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GK206 - Der schwarze Golem

GK206 - Der schwarze Golem

Titel: GK206 - Der schwarze Golem
Autoren: A.F.Morland
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Alec Messer schüttete Whisky in sein Glas. Wieder einmal zuviel. Er trank in letzter Zeit mehr als ihm guttat. Aber zum Teufel, er brauchte den Alkohol. Er brauchte diese geistige Lähmung in seinem Kopf, die der Whisky hervorrief. Anders hätte er dieses gottverfluchte Leben nicht ertragen können.
    Messer stellte die Flasche weg, drehte den Schraubverschluß oberflächlich zu, nahm das Glas in die Hand und schaute sich um. Ein Raum voller Bequemlichkeit war es, in dem er sich befand. Fernsehsessel, TV-Gerät mit Videorekorder. Vollklimatisiert war die Bude, und sie wäre ein prachtvolles Heim gewesen, wenn sie sich irgendwo in England befunden hätte.
    England!
    Alec Messer trank einen Schluck Whisky. Das Zeug floß wie kochendes Öl in seinen Magen. England! Wie weit war die geliebte Heimat von hier entfernt. Messer spürte ein unangenehmes Würgen im Hals. Er war ein großer, schlanker, gutaussehender Mann mit blonden Haaren und blauen Augen. Ein gebürtiger Brite zwar, aber die Wiege seiner Großeltern hatte noch in Hamburg gestanden.
    England!
    Unerreichbar für den hervorragenden britischen Raketenwissenschaftler Alec Messer. London, das lag für Messer auf einem anderen Stern. In einem anderen Universum. Gott weiß, wie viele Lichtjahre entfernt. Er trank erneut. Seine Handbewegung war ruckartig, als er das Glas zum Mund führte.
    Würde er London jemals wiedersehen? Man hatte ihm klargemacht, daß er diese Hoffnung lieber aufgeben solle, denn sie würde sich in hundert Jahren nicht erfüllen.
    Da hockte er nun, mitten in dieser verfluchten Wüste, die Gott in seinem schlimmsten Zorn geschaffen hatte. Und man hatte ihm erklärt, daß es für ihn besser wäre, sich mit dieser Situation abzufinden, denn seine Heimat wäre nicht mehr Großbritannien, sondern Ägypten, und je schneller er sich daran gewöhne, um so besser wäre das für alle.
    Verschleppt hatten sie ihn. Gekidnappt. Am hellichten Tag. Man stelle sich das nur vor. Mitten aus London hatten sie ihn herausgeholt. Das lag jetzt etwa ein Jahr zurück. Messer konnte sich an den verhängnisvollen Tag noch so gut erinnern, als wäre das Ganze erst vor knapp einer Woche passiert.
    Damals hatte sich sein Leben von Grund auf geändert.
    Damals war aus dem freien Menschen Alec Messer der Sklave Alec Messer geworden.
    Zu zweit waren sie in sein Haus gekommen. Männer mit olivfarbener Gesichtshaut und rabenschwarzen Dschingis-Khan-Bärten. Ihre Augen hatten ausgesehen wie schwarze Kohlenstücke. »Wir haben Ihnen ein Angebot zu machen, von dem Sie begeistert sein werden«, hatten die Männer gesagt.
    Messer hatte sie verwirrt angesehen. »Wer sind Sie?«
    »Sagen wir, wir sind Regierungsbeauftragte, Mr. Messer«, hatte der eine Mann geantwortet.
    »Und um welche Regierung handelt es sich, bitte?«
    »Um die ägyptische, Mr. Messer.«
    Erstaunt hob Messer eine Braue. »Die ägyptische Regierung möchte mir ein Angebot machen?«
    »So ist es, Mr. Messer.«
    »Ich bin Wissenschaftler…«
    »Darum geht es. Sie sind eine wahre Größe auf dem Gebiete der Raketenforschung. Männer wie Sie sind spärlich gesät. Um ehrlich zu sein, in unserem Land gibt es keinen einzigen Wissenschaftler, der Ihnen das Wasser reichen könnte. Wenn wir mit unserer Waffentechnik einen revolutionierenden Schritt vorwärts tun wollen, müssen wir uns wohl oder übel der Mithilfe ausländischer Wissenschaftler bedienen. Bei uns zu Hause war man zum Glück so schlau, das rechtzeitig zu erkennen. Deshalb sind wir hier, Mr. Messer. Wir bieten Ihnen ein Leben wie aus Tausendundeiner Nacht – und dazu so viel Geld, wie Sie verlangen…«
    Alec Messer blieb die Luft weg. Entrüstet schrie er: »Ich bin für die britische Regierung tätig, meine Herren…«
    »Auch das ist uns bekannt. Glauben Sie, Mr. Messer, es gibt nichts, was wir über Sie nicht wissen.«
    »Ich verrate doch nicht mein Heimatland. An so etwas würde ich nicht einmal im Traum denken. Es ist eine Frechheit von Ihnen, dieses Ansinnen überhaupt an mich heranzutragen! Nicht einmal für alles Geld dieser Welt würde ich Ägypten meine Dienste zur Verfügung stellen, bitte richten Sie das demjenigen aus, der die verrückte Idee hatte, Sie hierher zu schicken! Und nun verlassen Sie mein Haus! Aber sofort, wenn ich bitten darf!«
    Die Ägypter sahen sich kurz an. Dann zog der eine seine Pistole. Messer stürzte sich wutschnaubend auf den Mann. Er knallte ihm die Faust ans Kinn, holte gleich nochmals aus und traf auch den zweiten

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