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Highland-Vampir

Highland-Vampir

Titel: Highland-Vampir
Autoren: Jason Dark
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Die Frau aus dem alten Kramladen ließ den Pfähler los. Sie hoffte, das Interesse des Mannes geweckt zu haben, und tatsächlich deutete Frantisek Marek ein Nicken an.
    »Du... du... tust es?« Sie schöpfte wieder Hoffnung.
    »Moment, ich überlege.«
    Abgearbeitete Hände rutschten über die Schürze hinweg. »Er heißt Joshi, und er ist schon älter. Er hält sich im Wald versteckt. Da hat er auch seine Sammelstelle.«
    »Was sammelt er denn?«
    »Bienen und Honig. Er ist Imker. Zumindest im Sommer.«
    »Und was macht er im Winter?«, fragte Marek.
    »Das weiß ich nicht.« Die Frau schaute sich scheu in ihrem Geschäft um, als wäre jemand in der Nähe, der ihr zuhören würde, ohne dass sie es wollte. »Man sagt, dass er von dem Geld lebt, das er im Sommer mit dem Verkauf des Honigs eingenommen hat. Aber man spricht auch anders über ihn. Man redet von einem Vampir. Von einem Blutsauger, verstehst du jetzt, Marek?«
    Der Pfähler sah die großen Augen auf sich gerichtet. Es war klar, dass die Frau eine Antwort und ein anschließendes Handeln erwartete.
    »Ist das die Wahrheit?«, fragte Marek.
    Sie winkte ab. »Wer weiß das schon? Ich nicht. Man muss ihn wohl gesehen haben.«
    »Bei seinen Opfern?«
    »Das weiß ich nicht. Er ist auch in den letzten Monaten nicht hier gewesen. Er war unterwegs, ist gereist.« Sie lachte. »Wohin, das weiß niemand, man kennt sein Ziel nicht, aber ich glaube nicht, dass er im Land geblieben ist.«
    »Und warum soll ich ihn mir anschauen?«
    Die Frau holte tief Luft. »Das habe ich dir doch gesagt, verflucht! Weil du der Vampirjäger bist. Du bist Marek, der Pfähler. An dir hängt es schließlich.«
    »Ja, ich werde mal schauen.«
    »Wirklich?«
    Frantisek Marek nickte und lächelte dabei, um die Frau zufrieden zu stellen.
    »Das ist gut, das ist sogar sehr gut.« Ihre Augen leuchteten auf. Sie räusperte sich und erklärte ihm mit hastigen Worten den kürzesten Weg zum Ziel.
    Marek hörte zu. Er musste in den Wald oder in den Busch, wie ihm die Frau erklärte. Dort würde er dann die Hütte finden, in der Joshi lebte und seinem Gewerbe nachging.
    Er stellte noch eine letzte Frage: »Sicher, dass er ein Vampir ist, bist du nicht – oder?«
    »Nein und ja.«
    »Tolle Antwort.«
    »Du wirst es erleben, Marek, im Ernst.«
    »Gut, ich werde ihn mir ansehen und dir Bescheid geben. Einverstanden?«
    »Mehr wollte ich nicht.«
    Fünf Sekunden später hatte der Pfähler den alten Kramladen verlassen...
    ***
    Die Worte der Frau wollten ihm nicht aus dem Kopf, als er den Waldrand erreichte und dort seinen alten VW-Käfer abstellte. Man hatte ihm zwar geraten, dem Imker in der Nacht einen Besuch abzustatten, doch darauf konnte Marek gut und gerne verzichten. Es war noch nicht dunkel, aber er nutzte die grauen Fahnen der Dämmerung aus, um sich der Hütte im Wald zu nähern.
    Der Winter neigte sich dem Ende entgegen. In den Tälern der Karpaten war der Schnee schon geschmolzen, auf den Bergen lag er noch für eine Weile, doch die Menschen in den Tälern hofften, dass nicht mehr allzu viel nachkam.
    Die Schneeschmelze hatte den Boden aufgeweicht und die Bäche anschwellen lassen, sodass manche von ihnen als fast schon reißende Flüsse aus den Bergen herabflossen und auch Land unter Wasser setzten.
    Weiter wäre Mark mit seinem Auto nicht gekommen. Er hatte es an einer noch recht trockenen Stelle abgestellt und wollte den Rest des Wegs zu Fuß gehen.
    Der Imker hatte sich in die Einsamkeit zurückgezogen. Er wohnte praktisch zwischen zwei Orten im Wald und auf einer Lichtung. Dort stand nicht nur sein Haus, er hatte auch die Bienenstöcke aufgebaut, die noch in einem Winterschlaf lagen.
    Ein schmaler Weg führte in den Wald hinein. Die Einheimischen kannten ihn. Obwohl auch Marek dazu gehörte, hatte er bisher dem Mann noch keinen Besuch abgestattet. Es hatte sich eben nicht ergeben, und ein großer Honig-Freund war der Pfähler auch nicht.
    Er überlegte, ob er Joshi schon mal gesehen hatte. Das war gut möglich, wenn er sich auf einem der Märkte befunden hatte, über die Frantisek hin und wieder ging. Aber besonders aufgefallen war ihm der Mann nicht.
    Dass der schmale Weg auch benutzt wurde, sah Marek an Hand der Spuren auf dem Boden. Sie waren recht schmal und mussten von den Rädern eines Karrens hinterlassen worden sein. In diesem Gelände kam man mit einem Karren, der von einem Pferd gezogen wurde, besser zurecht.
    Es war recht still um ihn herum. Einige Vögel zwitscherten, als

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