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Gone 5: Angst (German Edition)

Gone 5: Angst (German Edition)

Titel: Gone 5: Angst (German Edition)
Autoren: Michael Grant
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Draußen
    Connie Temple verschwand in dem Moment, als sie an ihrem Laptop saß und etwas in ihr Tagebuch schrieb.
    Gerade noch da.
    Plötzlich weg.
    Kein Puff! Kein Blitz. Keine Explosion.
    Wieder aufgetaucht war sie am Strand. Mit dem Rücken im Sand liegend. Genau in der Haltung, in der sie vorher auf ihrem Stuhl gesessen hatte: mit angewinkelten Beinen.
    Um sie herum waren lauter Leute. Menschen, die sie noch nie gesehen hatte. Aber auch welche, denen sie schon mal in der Stadt begegnet war. Manche von ihnen standen, andere saßen und einige streckten die Arme aus, als hielten sie immer noch ein Lenkrad in den Händen. Etliche trugen Jogginganzüge und schienen im Laufen hierher gebeamt worden zu sein.
    Connie entdeckte einen von Sams Lehrern. Er stand blinzelnd und mit erhobener Hand da, als schriebe er etwas an eine unsichtbare Tafel.
    Sie war völlig benommen aufgestanden, überzeugt, dass das alles nicht wahr sein konnte. Kurz hatte sie an einen Schlaganfall gedacht. Sich gefragt, ob sie halluzinierte. Ob das vielleicht das Ende der Welt war. Oder das Ende ihres Lebens.
    Und dann hatte sie sie gesehen: die milchig graue, konturlose Wand. Sie war unfassbar hoch und schien sich zu krümmen. Eine undurchdringliche Barriere, die aufs Meer hinausreichte, über den Highway lief und das Clifftop, eine Luxushotelanlage, in zwei Hälften teilte.
    Die Mauer erstreckte sich weit hinein ins Landesinnere – weiter, als man sehen konnte. Und zerschnitt alles, was ihren Weg kreuzte.
    Erst später, als im Internet Luftaufnahmen auftauchten, sollten sie erfahren, dass die Wand eine Kuppel von vierzig Kilometern Durchmesser bildete.
    Und noch später, nachdem sie es tagelang verleugnet und nicht hatten wahrhaben wollen, wurde es zur schrecklichen Gewissheit: Die Kinder waren im Inneren geblieben. Alle unter fünfzehn waren verschwunden.
    Wie durch ein Wunder war aus Perdido Beach und der näheren Umgebung niemand ums Leben gekommen. Es hatte Verletzte gegeben. Leute, die sich plötzlich in der Wüste wiedergefunden hatten, ins Wasser gefallen oder einen Hang hinabgestürzt waren.
    Ein Mann war nur mit Badehose bekleidet und klatschnass mitten auf dem Highway aufgetaucht, zwischen heranrasenden Autos, die ihm zu beiden Seiten mit quietschenden Reifen auswichen.
    Am Ende hatte es nur einen einzigen Toten gegeben. Ein Versicherungsmakler aus San Luis Obispo hatte die Barriere auf der Straße zum Stefano Rey Nationalpark übersehen und war frontal in sie hineingekracht.
    An seinen Namen konnte sich Connie nicht mehr erinnern.
    Seit damals waren so viele neue Namen in ihrem Leben aufgetaucht und wieder verschwunden.
    Es fiel ihr schwer, die Erinnerung an jenen Tag auszublenden. Sie musste sich konzentrieren, Oberst Matteu sagte gerade etwas Wichtiges.
    »Die Energiesignatur hat sich verändert.«
    »Die was ?«, fragte Connie Abana Baidoo neben sich. Sie hatten sich im Laufe der letzten, schrecklichen Monate angefreundet. Normalerweise verstand Abana die wissenschaftlichen Details besser als Connie, aber jetzt zuckte sie bloß mit den Schultern.
    »Die Energiesignatur«, fuhr Oberst Matteu fort, »ist das, was wir neuerdings die J-Welle nennen.«
    »Was genau bedeutet das?«, hakte Connie nach.
    Sah man von seiner einwandfrei gebügelten Uniform und dem Bürstenhaarschnitt ab, hatte der Oberst nichts Militärisches an sich.
    Er war bereits der dritte Offizier, der hierher versetzt worden war, um die Truppen an der Kuppel – auch die Blase von Perdido Beach genannt – zu befehligen, zugleich aber auch der Erste, der imstande war, auf einfache Fragen ehrliche Antworten zu geben.
    »Das wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass diese Energiesignatur vom ersten Moment an da war und stets in eine Richtung verlief. Und jetzt verändert sie sich.«
    »Aber Sie wissen nicht, was das bedeuten könnte«, stellte Abana fest. Bei ihr klang jede Frage wie ein Vorwurf.
    »Nein, Ma’am. Das wissen wir nicht.«
    Connie war die leichte Betonung des Wortes »das« nicht entgangen.
    »Und was vermuten die Wissenschaftler?«, fragte sie.
    Der Oberst seufzte. »Tatsache ist, dass bereits Dutzenden, wenn nicht gar Hunderten Theorien nachgegangen wurde. Keine davon hat sich bestätigt. Als die Zwillinge sicher und wohlbehalten aufgetaucht sind, glaubten wir, der Antwort näher zu sein. Doch als dann Francis …«
    Niemand musste an Francis erinnert werden. Es war gefilmt worden, wie Francis herausgekommen war – oder vielmehr das, was von dem

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