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Glaube, Liebe, Mafia: Ein Fall für Josif Bondar

Glaube, Liebe, Mafia: Ein Fall für Josif Bondar

Titel: Glaube, Liebe, Mafia: Ein Fall für Josif Bondar
Autoren: Mark Zak
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I

    1
    Tayfun fiel vor Staunen der Joint aus dem Mund, was bei den vier anderen Jungs, die wie er an der Hauswand lehnten, für hämisches Gelächter sorgte. Es war weniger der offene pinkfarbene Lamborghini mit Düsseldorfer Kennzeichen, der nun schon zum dritten Mal die Keupstraße in Köln-Mülheim langsam auf und ab fuhr, sondern eher die »Füllung«, die für die ungläubigen Blicke der Jungs sorgte. Am Steuer saß eine bildhübsche Blondine in einem weißen Nerzjäckchen, die wie eine Zwillingsschwester dem Model glich, das von allen Werbeflächen in Köln für die Möbelhauskette Pechstein warb.
    »Das ist sie, da wett ich meinen Schwanz drauf«, sagte Tayfun. Keiner wettete dagegen.
    Heidi Golub war unglücklich. Weil sie keinen Parkplatz fand, weil der CD-Player auf der Fahrt schon wieder kaputt gegangen war und weil sie sich ungeliebt und einsam fühlte.
    Im Radio lief die Welle Köln:
    »Am Samstag findet im Sülzer Theaterhaus die Premiere des umstrittenen Stücks ›Jesus und seine Jünger‹ von Sheldon Friedman statt. In dem Theaterstück werden Jesus und seine Jünger als schwule Kommune in die heutige Zeit versetzt. Christliche Organisationen haben bereits Proteste angekündigt …«
    Endlich ein Parkplatz! Sie wartete geduldig, bis eine Frau mit Kopftuch die junge Fahrerin, vermutlich ihre Tochter, mit viel Geschrei und Gestikulieren aus der riesigen Parklücke hinausgewunken hatte. Die Frau stieg in das Auto, stieg gleich wieder aus und lief aufgeregt in den gegenüberliegenden Gemüseladen. Sie kehrte glücklich mit einer vergessenen Tüte zurück und stieg zum zweiten Mal in den Wagen, der dann endlich wegfuhr. Heidi parkte schnell und geschickt ein, was von Tayfun und seinen Kumpeln mit einer gewissen Anerkennung registriert wurde.
    Sie war noch nie hier bei Josif gewesen, hatte ihn seit mehreren Jahren gar nicht gesehen, nur ab und zu mit ihm telefoniert. Heidi schaute noch mal auf ihr iPhone, um die Hausnummer zu vergleichen. Hier musste es sein. Ein heruntergekommener Altbau. Im kleinen Hinterhof hängte eine Frau mit geblümtem Kopftuch Wäsche ab, ein kleines Mädchen half ihr dabei. Vier Männer schleppten laut stöhnend einen gusseisernen Kohleofen zur Straße, zwei kleine Jungs sprangen mit Wasserpumpguns herum, schossen wild um sich und schrien »Allah Akbar«, wenn sie getroffen wurden und sterben mussten.
    Auf der rechten Seite des Hinterhauses befand sich ein kleiner Anbau. Ein winziges Schild an der angelehnten Tür verriet Heidi, dass sie hier richtig war: »Privatdetektiv Josif Bondar«. Keine Klingel. Heidi klopfte, wartete kurz ab und trat ein.
    Eine junge Frau, wohl Josifs Sekretärin, saß links von der Tür am Schreibtisch hinter einem großen Bildschirm. Heidi sah nur ihren Kopf, langes kastanienbraunes Haar, schmales intelligentes Gesicht, große Brille.
    »Hallo, mein Name ist Golub. Ich bin mit Josif verabredet.«
    »Guten Tag, Frau Golub. Herr Bondar ist noch in einer Besprechung. Dauert nicht mehr lang. Nehmen Sie bitte Platz.«
    Heidi schaute sich um. An der Wand gegenüber standen ein schwarzes Ledersofa und zwei Sessel, die, wären sie Menschen, sicher mindestens Pflegestufe zwei beantragen könnten, dazu ein kleiner runder Tisch mit einem Aschenbecher. Rechts führte eine Tür in ein weiteres Zimmer, aus dem undeutlich Stimmen zu hören waren. Heidi setzte sich auf das Sofa und zündete sich eine Zigarette an. In dem großen quadratischen Aschenbecher las sie die Inschrift: »Die eine Hälfte der Menschheit stirbt am Rauchen, die andere Hälfte stirbt ohne«.
    »Blöder Spruch«, dachte Heidi, »könnte von Josif sein.«
    2
    Im anderen Zimmer, einer spartanisch eingerichteten Wohnküche, in der nur eine riesige italienische Espressomaschine etwas Glanz verbreitete, saß Josif Bondar an einem kleinen runden Holztisch und spielte wieder mal Backgammon mit seinem Nachbarn Ahmet. Sie spielten ums Autowaschen. Der Verlierer musste dem Sieger den Wagen waschen. Es war nicht ganz gerecht. Denn Josif putzte seinen Lada nie, Ahmets Benz dagegen war immer auf Hochglanz poliert. Ahmet war Taxiunternehmer. Sein Fuhrpark bestand aus einem einzigen auf Pump gekauften Wagen, der auch nur von ihm selbst an sechs Tagen die Woche jeweils zwölf Stunden gefahren wurde. Vor 30 Jahren war Ahmet als Dreijähriger nach Köln gekommen und sprach mit einem unverwechselbaren kölsch-türkischen Akzent.
    Gerade war er ziemlich aufgebracht und vergaß zu würfeln:
    »Sie wollten mir sogar

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