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Greife nie in ein fallendes Messer

Greife nie in ein fallendes Messer

Titel: Greife nie in ein fallendes Messer
Autoren: Friedhelm Busch
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    Vorwort
    Die Hypothekenkrise, die im Sommer 2007 auf dem amerikanischen Immobilienmarkt einsetzte und sich mit wachsender Geschwindigkeit zu einer weltweiten Vertrauenskrise im gesamten Kreditgeschäft auswuchs, wird wahrscheinlich in den Bilanzen der Banken noch auf Jahre hinaus hässliche Narben hinterlassen und so manchen erfolgsverwöhnten Investmentbanker auf normale Konfektionsgröße zurückstutzen.
    Rekordgewinne durch Firmenübernahmen, überwiegend auf Pump finanziert, üppige Börsengänge, von namhaften Banken gegen nicht minder üppige Gebühren organisiert, milliardenschwere Devisenspekulationen zulasten einzelner Währungen und ganzer Volkswirtschaften, preistreibende Spekulationen mit Nahrungsmitteln und Industrierohstoffen, all solche Ereignisse werden hoffentlich auf absehbare Zeit seltener als bisher die Finanzmärkte in Aufregung versetzen und die Massenmedien begeistern.
    Nicht allein weil die maßlose Gier einzelner Renditejäger der Einsicht gewichen ist, dass ungebremstes Gewinnstreben die mit ihm einhergehenden gesellschaftlichen Opfer nicht rechtfertigt und dass egoistische Profitsucht sich auf Dauer ihr eigenes Grab schaufelt. Ein weiterer Grund ist, dass die Banken in den nächsten Jahren vollauf damit beschäftigt sein werden, ihre durch Abschreibungen und Wertberichtigungen geschrumpften Eigenkapitalreserven wieder aufzubauen. Schließlich ist ein ausreichendes Eigenkapitalpolster die Voraussetzung jeder Kreditzusage.
    Neue Kredite werden deshalb künftig wohl nur unter größter Vorsicht gewährt werden, selbst wenn darunter das eigene Geschäft leiden sollte. Das große Kreditrad wird sich auf absehbare Zeit langsamer drehen. Diese Selbstbeschränkung gebietet zudem die politische |8| Klugheit, will man nicht den Gesetzgeber zu gravierenden Eingriffen in die täglichen Bankgeschäfte ermuntern.
    Um Missverständnissen vorzubeugen: Die menschliche Gier sollte meiner Meinung nach nicht grundsätzlich als eine schändliche und für die Allgemeinheit schädliche Charaktereigenschaft verdammt werden. Verstehen wir sie prinzipiell als Antrieb für das individuelle Streben nach Gewinn, so kann sie für die Gesellschaft durchaus von Vorteil sein. Ein Schaden droht allerdings dann, wenn das Handeln Einzelner in die Maßlosigkeit abgleitet.
    Diese Maßlosigkeit hat zweifellos in den letzten Jahren die internationalen Finanzmärkte vergiftet. Aber nicht nur Banken und Finanzinvestoren sind dem Rausch schneller Gewinne verfallen. Auch private Immobilienspekulanten in den USA oder in Europa gaben sich dem Irrtum hin, ohne große Mühen und bei geringem Risiko hohe Gewinne einstreichen zu können. Selbst mancher bedauernswerte Amerikaner, der aufgrund steigender Zinsen seine Hypotheken nicht mehr bedienen konnte und am Ende sein Heim durch Zwangsversteigerung verlor, hatte sich zuvor im Vertrauen auf einen anhaltenden Immobilienboom allzu bereitwillig zur Aufnahme weiterer Kredite überreden lassen und nicht selten das zusätzliche Geld für seinen persönlichen Bedarf ausgegeben. Als der Häuserboom in den USA dann an den steigenden Zinskosten zerschellte, platzten auch die Träume vom leicht verdienten Geld. Zurück blieben enttäuschte Hoffnungen und erdrückende Schulden.
     
    Auf grenzenlose Euphorie folgt häufig tiefe Verzweiflung. Nach der Gier kommt die Panik. Dieses Phänomen habe ich an der Börse immer wieder beobachten können. Als Hörfunkreporter beim WDR erlebte ich im Frühjahr 1970 hautnah den Anfang vom Ende der größten Finanzspekulation in der Geschichte der jungen Bundesrepublik. Nahezu 300 000 Bundesbürger hatten Ende der 1960er Jahre den Verheißungen des einstigen amerikanischen Sozialarbeiters Bernhard Cornfeld und seiner 10 000 deutschen Verkäufer geglaubt und ihre letzten Ersparnisse in den IOS-Dachfonds Fund of Funds (FOF) investiert. Dass die versprochenen Fondsgewinne aus weltweiten Ölbohrungen oder spanischen Hotelimmobilien kaum ausreichten, um die extrem |9| hohen Vertriebs- und Verwaltungskosten und das Luxusleben der Fondsmanager um Bernie Cornfeld zu finanzieren, ahnten nicht einmal die einfachen IOS-Verkäufer, geschweige denn die Kleinanleger.
    Anfang März 1970 berichteten mir Makler an der Düsseldorfer Börse von auffälligen Aktienverkäufen einzelner IOS-Adressen. Als ich in der Bad Godesberger IOS-Residenz den Ex-Vizekanzler, ehemaligen FDP-Vorsitzenden und seinerzeitigen IOS-Repräsentanten in Deutschland, Erich Mende, nach möglichen

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