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Hornblower 03 - Hornblower auf der Hotspur

Hornblower 03 - Hornblower auf der Hotspur

Titel: Hornblower 03 - Hornblower auf der Hotspur
Autoren: C. S. Forester
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1. Kapitel
    »Bitte, sprechen Sie mir nach«, sagte der Priester: »Ich, Horatio, nehme dich, Maria Ellen...«
    In diesem Augenblick machte sich Hornblower klar, daß die letzten Sekunden gekommen waren, einen Schritt zu widerrufen, den er nur zu deutlich als unüberlegt empfand. Er selbst gab zwar gewiß einen guten Ehemann ab, aber Maria war eben doch nicht die richtige Frau für ihn. Wenn er nicht von allen guten Geistern verlassen war, dann machte er jetzt dieser Feier kurzerhand ein Ende. Er brauchte ja nur zu sagen, er trete von seinem Entschluß zurück, dann konnte er dem Altar, dem Priester und Maria den Rücken kehren und als freier Mann aus der Kirche schreiten.
    »... zu meiner angetrauten Ehefrau...« Wie ein Automat wiederholte er weiter, was ihm der Priester vorsprach. An seiner Seite stand Maria in dem weißen Brautkleid, das ihr so gar nicht stand. Sie schmolz vor Glück, sie verzehrte sich förmlich in ihrer Liebe zu ihm, einer Liebe, die er, ach, so wenig zu erwidern wußte. Nein, er brachte es nicht übers Herz, ihr einen so grausamen Schlag zu versetzen. Sie bebte neben ihm am ganzen Körper, er merkte es deutlich, aber dieses Zittern entsprang nicht der Angst, denn ihr Vertrauen zu ihm war felsenfest und unerschütterlich. Er hätte es nicht über sich gebracht, dieses Vertrauen zu enttäuschen, so wenig, wie es ihm in den Sinn gekommen wäre, seine Ernennung zum Kommandanten der Hotspur abzulehnen.
    »... und verspreche dir unverbrüchliche Treue«, wiederholte Hornblower. Jetzt ist es geschehen, sagte er sich. Offenbar waren das die entscheidenden Worte, die der Hochzeitsfeier gesetzlich bindende Kraft verliehen. Er hatte sein Versprechen gegeben und konnte nun nicht mehr zurück. Seltsamerweise schien ihm diese Erkenntnis ein wenig leichter zu ertragen, als er sich sagte, daß sich sein Geschick ja nicht erst in diesem Augenblick, sondern schon vor einer Woche entschieden hatte, als ihm Maria schluchzend in die Arme sank und mit stammelnden Worten ihre Liebe gestand. Da hatte ihm sein weiches Herz verboten, sie einfach auszulachen, er hatte es aber auch - ob aus Schwäche oder aus Anstand? - nicht über sich gebracht, ihre willenlose Hingabe nur zu mißbrauchen, um sie dann schnöde sitzen zulassen. Nein, er hatte sie angehört, er hatte ihre Küsse zärtlich und liebevoll erwidert, und alles Weitere mußte sich unvermeidlich daraus ergeben: das weiße Brautkleid, die Hochzeitsfeier hier in der Kirche des hl. Thomas Becket und, was er kommen sah - daß er die Liebesgier dieser Frau nur zu bald nicht mehr ertrug.
    Bush stand mit dem Ring bereit, Hornblower streifte ihn auf Marias Finger, dann sprach der Geistliche die abschließenden Worte. »Ich verkünde hiermit, daß ihr nun Mann und Frau seid«, sagte er und erteilte ihnen den feierlichen Segen.
    Fünf Sekunden hörte man keinen Laut, dann brach Maria das Schweigen.
    »O Horry!« sagte sie und legte ihre Hand auf seinen Arm.
    Hornblower gab sich alle Mühe, ihr einen freundlich lächelnden Blick zu schenken und war ängstlich darauf bedacht, zu verbergen, was ihm erst kürzlich klargeworden war: daß er den Kosenamen Horry noch weniger leiden konnte als seinen richtigen Namen Horatio. »Dies ist der glücklichste Tag meines Lebens«, sagte er. Wenn schon etwas geschah, dann geschah es am besten gründlich, also fuhr er im gleichen Sinne fort: »Ich wüßte keinen, der schöner gewesen wäre.« Es tat förmlich weh, das selige Lächeln zu sehen, mit dem sie ihm für seine ritterlichen Worte dankte. Jetzt tastete sie auch mit der anderen Hand zaghaft nach seiner Schulter, was offenbar hieß, daß sie augenblicks hier vor dem Altar einen Kuß von ihm begehrte.
    Hier im Gotteshaus schien ihm dieses Unterfangen recht ungewöhnlich und kaum am Platz, in seiner Unkenntnis fürchtete er, bei frommen Gläubigen Ärgernis zu erregen, aber wieder gab es kein Zurück, und so beugte er sich denn nieder und küßte die weichen Lippen, die sie ihm begehrend darbot.
    »Sie müssen jetzt im Kirchenbuch unterzeichnen«, flüsterte der Geistliche voll Ungeduld und schritt ihnen voran zur Sakristei. Dort schrieben sie ihre Namen in das Buch.
    »So, jetzt darf ich meinem Schwiegersohn wohl auch einen Kuß geben«, verkündete Mrs. Mason mit erhobener Stimme.
    Gesagt - getan. Sie schloß Hornblower in ihre kräftigen Arme und drückte ihm einen festen Kuß auf die Wange. Dieser meinte, es sei wohl nicht zu vermeiden, daß einem die Schwiegermutter so gräulich

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