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Grisham, John

Grisham, John

Titel: Grisham, John
Autoren: Der Anw
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die sich irgendwo verstecken und nach Menschen
Ausschau halten, die Böses im Schilde führen. Nein danke. Ich erwarte mir mehr
von meiner Zukunft: als falsche Namen und Scrabble rund um die Uhr."
    "Scrabble?"
     "Das
wollen Sie gar nicht wissen. Hören Sie, ich werde seit zehn Monaten beschattet.
Wissen Sie, was das für eine Wirkung hat? Man wird paranoid. Man verdächtigt
jeden. Jedes neue Gesicht wird gen au studiert, weil sich dahinter jemand mit
üblen Absichten verbergen könnte. Jede Ecke, jeder Durchgang, jeder Penner auf
einer Parkbank, jeder Mann im dunklen Trenchcoat wird registriert. Man greift:
zum Telefon und fragt sich, wer zuhört. Man formuliert seine E-Mails um, weil
die falschen Leute die Nachricht zu Gesicht bekommen könnten. In der eigenen
Wohnung zieht man sich in aller Eile und mit dem Rücken zur Kamera um, um seine
Intimsphäre zu wahren. Im Coffeeshop geht man schnurstracks zum Fenster, um zu
sehen, wer einen verfolgt. Man lernt alle möglichen albernen kleinen Tricks,
und je mehr man weiß, desto mehr muss man wissen. Die Wände rücken immer näher.
Die Welt wird immer enger, weil man ständig unter Beobachtung steht. Ich halte das
nicht mehr aus. Ich kann nicht mein Leben lang fliehen."
     "Diese
Leute haben Baxter Tate ermordet, ohne mit der Wimper zu zucken", gab Roy
Benedict zu bedenken. "Warum sollte Ihnen nicht dasselbe Schicksal
widerfahren?"
     "Die
Operation war noch in vollem Gang, als Baxter auf den Plan trat. Jetzt ist die
Operation abgeschlossen, zumindest was mich betrifft:. Bennie Wright ist
verschwunden. Die Operation war ein Fehlschlag. Vielleicht denkt er sich einen
neuen Plan aus ... "
    "Das
wird er mit Sicherheit tun", warf Delano ein.
    "Aber
ohne mich. Was hätte er davon, mich zu eliminieren?"
    "Sie
sind ein wichtiger Zeuge", erwiderte Benedict.
    "Nur
wenn er erwischt wird, was ich schwer bezweifle. Falls Bennie Wright wirklich
verhaftet und vor Gericht gestellt werden sollte, können wir darüber reden, ob
ich in den Untergrund gehe."
    "Dann
wird es zu spät sein", gab Delano zurück. "Glauben Sie mir. Wenn
Wright gefasst wird, werden sofort ein paar Leute auf Sie angesetzt."
    "Die
sollen nur kommen. Wir haben mindestens fünf Jagdflinten zu Hause. Ich werde in
der Aktentasche eine Luger herumschleppen. Falls sie auftauchen, können wir uns
ein Feuergefecht liefern."
    "Nehmen
Sie das nicht auf die leichte Schulter, Kyle", bat Roy Benedict.
    "Meine
Entscheidung ist gefallen. Das FBI kann mich nicht ins Zeugenschutzprogramm
zwingen, und deswegen lehne ich hiermit offiziell und mit allem gebotenen
Respekt ab. Danke, Mr Delano, aber meine Antwort ist nein."
    "Ich
hoffe, Sie bedauern das nicht irgendwann", sagte Delano. "Das hoffe
ich auch. Und bitte lassen Sie mich nicht beobachten. Ich könnte durchdrehen
und den Nächstbesten erschießen, den ich an finsteren Ecken lauern sehe."
    "Keine
Sorge. Wir haben anderswo genug zu tun." Delano erhob sich, und alle
schüttelten sich die Hände. "Ich melde mich einmal pro Woche mit dem
aktuellen Stand", sagte er zu Roy Benedict.
    Benedict
brachte ihn zur Tür, und damit verschwand das FBI aus Kyles Leben. Nachdem er
die Tür geschlossen hatte, setzte sich Benedict und sah Kyle ungläubig an.
"Sie sind mutig."
    "Mutig
oder dumm. Das ist eine Gratwanderung."
    "Warum
tauchen Sie nicht für ein paar Monate, vielleicht für ein Jahr unter? Bis Gras
über die Sache gewachsen ist, meine ich."
     "Ein
Jahr bedeutet gar nichts. Diese Leute haben ein langes Gedächtnis. Wenn sich
Bennie Wright an mir rächen will, findet er mich früher oder später, egal wo
ich bin."
    "Sie
trauen dem FBI nicht?"
     "Nein.
Ich traue Ihnen, meinem Vater und einem Mädchen namens Dale, aber das sind
alle."
    "Es
war also ein Insiderjob?"
     "Das
werden wir wohl nie erfahren. Ich habe das unbestimmte Gefühl, dass Bennie
Wright für die Regierung arbeitet, an die wir beide unsere Steuern zahlen.
Deswegen konnte er fliehen, und deswegen wird er nie gefunden werden."
    "Das
glaube ich immer noch nicht."
      
Kyle zuckte die Achseln, und eine ganze Weile herrschte Schweigen.
      
Schließlich warf Kyle einen Blick auf die Uhr. " Hören Sie, Roy, es ist
Sonntagnachmittag, und Sie haben Familie. Gehen Sie nach Hause."
    "Was
ist mit Ihnen?"
     "Mit
mir? Ich gehe hier zur Tür hinaus, unternehme einen langen Fußmarsch zu meiner
Wohnung, ohne auch nur einen einzigen Blick über die Schulter zu werfen. In der
Wohnung stopfe ich meine Klamotten und so viel anderes

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