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Goldschatz

Titel: Goldschatz
Autoren: Jude Deveraux
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PROLOG
    Ich werde nichts dergleichen tun-, sagte Fiona mit einem eisigen Lächeln und musterte ihr Gegenüber abschätzend. Es war ein Blick, der andere für gewöhnlich erstarren ließ. Mit Absätzen war Fiona einsachtzig groß, und wenn nötig, setzte sie jeden Zentimeter ihrer Körpergröße ein, um andere einzuschüchtern.
    James Garrett war zwar einige Zentimeter kleiner als sie, aber immerhin gehörte die Firma ihm. »Ich sagte nicht, falls Sie bereit sind, zu gehen«, erwiderte er ruhig und sah sie mit seinen grauen Augen kalt an. »Ich sagte, dass Sie gehen werden. Ihr Ticket liegt bei meiner Sekretärin bereit.« Hierauf richtete er den Blick auf seinen Schreibtisch, als wäre die Angelegenheit für ihn erledigt -eine stumme Aufforderung an sie, sein Büro zu verlassen.
    Aber Fiona war nicht mit Schüchternheit geschlagen. »Kimberly braucht mich«, erklärte sie mit fester Stimme und presste die Lippen zu einem dünnen Strich zusammen. Dabei schob sie das Kinn so weit vor, dass ihr Blick auf seinem Scheitel ruhte. Sie fragte sich, ob er sich einer Haartransplantation unterzogen hatte.
    »Kimberly kann...!«, herrschte James Garrett sie an, unterbrach sich jedoch dann und zwang sich zur Ruhe. Er würde sie nicht auffordern, sich zu setzen. Weder sie noch sonst jemand sollte behaupten, er leide an einem Napoleon-Komplex und hätte ein Problem mit großen Frauen. »Setzen Sie sich!«, befahl er knapp.
    Aber Fiona ignorierte die Aufforderung. »Ich muss zurück an die Arbeit. Bei Kimberly sind noch einige Änderungen notwendig und ich muss mit Arthur einige Entwürfe für die kommende Saison besprechen.«
    James zählte bis vier, kehrte Fiona dann den Rücken zu und blickte aus dem Fenster auf die dunklen Straßen zwanzig Stockwerke tiefer. New York im Februar, dachte er: kalt, windig, trostlos. Und seine leitende Angestellte lehnte eine Reise ins sonnige Florida auf seine Kosten ab. Er wandte sich Fiona wieder zu und kniff die Augen zusammen. »Lassen Sie es mich anders formulieren: Entweder Sie gehen mit diesem Mann zum Fischen nach Florida oder ich nehme Ihnen Kimberly weg. Haben Sie mich verstanden?«
    Fiona starrte ihn einen Augenblick verständnislos an. »Aber ich bin Kimberly«, sagte sie ungläubig. »Sie können uns nicht trennen.«
    James fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht. »Drei Tage, Fiona. Drei Tage! Mehr verlange ich doch gar nicht von Ihnen. Sie verbringen drei lächerliche Tage mit diesem Mann und danach brauchen Sie New Yorks Straßenschluchten nie wieder zu verlassen. Ziehen Sie bei Saks ein, wenn es Ihnen Spaß macht. Und jetzt gehen Sie und packen Sie Ihre Koffer! Ihr Flug geht morgen schon sehr früh.«
    Fiona brannten einige tausend Worte auf der Zunge, aber dieser Mann war immerhin ihr Boss. Und seine Drohung, ihr Kimberly wegzunehmen, hatte ihre Wirkung nicht verfehlt. Kimberly und ihre Familie waren ihr Leben. Natürlich hatte sie noch andere Freunde, interessierte sich noch für andere Dinge, aber Kimberly bedeutete ihr alles. Kimberly war ...
    Fiona unterbrach ihre Gedanken, als sie in James Garretts Vorzimmer auf dessen Sekretärin zusteuerte. Diese fürchterliche Person hielt ihr mit süffisantem Lächeln ein Flugticket hin.
    »Bon voyage«, sagte sie schadenfroh. Wie gewöhnlich hatte sie jedes Wort von dem gehört, was nebenan im Büro ihres Chefs gesprochen worden war. »Wir werden alle darauf achten, dass Kimberly abends gut zugedeckt ist. Ich bin ganz sicher, dass sie Sie schrecklich vermissen wird.«
    Als Fiona mit klappernden Absätzen am Schreibtisch der Sekretärin vorbeistöckelte und en passant nach dem Ticket griff, schenkte sie ihr ein honigsüßes Lächeln. »Übrigens, haben Sie Ihre Gehaltserhöhung bekommen, Babs?« James Garrett war bekannt für seinen Geiz.
    Die Hand mit dem Ticket zuckte zurück, aber Fiona war schneller; sie schnappte es sich und ging hoch erhobenen Hauptes aus dem Raum.
    Drei Tage, sagte sich Fiona, während ihre langen schlanken Beine sie zu ihrem Büro zurücktrugen. Drei Tage im Sumpf, mit Krokodilen und ... und irgendeinem Kerl, der ihre Gesellschaft forderte.
    »Für wen zum Teufel hält der sich eigentlich?«, brummte sie, als sie ihr Büro betrat.
    »Wer hält sich für wen?«, fragte Gerald, der gerade Kimberlys neue Entwürfe auf Fionas Schreibtisch legte.
    Fiona konnte ihren Anblick kaum ertragen. Für James Garrett mochten es ja nur drei Tage sein, aber für sie ... »Verdammt!«, schimpfte sie nach einem Blick auf die Uhr.

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