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Gilgamesch - Der Untergang

Gilgamesch - Der Untergang

Titel: Gilgamesch - Der Untergang
Autoren: Andreas Geist
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18.
     
    Sven war über sein Diensthandy, das wie alle Diensthandys seiner Einheit über eine raffinierte Verschlüsselungstechnik verfügte, zu einem Einsatz gerufen worden, über den er Carolin nicht mehr sagen konnte, als dass es nicht in direktem Zusammenhang mit der Entführung Klaras stand.
    Carolin war eine außergewöhnliche Frau. Das hatte er schon in ihrer Jugendzeit gewusst, doch nun wurde offensichtlich, dass sie eine Stärke und innere Ruhe besaß, die er nur bewundern konnte. Die meisten Frauen würden in dieser Situation hysterisch und kopflos reagieren, was die Lösung des Problems nicht erleichterte. Carolin hatte geweint und sich ihm an den Hals geworfen. Die Tränen hatten etwas Reinigendes gehabt, und danach konnte sie ruhig und glasklar die Optionen abwägen, um mit ihm das weitere Vorgehen zu besprechen, das die geringste Gefahr für Klara und Christopher bedeutete.
    Sven ertappte sich immer wieder dabei, dass ihm der Gedanke, Carolin kehre, nachdem alles vorüber wäre, in die Arme ihres Mannes zurück, nicht gefiel. Er wusste, dass er keinen Anspruch auf sie erheben konnte. Sie hatte sich vor langer Zeit für Christopher und gegen ihn entschieden. Er bemühte sich seine Gefühle zu verdrängen, um nicht sein Urteilsvermögen zu trüben und Fehler zu begehen, die ihr und der Familie schadeten, jener Familie, die er selbst gerne mit ihr gehabt hätte.
    Er schluckte den Kloß in seinem Hals hinunter und startete den Transporter, der mit Hightech vollgepackt war und mit einem Zweihundert-PS-Motor leicht auf über zweihundert Stundenkilometer beschleunigt werden konnte.
    Ein Kollege würde Carolin zum Haus ihrer Mutter zurückbringen, denn der plötzliche, unerwartete Stillstand des Signals jenes Wagens, den sie beobachteten, und der schließlich gänzliche Verlust an einer Stelle der Autobahn mitten im Nirgendwo ließ nichts Gutes ahnen. Eigentlich kam nur ein Unfall in Betracht, doch der Ausfall des robusten GPS-Senders war dennoch ein Rätsel. Der Flachbildschirm in Svens Armaturenbrett zeigte noch immer die Region, in der sich das Fahrzeug der Communitas Saturni zuletzt aufgehalten hatte.
    Einer Eingebung folgend startete er Google Earth , das ein Satelliten gestütztes Bild über die gezeichnete Karte legte. Er zoomte das Zentrum des Ausschnitts heran. Ein furchtbarer Verdacht beschlich ihn.
    Google Earth zeigte kein Echtzeitbild, sondern wie am unteren Bildrand zu erkennen war eine Aufnahme aus dem Sommer 2011. Man erkannte einen gelben Bagger und eine große kreisrunde Stelle, an der er offensichtlich tief ins Erdreich gegraben hatte, sodass diese Stelle sich auch aus dem Orbit in ihrem schlammigen Braun von der Umgebung abhob.
    Da entstand ein Regenauffangbecken und der rote Punkt, an dem sie das letzte Signal erhalten hatten, projizierte sich genau in dessen Mitte. Das Fahrzeug musste von der Fahrbahn abgekommen und in den künstlichen Teich gestürzt sein.
    Warum aber um Himmels willen, und vor allem:
    Lebten die Insassen noch?
    Da blieb eine winzige Chance. Es war Winter und kalt genug, sodass der See zugefroren sein konnte, doch es war höchste Eile geboten und Sven hielt mit quietschenden Reifen am Friedhof nach der Nagoldbrücke. Sein Kollege Joachim Herter, den alle nur Jupp nannten, zog die Schiebetüre des VW-Busses auf und sprang auf den Rücksitz. Unter seinem Anorak zeichnete sich deutlich das dicke Polster der kugelsicheren Weste ab, denn die beiden Männer wussten, dass eine Person in ihrem Zielfahrzeug bewaffnet war. Sie nickten sich kurz zu, und bevor Jupp sich anschnallen konnte, bog Sven auf die Bundesstraße ab und hatte die Sirene eingeschaltet. Es wurde eine halsbrecherische Fahrt, die seine ganze Aufmerksamkeit erforderte.
    Eine Stunde später erreichten sie eine Behelfsausfahrt südlich der Stelle des letzten Signals. Sven verließ die Autobahn, raste über eine Brücke, um sofort wieder die Einfahrt in die Gegenrichtung zu nehmen. Es gab wenig Verkehr und er stellte das Blaulicht ab, denn es trennte sie nur noch knapp ein Kilometer von dem künstlichen Teich, in dem das Signal erloschen war. Vielleicht würden sie den Vorteil des Überraschungsmomentes brauchen, doch Sven hoffte inständig, dass es nicht zu einem Schusswechsel käme. Plötzlich tauchten zwei Gestalten im Scheinwerferlicht vor dem Bus auf, die winkend auf sie zu humpelten. Er atmete auf. Er bremste den Wagen ab und kam auf der Standspur zum Stehen.
    „Es sind nur Herr Mendelsohn und Herr Martinez,

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