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Hogan, S: Steampunk-Saga: Episode 9

Hogan, S: Steampunk-Saga: Episode 9

Titel: Hogan, S: Steampunk-Saga: Episode 9
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Inhalt
    Als Kate im Morgengrauen aufwachte, war sie allein. Das verwunderte sie nicht. Zwar wäre sie lieber in James’ Armen aufgewacht, aber auf der Bank in dem Dampf-Automobil war einfach nicht genug Platz für zwei Personen. Außerdem war James sicher ebenso an Diskretion gelegen wie ihr selbst. Nach der wundervollen Liebesnacht fühlte sich Kate jedenfalls ausgeruht und voller Tatendrang.
    Beim Frühstück stellte sie erleichtert fest, dass James und Devran einander nun respektvoll behandelten. Vielleicht hatte der junge Inder ja wirklich eingesehen, dass seine Gefühle für Kate nur ein kurzes Strohfeuer gewesen waren. Sie schwor sich jedenfalls innerlich, keinem Mann mehr so leichtfertig falsche Hoffnungen zu machen.
    Khapa wirkte frisch und munter, obwohl er offenbar die ganze Nacht lang Wache geschoben hatte.
    „Sind Sie gar nicht müde, Lance Corporal?“, fragte Kate. Der Gurkha schüttelte lächelnd den Kopf. Seine Uniform wies immer noch messerscharfe Bügelfalten auf.
    „Ich bin im Dienst, Miss. Da habe ich nicht müde zu sein. Mein Befehl lautet, das Dampf-Automobil zu fahren und für Ihre Sicherheit zu sorgen.“
    Mit diesen Worten heizte Khapa den Kessel an, sodass sie schon bald aufbrechen konnten. Die Fahrt in dem modernen Gefährt dauerte nicht lange, genau wie Devran es prophezeit hatte; bereits wenige Meilen jenseits des Dorfes wurde der Dschungel so undurchdringlich, dass sie aussteigen mussten. Die Gefährten setzten den Weg zu Fuß fort.
    Devran kannte sich als einziger in dieser Gegend gut aus. Kate führte sich vor Augen, dass sein Vater schließlich ein Fürst gewesen war und ihm dieses Land gehört hatte. Sie wollte den Konflikt zwischen Devran und James nicht erneut befeuern. Deshalb zog sie es vor, einen gewissen Abstand zu dem jungen Inder zu halten.
    Devran führte die Gruppe an, hinter ihm marschierten Khapa und Bone-Carruthers mit schussbereiten Gewehren. Dann folgten Kate und Phineas Fletcher, während David Benson die Nachhut bildete. James hatte sich erst in Kates Nähe aufgehalten, aber nun beschleunigte er seine Schritte und schloss zu Devran auf. Kate konnte aus sicherem Abstand den Wortwechsel zwischen den beiden Männern hören.
    „Was ist das für eine versunkene Kultur, zu der du uns bringen willst, Bruder Devran?“
    „Ich weiß selbst nicht sehr viel über diese Zivilisation. Sie muss vernichtet worden sein, als Brahma das letzte Mal ausgeatmet hat.“
    „Was soll das bedeuten?“
    „Wir Hindus glauben, dass unsere Welt immer wieder vernichtet wird. Ein Zeitalter entspricht einem Atemzug unseres höchsten Gottes Brahma. Wenn Brahma also die Luft wieder aus seinen Lungen stößt, dann kommt es zu einer unvorstellbaren Katastrophe. Alles Leben wird vernichtet, doch danach gibt es einen Neuanfang. Und von den vorherigen Generationen bleiben nur die Trümmer ihrer Errungenschaften zurück. Außerdem gibt es noch Geschichten, die seit Urzeiten überliefert werden.“
    „Und diese Geschichten handeln von den Maschinen dieser längst vergangenen Zeit?“
    „Ja, Bruder James. Das Wissen unserer genialen Vorfahren ist verloren gegangen. Aber es soll schon vor Jahrtausenden Flugapparate und selbständig fahrende Wagen gegeben haben, lange vor der Erfindung der Dampfmaschine.“
    „So unglaublich finde ich das gar nicht, Bruder Devran. In Europa war es ganz ähnlich. Die Römer hatten schon viele Dinge erfunden, die jetzt im 19. Jahrhundert scheinbar neu sind. Beispielsweise gab es bei ihnen schon Fußbodenheizung, gepflasterte Straßen und Beton. Mit dem Untergang ihres Reiches vergaß man auch dieses Wissen, und im Mittelalter lebten die Europäer wieder in elenden Hütten und trampelten über Feldwege. Ich hoffe wirklich, dass wir eine Maschine finden, mit der sich dieser Roboter-Tiger bekämpfen lässt.“
    „Dann zweifelst du also nicht mehr an meinen Worten?“
    „Nein, auf keinen Fall. Die Eifersucht hatte mein Herz vergiftet. Das wird dir nicht entgangen sein.“
    „Ich kann dich gut verstehen, Bruder James. Du kannst dich wirklich glücklich schätzen, eine Frau wie Kate an deiner Seite zu haben.“
    Kate wurde knallrot im Gesicht, und das lag gewiss nicht nur an der schwülen Hitze in diesem Urwald. Obwohl James und Devran nicht sehr laut sprachen, konnte Kate ihre Worte nur allzu gut hören. Sie selbst fühlte sich im Moment beschämt und zu Unrecht bewundert. Schließlich hatte sie sich bei der Dreiecksaffäre mit diesen beiden Männern nicht gerade mit

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