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Grappa und die Toten vom See

Grappa und die Toten vom See

Titel: Grappa und die Toten vom See
Autoren: G Wollenhaupt
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Dienstreise zu einem Mord im sonnigen Süden
    »Ich muss unser gemeinsames Kochen leider absagen«, informierte mich Hauptkommissar Friedemann Kleist am Nachmittag telefonisch. »Eine Familie aus Bierstadt ist getötet worden. Eine Art Hinrichtung. Vater, Mutter, Tochter und deren Freund. Und es gibt noch ein fünftes Opfer. Ein Mann, der zufällig am falschen Platz war. Ich fliege morgen nach Italien.«
    »Das ist ja schrecklich. Was ist das denn für eine Familie?«
    »Lies die Pressemitteilung, die gleich an die Medien rausgeht. Da steht alles drin, was wir bisher wissen.«
    »Alles?«
    Er lachte. »Na ja, das, was ihr Presseleute wissen dürft. Aber wir haben wirklich noch nicht viel Interessantes. Deshalb muss ich ja nach Locarno.«
    »Nach Locarno? Hast du nicht gesagt: Italien?«
    »Ja. Ich nehme mir dann ein Auto. Die Familie hat an der italienischen Seite des Lago Maggiore Urlaub gemacht. In Stresa. Locarno ist der nächstgelegene Flugplatz. Bis später.« Er legte auf.
    Ich stürzte zu meinem Rechner. Tatsächlich war gerade eine gemeinsame Presseerklärung der Mordkommission und der Staatsanwaltschaft eingegangen.
    Mord an fünf Personen in Norditalien
    In einem Wald bei Pisano wurden gestern die Leichen von vier Menschen in einem Personenwagen mit Bierstädter Kennzeichen gefunden. Den Ausweispapieren zufolge handelt es sich um das Bierstädter Ehepaar Elise und Norbert M., 50 und 56 Jahre alt, ihre Tochter Melanie M. (23) und den 29-jährigen israelischen Staatsangehörigen David C. Am Tatort wurde außerdem die Leiche eines noch nicht identifizierten Mannes gefunden, der mit dem Fahrrad in dem Waldstück unterwegs war. Er könnte ein Zufallsopfer sein. Nach ersten Erkenntnissen sind die fünf Personen erschossen worden. Die Umstände des Auffindens lassen vermuten, dass die Familie gezielt getötet wurde. Eine Waffe wurde noch nicht gefunden. Ein Raubmord wird ausgeschlossen. Die Mordkommission Bierstadt unterstützt die italienische Polizei. Ein leitender Beamter wurde nach Italien abgeordnet. Die israelische Polizei wurde ebenfalls informiert.
    Italien, das Land der Cosa Nostra. Eine ganze Familie ausgelöscht. So fingen Filme an, die von den mächtigen Paten erzählten. Natürlich wurden auch in Italien zuweilen Touristen überfallen, das war nichts Neues. Doch meist wegen Geldes und anderer Wertsachen. Eins der Opfer war Israeli – hatte das etwas zu bedeuten?
    Wayne Pöppelbaum hastete ins Großraumbüro und steuerte auf mich zu. »Hast du schon gelesen, Grappa?«
    Ich nickte. »Mysteriöse Geschichte. Wir sollten nach Italien fahren.«
    »Eine Dienstreise? Das kriegst du bei Schnack nie durch!«, prophezeite der Bluthund. Pöppelbaum war der feste freie Fotograf des Bierstädter Tageblatts und hauptsächlich für die sogenannten Blaulicht-Themen zuständig. Wayne hörte regelmäßig den Polizeifunk ab, um frühzeitig an den Szenen schrecklicher Ereignisse zu erscheinen, die er dann für die blutrünstige Leserschaft unseres Blattes im Bild dokumentierte. Als Reporterin war ich für die Texte zuständig.
    »Abwarten«, meinte ich zuversichtlich. »Der Leiter der Bierstädter Mordkommission macht sich auf den Weg nach Bella Italia. Unser Chef ist doch immer so für Begleitreportagen. Nun können wir den Oberpolizisten doch mal bei seiner schwierigen Arbeit begleiten.«
    »Weiß Kleist das denn schon?«, fragte Wayne verblüfft.
    »Ist alles mit ihm abgesprochen«, log ich, ohne rot zu werden, und griff noch einmal nach der Pressemitteilung. »Hier stehen die Namen nur mit der üblichen verschleierten Abkürzung. Darum kümmern wir uns zuerst. Ich will wissen, wer diese Opfer genau sind.«
    »Das kann ich dir sagen«, grinste er stolz. Er reichte mir einen Zettel: Elise, Norbert und Melanie Mahler.
    »Den Nachnamen dieses David C. hab ich allerdings noch nicht rausbekommen. Dafür hab ich aber die Adresse der Mahlers.«
    »Sauber! Dann machen wir jetzt Arbeitsteilung«, schlug ich vor. »Ich kümmere mich um die Genehmigung der Dienstreise und du schüttelst die Nachbarn. Vielleicht erfährst du von denen noch was Interessantes.«
    Wayne nickte und trollte sich.
    Ich hatte den Mund ziemlich voll genommen. Nun überlegte ich angestrengt, wie ich unseren Chef Dr. Berthold Schnack von der Notwendigkeit einer Reise nach Italien überzeugen konnte. Leider fiel mir nicht viel ein. Plan B war angesagt: improvisieren. Am besten sofort.
    »Ist Schnack schon da?«, fragte ich Susi.
    Die Sekretärin reagierte

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