am Daumen zuzog. Die Blenden rasselten in ihre Kästen, und dieser Lärm war gleichsam das Signal für die nähere Umgebung, aus dem Schlaf zu erwachen.
    Flachsbarth betrat das Restaurant von außen. Er ließ die Tür offen, damit der Geruch nach Rauch und abgestandenem Bier abziehen konnte. Wie jeden Morgen trug er die Abfalleimer hinaus und schüttete ihren Inhalt in die kleine Verbrennungsanlage hinter dem Haus. Danach wischte er die Tische ab, spülte Gläser und polierte die Kaffeemaschine.
    Er genoß diese Minuten völliger Einsamkeit vor allem deshalb, weil sie mit Arbeit ausgefüllt waren und ihm etwas von jener Geschäftigkeit übermittelten, die er früher einmal hatte aufbringen müssen, um das Restaurant zu führen. Bevor man den Raumhafen von Quibir stillgelegt hatte, war Flachsbarth der reichste und populärste Wirt am Rand des Landefelds gewesen.
    Samuel Flachsbarth war ein mittelgroßer, nicht sehr kräftiger Mann mit schmalen und nach vorn gezogenen Schultern. Seine Gesichtshaut war blaß und großporig, so daß die dunklen Augen sehr lebhaft wirkten. Flachsbarth trug seine Haare zur Seite gekämmt, um den Glatzenansatz zu verbergen, der sich von Monat zu Monat vergrößerte. Er war zweiundvierzig Jahre alt, sah aber fünf Jahre älter aus.
    Flachsbarth zählte die Einnahmen der vergangenen Nacht, dreiundfünfzig Galakto-Dollar, und drückte die entsprechenden Tasten der Registrierkladde, die an die Finanzzentrale von Quibir angeschlossen war. Auf diese Weise wurde die Tagessteuer ermittelt, die Flachsbarth zu entrichten hatte. Sie war im Vergleich zu früher lächerlich gering.
    Flachsbarths letzte Arbeit bestand im Zurechtrücken von Tischen und Stühlen, dem Überprüfen der Spiel- und Genußautomaten und im Auskehren des Restaurants. Noch vor einem Jahr hatte ein Helfer diese Arbeit erledigt, doch jetzt war Flachsbarth nicht mehr in der Lage, diesem Mann den Lohn zu zahlen.
    Mit dem Besen in der Hand blieb Flachsbarth im Eingang stehen. An diesem Morgen war der Himmel wolkenbedeckt, so daß es im Restaurant nicht sehr hell war. Wenn Flachsbarth seine Umgebung unter halbgeschlossenen Lidern beobachtete, konnte er sie in seiner Phantasie zu ihrem früheren Glanz erwachen lassen. Unsichtbar blieben dann der abgetretene Bodenbelag, die durchgescheuerten Stühle, Flecke an den Wänden und Schmutzränder auf den Tischen. Selbst die Automaten, sämtlich ältere Modelle, schienen wieder geheimnisvoll zu funkeln und jedem, der sie benutzen wollte, Reichtum und Glückseligkeit zu versprechen.
    »Sam!«
    Flachsbarth zuckte zusammen. Er umklammerte den Besen und ging ins Restaurant zurück.
    »Sam! Wo bleibst du nur, Sam?«
    Flachsbarth hastete zum hinteren Treppenaufgang, der das Restaurant mit der Wohnung verband.
    »Was ist los?« rief er hinauf.
    »Ist der Kaffee fertig?« fragte seine Frau. »Ich warte darauf.«
    Wortlos wandte sich Flachsbarth ab und schaltete die Kaffeemaschine ein. Er lächelte, wenn er an Sylva dachte. Sie schien bis zum heutigen Tag noch nicht begriffen zu haben, welche Rückschläge er seit der Stillegung des Raumhafens hatte hinnehmen müssen. Sylva weigerte sich, die Realitäten anzuerkennen. Auch die Tatsache, daß keiner jener prominenten Besucher, die früher ins Restaurant gekommen waren, sich noch zeigte, vermochte Sylva nicht zu erschüttern. Hatte sie früher Offiziere und hohe Beamte des Raumhafens in regelmäßigen Abständen eingeladen, so empfing sie jetzt Bewohner des Armenviertels mit der gleichen

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