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Gestaendnis im Palazzo der Traeume

Gestaendnis im Palazzo der Traeume

Titel: Gestaendnis im Palazzo der Traeume
Autoren: Jacqueline Baird
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1. KAPITEL
    Nur in seidenen marineblauen Boxershorts verließ Maximilian Andrea Quintano – für seine Freunde schlicht Max – das Bad. Allein sich zu bücken und die Hose anzuziehen, hatte ihm einen heftigen Schwindelanfall beschert. Weil er dringend frische Luft brauchte, ging er auf den Balkon, der sich über die gesamte Länge der Suite erstreckte. Die Kopfschmerzen waren unerträglich, aber seine eigene Schuld. Vor zwei Tagen, an seinem einunddreißigsten Geburtstag, hatte Max getan, was man von ihm erwartete, und den Tag auf dem Familienanwesen in der Toskana mit seinem Vater, seiner Stiefmutter Lisa und den anderen Familienangehörigen verbracht.
    Nach seiner gestrigen Rückkehr in Rom hatte er zunächst seinen jährlichen medizinischen Routinecheck hinter sich gebracht, um sich anschließend mit seinem besten Freund Franco und anderen ehemaligen Studienkollegen zum Mittagessen zu treffen. Die nachfolgende Party endete damit, dass Franco erst viel zu spät wieder einfiel, dass seine Frau ihn zu Hause auf Sizilien erwartete. Und da Max am folgenden Tag sowieso dorthin fliegen sollte, begleitete er Franco sofort auf die Insel, um dort noch ein wenig weiterzufeiern.
    Gegen halb fünf am nächsten Morgen war Max in einem reichlich angegriffenen Zustand in ein Taxi zum „Quintano Hotel“ gestiegen, wo er als Vertretung seines Vaters am Nachmittag desselben Tages erwartet wurde.
    Seit Max’ Großvater sein erstes Hotel auf der Insel gebaut hatte – lange bevor er mit der Familie in die Toskana umgezogen war –, war es zur Tradition geworden, dass die Familie Quintano im August ihren Urlaub in dem sizilianischen Hotel verbrachte. In den vergangenen zehn Jahren hatte Max es allerdings meistens seinem Bruder Paulo und dem Rest der Familie überlassen, diese Tradition fortzuführen.
    Bei dem Gedanken an den tragischen Tod seines älteren Bruders wurde Max ernst. Vor vier Monaten war Paulo bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Als Paulo vor Jahren voller Begeisterung in das Familienunternehmen eingestiegen war und sich zu einem Spitzenhotelier entwickelt hatte, hatte er Max damit die Freiheit gegeben, seinen eigenen Interessen nachzugehen. Max wusste, wie viel er seinem Bruder verdankte. Als Abenteurer, der er nun einmal war, verließ Max die Universität mit einem Diplom in Geologie, grenzenloser Energie und einem messerscharfen Verstand. Seine Neugier führte ihn zunächst nach Südamerika, wo er kurz nach seiner Ankunft bei einem Pokerspiel eine Smaragdmine gewann. Mit dem ihm angeborenen Geschäftssinn baute Max die Mine zu einem erfolgreichen Unternehmen aus und gründete die „MAQ Mining Corporation“ – kurz MAQ –, die im Verlauf der vergangenen neun Jahre enorm gewachsen war und zu der inzwischen Minen in Afrika, Australien und Russland gehörten. Längst zählte MAQ zu den großen, global vertretenen Unternehmen, und Max war ein Multimillionär. Doch vor wenigen Monaten hatte das Schicksal ihm nachdrücklich vor Augen geführt, dass Geld nicht alles war.
    Tief betroffen und schockiert über Paulos Tod, bot er seinem Vater an, ihm beim Hotelgeschäft in jeder erforderlichen Weise zu unterstützen. Sein Vater bat ihn, in dem Hotel auf Sizilien nach dem Rechten zu sehen und eine Weile dort zu bleiben, wie es Familientradition war. Für Paulos Witwe Anna und ihre kleinen Töchter war der Verlust des Ehemannes und Vaters noch zu frisch, um dieses Opfer von ihnen zu erwarten.
    Als er jetzt auf dem Balkon der Familiensuite stand und sich die schmerzenden Schläfen rieb, war er seinem Vater für diese Bitte geradezu dankbar. Eine kleine Verschnaufpause war jetzt genau richtig. Dios! Nie wieder, schwor er sich. Bei seiner Ankunft im Hotel, kurz vor Morgengrauen, hatte er wie durch ein Wunder noch die Geistesgegenwart aufgebracht, den Nachtportier zu bitten, seine vorzeitige Anreise geheim zu halten. Nichts und niemand würde ihn stören …
    Max wandte sich um und ging zurück ins Wohnzimmer. Jetzt brauchte er erst einmal Kaffee, schwarz und stark. Doch im nächsten Moment verharrte er vollkommen regungslos und fragte sich, ob er bereits an Halluzinationen litt.
    Eine große, schlanke weibliche Gestalt schwebte mit unzähligen Blumen im Arm durch den Raum auf ihn zu. Ihr Haar war hellblond und zu einem langen Pferdeschwanz zurückgebunden, was ihr überirdisch schönes Gesicht zusätzlich betonte. Unter ihrer hochgeschlossenen weißen Bluse zeichneten sich volle Brüste ab, ein breiter schwarzer Gürtel

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