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Geliebte zweier Welten: Roman (German Edition)

Geliebte zweier Welten: Roman (German Edition)

Titel: Geliebte zweier Welten: Roman (German Edition)
Autoren: Lena Valenti
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1. Kapitel
    Sie mochte keine bewölkten Tage, sie hasste sie. Seit über einer Woche drohte ein schrecklicher Orkan loszubrechen. Noch sieben Tage bis zum Vollmond, die Nacht der Sommersonnwende rückte näher, und in Katalonien rief die Tradition alle Menschen, die an Geschichten von Magie und Hexen glaubten, dazu auf, auf die Straße zu gehen, Johannisfeuer anzuzünden und sich alle möglichen Zaubersprüche und Verwünschungen auszudenken, um Wohlstand und Glück in ihr Leben zu bringen.
    Eileen trat an die Glastür in ihrer Wohnung, von wo aus sie einen wunderschönen Blick über Barcelona hatte, und schaute in den Himmel. Ihr drei Monate alter weißer sibirischer Huskywelpe Brave kam zu ihr und kratzte mit seiner Pfote an ihrem Fuß. Eileen sah nach unten, nahm ihn auf den Arm und lächelte, als sie seinen Kopf kraulte, ehe sie wieder zu den dunklen Wolken nach oben blickte. Kaum zu glauben, es war fast Hochsommer, doch das Wetter wartete so bedrohlich auf wie im Winter.
    Am 23. Juni feierte man die »verbena von San Juan«, das Johannisfest, ihr Lieblingsfest, aber wenn das Wetter so weitermachte, würde es regelrecht ins Wasser fallen. Sie liebte diese Feier, seit sie klein war, sie stellte schon immer etwas ganz Besonderes für sie dar, auch wenn sie nicht erklären konnte, woher diese Faszination kam. Die Leute kauften dann die für diesen Tag typischen, traditionellen Süßigkeiten mit Füllungen von Pinienkernen, Sahne oder kandiertem Kürbis. Der Sternenhimmel wäre von Feuerwerkskörpern überflutet, von überallher würde Musik erklingen und die kürzeste Nacht des Jahres würde sich für viele in die längste verwandeln. Zumindest für diejenigen, die nach Unterhaltung, Musik und jemandem suchten, mit dem sie sich im Sand des Mittelmeers herumwälzen konnten, um später gemeinsam und leicht verwirrt den neuen Tag zu beginnen!
    Sie freute sich mehr auf diese Feier als auf ihren Geburtstag. In zwei Tagen würde sie zweiundzwanzig werden. Zweiundzwanzig. Bei dem Gedanken daran lief ihr ein Schauder über den Rücken.
    Dann drehte sie sich um, blieb auf dem Weg zu ihrem Bett aber zunächst noch vor dem Spiegel ihres Toilettentischs stehen und warf einen prüfenden Blick auf ihren Körper und ihr Gesicht.
    Eileen trug einen Pyjama, bestehend aus einer kurzen Hose und einem Hemd mit dünnen Trägern, beides in Weiß. Ihre gebräunte Haut zierte einen schlichtweg vollkommenen Körper. Er war durchtrainiert, ohne einen Hauch Fett und mit langen, schön geformten Beinen. Aber es war nicht ihr Körper, der die größte Aufmerksamkeit auf sich zog, es war ihr Gesicht.
    Das Gesicht, das im Spiegel auftauchte, war die Wiedergeburt von Verzauberung und Anziehungskraft. Ihre lange glatte pechschwarze Mähne fiel bis unter ihre anmutigen Schultern. Die schwarzen Augenbrauen waren perfekt geschwungen und sexy. Die Augen selbst waren von gräulichem Blau, das manchmal nicht genau zu bestimmen war, umrahmt von dichten langen schwarzen Wimpern. Ihre hohen Wangen waren von einem blassen Rosa überzogen, ihre Nase war schmal und elegant. Ihre vollen Lippen zeichneten einen erlesenen Bogen und brachten ihre Mitstudenten um den Verstand. Mehr als einer hatte versucht, in ihren Genuss zu kommen, jedoch ohne großen Erfolg.
    Lächelnd dachte sie an ihre Freunde, die sie mehr als einmal in sturzbetrunkenem Zustand um einen Kuss aus Mitleid gebeten hatten, hob das Kinn und ließ ihren Zeigefinger über das kleine, neckische Grübchen gleiten, das es teilte. Ihre Freundin Ruth meinte, ein Grübchen in der Mitte des Kinns zu haben, bedeute Schönheit und physische Harmonie. Sie wusste nicht, ob das stimmte, aber sie kam bei den Männern an, daran gab es keinen Zweifel.
    Während sie dieses besondere Merkmal berührte, dachte sie an ihre Mutter. Ob sie es wohl auch gehabt hatte? Sie hatte sie nicht kennengelernt, deshalb wusste sie es nicht.
    Sie musste wunderschön gewesen sein, denn ihrem Vater ähnelte sie in keiner Weise, dessen war sie sich sicher. Womöglich konnte sie auch deshalb keine Ähnlichkeit mit ihm erkennen, weil Mikhail immer schlecht gelaunt, seine Stirn stets gerunzelt und sein Blick düster war. Wenn er sich nur etwas mehr entspannen könnte, wenn er mit ihr zusammen war … Unmöglich. Sie verwarf diese Idee sofort wieder. Sie würde sich nichts vormachen, sie kam bestimmt nach ihrer Mutter. Da sie weder ein Foto noch ein Andenken an sie hatte, konnte sie das nicht sicher wissen, aber ihre Intuition sagte ihr,

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