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Hibiskusblüten

Hibiskusblüten

Titel: Hibiskusblüten
Autoren: Alexander Borell
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    Ruhm kann, wenn er noch ganz frisch ist, eine recht gute Reklame sein. Aber im Gegensatz zu allen Werbeinstituten vertrete ich die Ansicht, daß Reklame eine recht kostspielige Sache ist. Als ich nämlich vor zwei Monaten Eddi Burns, einen Kerl, der drei Morde auf dem Gewissen hatte, dem FBI auslieferte — leider nur als toten Mann —, da erschien in den nächsten drei Tagen in vielen Zeitungen und Zeitschriften mein Bild, das Bild des berühmten Detektivs, der Eddi Burns zur Strecke gebracht hatte.
    Es erschienen daraufhin auch viele Leute in meinem Büro, die meinen Whisky tranken und meine Zigaretten, die ich für Besucher immer bereit habe, rauchten. Sie wollten alles mögliche von mir wissen, erklärten einstimmig, einen Detektiv hätten sie sich ganz anders vorgestellt, und verabschiedeten sich dann mit einem freundlichen Händedruck.
    Die Bilanz aus dieser Werbeaktion war ausgesprochen passiv:
    Ich hatte in acht Tagen fünf Flaschen Whisky und siebzehn Päckchen Zigaretten kostenlos an meine Besucher verteilt — aber ich hatte keinen einzigen Auftrag bekommen.
    Mister Marting vom FBI, dem ich Eddi Burns damals präsentierte, klopfte mir auf die Schulter und sagte:
    „Für einen Privatdetektiv haben Sie allerhand auf dem Kasten, aber — nehmen Sie es mir nicht übel — Sie sind der häßlichste Bursche, dem ich je begegnet bin.“
    Von ihm aus gesehen mag diese Beobachtung vielleicht richtig sein; in Wirklichkeit aber handelte es sich hierbei jedoch um eine sehr persönliche Feststellung. Ich bin nämlich davon überzeugt, daß in den Vereinigten Staaten sicherlich einige noch häßlichere Kerls herumlaufen, als ich einer bin.
    Natürlich wäre es mir lieber, wenn ich keine so abscheulich lange Nase und weniger Sommersprossen hätte. Es ist auch nicht so, daß ich dauernd schiele, sondern das tue ich eigentlich nur, wenn ich ganz besonders aufgeregt bin.
    Meine wiederholten Versuche, ein Mädel zu kriegen, habe ich nun auch endgültig aufgegeben, nachdem ein wirklich nettes und hübsches Ding im vorigen Jahr plötzlich hell auflachte, während ich es küßte.
    Was mir aber an äußerlicher Schönheit versagt ist, ersetze ich, meiner Ansicht nach, durch eine unverwüstliche Gesundheit des Leibes und der Seele. Allerdings muß ich zugeben — und ich finde das immer wieder bestätigt —, daß es rentabler wäre, eine etwas skrupellosere Seele, dafür aber ein hübscheres Gesicht zu besitzen.
    Ich bin heute vierunddreißig Jahre alt, aber schon in jungen Jahren kam ich zu einer Erkenntnis, die für mein ganzes Leben entscheidend wurde: um eine gesunde Seele zu behalten, darf man sich keiner geregelten Tätigkeit hingeben!
    Wer jeden Morgen von einem Wecker aus dem Schlaf geschrillt wird, zu seiner Arbeitsstätte hastet, dort nebenbei blitzschnell einen bescheidenen Lunch hinunterwürgt, um nur möglichst rasch weiterarbeiten zu können, und dann schließlich abends gerädert und todmüde nach Hause kommt und ins Bett kriecht, um ja am nächsten Tag wieder fleißig arbeiten zu können: so ein Mensch muß krank an seiner Seele werden.
    Ich hielt — und halte heute noch — meine körperliche und seelische Gesundheit für wichtiger als ein regelmäßiges Einkommen; deshalb wurde ich Privatdetektiv. Man kann zwar hierbei sehr plötzlich Kunde eines unserer großartig organisierten Beerdigungsinstitute werden oder etwas abkriegen, was einen zeitlebens zum Krüppel macht, aber man braucht keine regelmäßigen Bürostunden abzusitzen.
    Meine Praxis ist mit wenigen Worten beschrieben: ab und zu habe ich etwas Geld, meistens jedoch keins. Und das kommt wiederum hauptsächlich von meiner langen Nase und den Sommersprossen; denn manche Leute, die offenbar guten Willens in mein Büro gekommen waren, ziehen sich so rasch wie möglich wieder zurück und erteilen ihren Auftrag an die Firma Lester & Lester, deren beide Inhaber wirklich hübsche Burschen sind.
    Als es gestern morgen bei mir klingelte, hatte ich gerade noch zwölf Dollar fünfundvierzig in der Tasche, und ich hörte die Alarmglocken schon seit geraumer Zeit Sturm läuten. Ich war zu allerlei bereit, um nur meiner Kasse wieder ein wenig auf die Beine zu helfen.
    Der Mann, der mich also gestern vormittag besuchte, war mittelgroß, etwa fünfundvierzig bis fünfzig Jahre alt, rundlich, hatte eine halbe Glatze und trug eine starke Hornbrille mit gelber Fassung. Seine restlichen Haare am Hinterkopf schimmerten rötlich, und in seinem runden, recht

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