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Glückskekse

Titel: Glückskekse
Autoren: A. Bauer
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„Nun zieh doch nicht so, Leo“, schnauzt Nettie ihren Freund an.
    „Dann bleib doch nicht immer stehen und guck dir die Kerle an“, rufe ich fröhlich gegen die laute Musik an. „Als wenn du nicht an einem genug hast“, griene ich meine Freundin frech an, bleibe dann allerdings am Tresen stehen. „Was möchtest du trinken?“
    „Erst mal nur ein Wasser. Denn so wie es hier aussieht, brauch ich mir die Männer nicht wirklich schön saufen“, lacht sie und lässt ihren Blick anerkennend schweifen.
    „Ne meine Süße, schön sicher nicht, aber vielleicht Hetero. Du weißt schon, dass wir in einem Schwulenclub sind, oder?“, feixe ich und kann mir gerade noch ein Lachen verkneifen, als ich das bedröppelte Gesicht meiner besten Freundin sieht.
    „Das hab ich fast vergessen“, seufzt sie schwer leidend auf. „Die sehen alle so normal aus.“ Als sie allerdings zur Seite sieht, steht ein hemmungslos knutschendes Paar neben ihr. Zwei Männer wohlgemerkt. „Upsi!“
    „Ich weiß nicht, ob ich jetzt beleidigt sein soll, aber wir Schwulen sind normal“, stelle ich ernst fest.
    „Weiß ich doch, Schatz. Aber ich muss mich erst einmal daran gewöhnen, dass mein bester Freund auf einmal zum anderen Ufer übergelaufen ist. Es ist noch nicht ganz so lange her, da waren wir beide noch ein Pärchen. Wenn du dich daran überhaupt noch erinnern kannst.“
    „Sicher kann ich das, Nettie. Wenn ich so zurück denke“, überlege ich laut, „dann ist das doch schon über drei Jahre her. Und auch wenn die Zeit mit dir sehr schön war, so hat mir doch immer irgendetwas gefehlt. Trotzdem bin ich jetzt sehr froh, dass wir beide immer noch die besten Freunde sind. Und ich hoffe, daran wird sich nie etwas ändern“, meine ich ganz ehrlich und ziehe meine allerbeste Freundin, die ich schon aus dem Kindergarten kenne, in eine feste Umarmung, was unsere Tresennachbarn zu dem Kommentar, dass wir hier in einem Schwulenclub sind, ablässt.
    Die Bemerkung lässt mich ein wenig übermütig werden. Kurzerhand verwickle ich Nettie in einen heftigen Zungenkuss, nur um dann die beiden anzusehen und provozierend zu sagen: „Ich dachte, wir Schwulen sind so tolerant? Da wird ich doch wohl mal meine beste Freundin küssen dürfen, oder?“
    Verwundert sehen die beiden erst Nettie und dann mich an. „Ehm, ja sicher“, antwortet der Kleinere der beiden. „Du sagst, wir Schwulen. Soll das heißen, dass du auch eher dem männlichen Geschlecht zusagst?“, will jetzt der Größere wissen.
    „Genau“, antworte ich kurz und knapp, füge allerdings ein, „jeder braucht doch einen besten Freund oder eine beste Freundin. Mit wem soll man sich sonst über die süßen Jungs hier unterhalten?“, grinsend hinzu.
    „Eigentlich hast du ja recht. Also, wenn du mal jemand anderen zum reden brauchst, ich heiße Tim“, sagt der Kleine lächelnd und hält mir seine Hand hin, „ und das hier ist meine bessere Hälfte Tom.“
    „Danke, Schatz, für die bessere Hälfte“, flüstert er seinem Freund zu, um mir kurz darauf ebenfalls die Hand hinzuhalten. „Tom, freut mich. Und mit wem haben wir das vergnügen?“
    „Das hier ist meine Nettie“, zeige ich lächelnd auf sie, während ich in die mir dargebotene Hand einschlage, „und mein Name ist Leonard Zacharias Samuel Schmidtke. Ihr könnt mich aber Leo nennen. Machen alle so. Außer …“ Weiter komme ich jedoch nicht, weil Nettie mir ins Wort fällt.
    „Außer er verzapft irgendwelchen Mist. Denn dann wird er von seinen Eltern und auch von mir mit vollständigem Namen gerufen“, grinst sie und begrüßt Tim und Tom ebenfalls.
    „Na, dann wissen wir ja Bescheid“, lachen die beiden. „Und? Hast du dir schon einen ausgesucht?“, will Tim wissen.
    „Hat er“, kann Nettie schneller als ich antworten, „deshalb bin ich heute nämlich hier. Er hat letzte Woche hier seinen Engel, wie er die vergangenen sieben Tage immer wieder erwähnte, gesehen und den will er mir heute zeigen.“
    „Uh, einen Engel? Und … ist er heute hier? Hast du ihn schon gesehen?“, fragt Tim wieder und mir fällt auf, dass er wohl derjenige ist, der in der Beziehung das Sagen hat. Auf jeden Fall verbal.
    „Noch nicht. Aber ich hab ja auch noch nicht wirklich Zeit dazu gehabt.“ Und während ich mich weiter mit den anderen unterhalte, lasse ich meinen Blick über die tanzende Menge schweifen. Es dauert einen Augenblick, doch dann kann ich ihn endlich ausmachen.
    Auf einem Podest bewegt er sich anmutig zur Musik

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