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Hear the Wind blow

Hear the Wind blow

Titel: Hear the Wind blow
Autoren: David M Pierce
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groß ist manchmal verdammt lästig, das sage ich, besonders wenn man vierzehn ist und die Band einen langsamen Foxtrott spielt und das Mädchen, mit dem man tanzen will, einem nur bis zum Gürtel geht.
    Wie auch immer. Bald darauf war ich wieder auf dem Weg nach Norden, das San Fernando Valley hinauf, und tuckerte gemächlich auf der Innenspur entlang, mit all den Sonntagsfahrern und den alten Jungfern. Im Radio teilte Kenny Rogers mir mit: » You gotta know when to hold them and when to fold them.« Ich teilte Kenny mit, daß mir das schon bekannt sei, aber ich log. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund war ich ein genauso schlechter Pokerspieler wie der Hund in der Anekdote, der zwar ein beständiges Spiel macht, aber einen Kardinalfehler begeht — immer, wenn er ein halbwegs gutes Blatt bekommt, wedelt er mit dem Schwanz.
    Ich fuhr an der Stelle von der Autobahn ab, wo das Schild es mir nahelegte, und zehn Minuten später fand ich Parson’s Crossing , genau dort, wo es zu sein hatte, nicht daß es da sonderlich viel zu finden gab. Es war eins von diesen Dörfern, die so klein sind, daß die Schilder, auf denen »Sie sind jetzt in« und »Sie verlassen jetzt« an ein und demselben Pfahl angebracht sind. Es gab eine Kreuzung und einen Laden mit einer Zapfsäule davor, die eine Benzinsorte enthielt, von der Sie noch nie im Leben gehört haben; nebenan waren eine kleine Gaststätte und ein oder zwei Häuser und ein Schrottplatz und eine Kombination von Bausparkasse und einer John-Deere-Agentur , mit einem Pferd und einer Art Koppel im Hof. Außerdem gab es einen flachen Hohlziegelbau, vor dem eine amerikanische Fahne an einem Mast flatterte. Ohne das Hirn allzusehr anzustrengen, schloß ich, daß es das sein mußte, was ich suchte, darum fuhr ich in die Auffahrt und parkte neben einem verstaubten Wagoneer Jeep, der in den offiziellen Farben des Bundesstaates grün-weiß gestrichen war.
    Als ich aus meinem albernen Auto ausstieg und mich streckte, herrschte eine solche Stille, daß ich hörte, wie das Pferd nebenan in sich hineinlachte. Ich erklomm die beiden großen, breiten Stufen, betrat das Gebäude durch die Vordertür und trug einem uniformierten Herrn, der die Stellung am Empfang hielt und gleichzeitig die Telefonzentrale bediente, mein Anliegen vor.
    »Ricky ist der richtige Mann für Sie«, sagte er und warf einen kurzen Blick nach oben auf eine altmodische Wanduhr. »Er ist meistens so gegen vier wieder hier .« Es war ziemlich genau halb vier. »Sie dürfen es sich gern auf der Bank da drüben bequem machen, Sie können aber auch zu Mae’s rübergehen und ein Stück von ihrer berühmten Pekannußpastete probieren.«
    » Mae’s berühmte, selbstgemachte Pekannußpastete , was ?« sagte ich und schnalzte. »Klingt richtig lecker .«
    »Ist sie aber nicht«, sagte der Mann. »Und selbstgemacht ist sie auch nicht. Und ihr Kaffee schmeckt grauenhaft. Ich muß es wissen, ich bin mit ihr verheiratet .«
    Er hatte recht, der Kaffee schmeckte grauenhaft, ich schaffte kaum die zweite Tasse. Ich zahlte gerade, als ein zweiter Wagoneer an der Snackbar vorbeifuhr und bei der Fahne einbog. Ich schlenderte also wieder hinüber und fragte den Herrn am Schalter: »War das Ricky ?«
    »Sah mir sehr danach aus«, sagte er und zeigte hinter sich. »Zweite Tür links.« Ich ging den Flur entlang, an einem Büro vorbei und klopfte an der Tür des zweiten an. Eine maschinengeschriebene Karte informierte mich, daß es sich um das Büro von Ranger Enrique Castillo handelte.
    »Es ist nicht abgeschlossen« sagte eine Stimme hinter der Tür. Ich kombinierte, daß ich eintreten sollte, darum tat ich es. Ricky saß an einem Aluminiumschreibtisch und machte sich auf einer großen Landkarte Bleistiftnotizen.
    »Hallo. Bin gleich für Sie da«, sagte er, darum setzte ich mich ihm gegenüber auf einen Metallstuhl und faltete artig die Hände im Schoß. Ricky war ein dunkelhaariger, dunkelhäutiger Lateinamerikaner mit einem schmalen, gut aussehenden Gesicht und müden braunen Augen. Anfang dreißig. Zapata-Schnurrbart . Er trug ein hellgrünes Hemd, dunkelgrüne Reithosen und Stiefel. Ranger-Parka und — Mütze hingen an einem Kleiderständer hinter ihm. Die Wände waren kahl, mit Ausnahme von einigen Vogelbildern, die mit Buntstift gezeichnet worden waren.
    Nach einer Minute faltete er die Karte geschickt zusammen, ohne auch nur einmal von vorn anfangen zu müssen, eine Kunstfertigkeit, die ich noch nie beherrscht habe, und verstaute

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