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Honor Harrington 12. Die Raumkadettin von Sphinx

Honor Harrington 12. Die Raumkadettin von Sphinx

Titel: Honor Harrington 12. Die Raumkadettin von Sphinx
Autoren: David Weber
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Die Raumkadettin von Sphinx
    von David Weber
     
    (Ms. Midshipwoman Harrington)
     
    »Sieht ganz nach Ihrem Kakerlak aus, Senior Chief.«
    In der tiefen Stimme des Wache stehenden Marineinfanteristen schwang eine seltsam schadenfrohe Sympathie mit. Er sprach in jenem Ton, in dem ein Marine traditionellerweise einem ›Deckschrubber‹ der Navy mitteilte, dass dessen Hose in Flammen stehe oder etwas ähnlich Amüsantes sich ereignet habe, und Senior Chief Petty Officer Roland Shelton ignorierte den ›Bürstenkopf‹ mit der stolzen Herablassung, die jede überlegene Lebensform einer evolutionär untergeordneten entgegenbringt. Nachdem seine Augen der beinahe unmerklichen Kopfbewegung des Corporals gefolgt waren und er die angezeigte Person in der überfüllten Raumdockgalerie ausgemacht hatte, fiel es ihm jedoch ein wenig schwerer als sonst, seine Pose beizubehalten. Das ist ganz sicher nicht mein Kakerlak , dachte er, ohne allzu offensichtlich in ihre Richtung zu blicken, die gehört bestimmt jemand anderem . Ihre Raumkadettenuniform saß tadellos, doch sowohl die Uniform als auch die Kontragrav-Kiste, die sie hinter sich herzog, waren funkelnagelneu, und Shelton würde sich nicht gewundert haben, wenn die Frau gerochen hätte wie ein neuer Flugwagen. Überdies wirkte die Kiste irgendwie ungewöhnlich – anscheinend saß etwas obenauf, das halb so groß war wie die Kiste selbst. Shelton maß diesem Umstand kaum Bedeutung zu, denn Raumkadetten schleppten immer wieder allerlei persönliche Habseligkeiten an, von denen sie hofften, dass ihr Besitz keine Vorschrift verletze; in der Hälfte aller Fälle irrten sie sich. Sollte dieser spezielle Kakerlak tatsächlich Sheltons Schiff zugewiesen sein, so bliebe mehr Zeit als nötig, um diesen Irrtum auszubügeln. Sie kommt näher , überlegte er, aber vielleicht hat sie auch schlicht und ergreifend die Orientierung verloren und will gar nicht zur War Maiden.
    Hoffte er.
    Sie war eine hoch gewachsene junge Frau, größer als Shelton, mit dunkelbraunem, kurz geschorenem Haar, einem ernsten, spitzen Gesicht, das allein aus der Nase zu bestehen schien (die man wohlwollend als ›markant‹ bezeichnen konnte), und großen, beinahe mandelförmigen Augen. In diesem Moment war ihr Gesicht zwar völlig ausdruckslos, aber ihre Augen leuchteten so hell, dass jeder erfahrene Bootsmann resigniert aufgestöhnt hätte.
    Zudem sah sie aus wie eine Dreizehnjährige – wahrscheinlich nur, weil sie eine Prolong-Empfängerin der dritten Generation war, aber es machte sie nicht im Mindesten erwachsener, wenn man den Grund ihrer Jugendlichkeit kannte. Immerhin bewegt sie sich anständig , gestand Shelton ihr beinahe widerwillig zu. Ihre Haltung bewies athletische Anmut, und ihre augenscheinliche Selbstsicherheit schien ihrer Jugend zu widersprechen; mühelos wich sie anderen Raumfahrern aus, während sie die menschenüberfüllte Galerie durchquerte, und dabei erweckte sie beinah den Eindruck, sie führe eine Art Freistiltanz auf.
    Wäre Shelton nichts weiter an ihr aufgefallen, so hätte er sie vermutlich (vorläufig und nicht ohne Hoffnung) etwas höher eingestuft als die durchschnittlichen jungen Ladys und Gentlemen, die Bachkiesel, aus denen Bootsleute wie er Diamanten schleifen sollten. Leider war ihre Körperhaltung nicht das Einzige, was ihm an ihr auffiel, und nur dank seiner vierunddreißigjährigen Diensterfahrung gelang es ihm, sein Entsetzen zu verbergen, als er auf ihrer Schulter die sechsgliedrige sphinxianische Baumkatze mit den spitzen Ohren, den langen Schnurrhaaren und dem seidigen Fell erblickte.
    Eine Baumkatze. Eine Baumkatze an Bord seines Schiffs! Und noch dazu im Kakerlakennest. Allein der Gedanke genügte, um bei einem Mann, der an geregelte Abläufe und Navytraditionen glaubte, juckenden Hautausschlag hervorzurufen, und Shelton verspürte das dringende Bedürfnis, die Arme auszustrecken und den ausdruckslos grinsenden Marine neben sich zu erwürgen.
    Einige Sekunden lang gab er sich der Hoffnung hin, die Kadettin hätte sich verirrt oder müsste nur an der War Maiden vorbeigehen, um zu dem Schiff zu kommen, dem sie eigentlich zugeteilt war. Doch unbeirrbar nahte das Verhängnis, nahte in Gestalt einer Raumkadettin mit Baumkatze, die geradewegs auf die Zugangsröhre des Schweren Kreuzers Seiner Majestät Navy War Maiden zumarschierte.
    Shelton und der Marine salutierten, und sie erwiderte den Gruß mit einer Zackigkeit, die Unerfahrenheit und Aufregung verriet – und

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