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Geständnisse eines graumelierten Herren

Geständnisse eines graumelierten Herren

Titel: Geständnisse eines graumelierten Herren
Autoren: Oliver Hassencamp
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Fleißig und wachsam

    Ich glaub’ ich bin glücklich!
    Lukas Dornberg, in der englischsprechenden Welt renommierter Männchenmaler, sitzt vor dem alpenländischen Bauernhof auf der Bank unter der Laube. Geranien umrahmen ihn, Septembersonne versilbert seine Schläfen. Mit geschlossenen Augen sitzt er da, träumend, nachdenkend über sich und über Zukünftiges. Zwischenbilanz machen nennt er das, wie er das bei jeder Veränderung gemacht hat, ob sie den Namen einer Zeitschrift trug, einer Firma, eines Verlags, oder einen weiblichen Vornamen.
    Actually! — denkt er englisch aus Gewohnheit und freut sich, daß er’s schon merkt — Der Entschluß war richtig!
    In seinen Sprachraum zurückzudenken, hält er für gut.
    Es sollte sein.
    Sonst hätte er nicht gleich in den ersten Tagen die teure Eigentumswohnung erworben. Prestigedenken scheidet aus, — die letzten zwanzig Jahre hat er nicht hier gelebt.
    Eine gute Geldanlage!
    Das fanden Daniela und Renate. Sie sollten es wissen, die Lieben. Daß beide sich mitten aus erfolgreichen Karrieren auf einen Bauernhof zurückziehen würden, daß sie den Sprung verkraftet haben und Landfrauen geworden sind, hätten alle drei nicht für möglich gehalten, seinerzeit, als er das letzte Mal zu Besuch da war und beinah die eine geheiratet hätte. Oder die andere.
    Zehn Jahre ist das her! Merkwürdiger Magnetismus. Die Gelegenheit, aus der Stadt gleich wieder herauszukommen, war verführerisch. Auf dem Land hat der Tag für ihn vierundzwanzig Stunden, harmonische Schwingungen, weniger elektrische’ Aufladung durch die Betriebsamkeit anderer. Weniger wollen, — .mehr will ich gar nicht.
    Renate und Daniela sind jetzt in Kalifornien, und er hütet wieder einmal ein Haus, das ihm nicht gehört. Wie vor zwanzig Jahren. Als wäre die Zeit stehengeblieben.
    Ist es ein gutes Zeichen, wenn man alten Gewohnheiten dermaßen treu bleibt? Oder nur blasses Schicksal? Anyway... es ist geruhsamer als diese Weltreise.
    Was Daniela und Renate um den Globus treibt, scheint ihm heimliche Sucht nach dem Streß zu sein, dem sie aufs Land entflohen sind.
    Hier schliddert man unversehens in Geschäftigkeitsneurosen. Selbst während der Freizeit.
    Er stellt sich vor, wie’s ihnen jetzt lauwarm ins Make-up bläst, aus den Klimaanlagen der Flughäfen und Hotels, während sie Koffer schleppen, Dosenfraß, Lärm, Menschenmassen und Klimawechseln ausgesetzt sind, acht Wochen lang.
    Reisen heutzutage? Wie unelitär.
    Nun ist Lukas kein begeisterter Verreiser. Nach drei Tagen entfacht das vorsätzliche Ausspannen in ihm einen unwiderstehlichen Drang zu produktiver Betätigung. Er kann nicht Kalendertage in der Sonne abbräunen. Schon gar nicht in vergnügter Gesellschaft. Dann ist er lieber allein und tätig.
    Es ist gut so. Ich hüte den Hof. Wieder im Lande, auf dem Land. Ich bin tatsächlich glücklich.
    Von der fernen Schlängelstraße durch sattes Wiesengrün, auf der Autos wie Spielzeuge wirken, die keinem Grashalm den Gaskrieg erklären, keine Fichte entnadeln können, ist ein Spielzeug in den Feldweg eingebogen und staubt näher. Ein offener Wagen, hinter dem Lenkrad lange Mähne unter knappem Kopftuch.
    Könnte dem weiblichen Geschlecht angehören! mutmaßt der Banksitzer. Seines Wissens sind Kopftücher bei jungen Männern derzeit nicht in Mode.
    Von der andern Seite rattert der Nachbarbauer auf seinem Traktor daher. Der Feldweg führt in etwa fünfzig Meter Entfernung hinter Gemüsegarten und Zu-Haus vorbei. Lukas schließt die Augen wieder, weiß nicht, warum er sie überhaupt aufgemacht hat, und vertieft sich erneut in die allernächste Zukunft.
    Sehr gemütlich! Hier kann ich in Ruhe ab warten, bis mein Haushalt da ist. Ab und zu reinfahren in die Stadt und einrichten. Langsam, nicht alles auf einmal. Der Hof liegt günstig.
    Renates Erfahrung mit Immobilien war da hilfreich. Die Gegend ist von Seen und Skihängen verschont und damit von Touristen. Ebenso von Pendlern, die morgens in die Stadt zur Arbeit fahren. Siebzig Kilometer Entfernung, ohne Autobahn oder Schnellstraße sind mitunter wirksamer als behördlicher Naturschutz.
    Am unscheinbaren Ort wohnen! Hat ein Weiser gesagt. Deutscher war er wohl nicht. Chinese scheint mir wahrscheinlicher.
    Da detoniert in unmittelbarer Nähe ein Gruß. „Tach!“
    Der Banksitzer öffnet die Augen.
    Das Kopftuch.
    Recht hat er gehabt mit seiner Geschlechtsdiagnose. Im Brustbe-reich der Person zeichnen sich Hebungen ab, mehr Stillattrappe als

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