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Geliebte Nanny

Geliebte Nanny

Titel: Geliebte Nanny
Autoren: Eileen Schlueter
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hätte es nie für möglich gehalten, dass ich einmal eifersüchtig auf ein Auto sein würde. Kann man eigentlich noch tiefer sinken?
    Ich gebe zu, vor den ersten Nächten, so ganz allein in der Wohnung, habe ich mächtig Bammel. Nicht vor Einbrechern oder so – verteidigen kann ich mich selbst ganz gut. Mit vierzehn war ich Vizemeisterin des Minigolfclubs Rhein - Kreis - Neuss e.V., ein Titel auf den ich bis heute stolz bin. Der Minigolfschläger, der mich damals fast zum Sieg führte, liegt seitdem immer griffbereit unter meinem Bett. Und man sollte nicht meinen, ein »Mini« Golfschläger sei keine effektive Waffe gegen nächtlichen, ungebetenen Besuch. Im Übrigen hätte ich mich bei Sören nur geringfügiger Aussichten auf rettenden Beistand erfreut. Seine Prioritäten hat er bedauerlicherweise woanders gesetzt; unter anderem in die gnadenlose Verteidigung seiner umfangreichen Edelstahlfelgen - Sammlung.
    Egal. Da muss ich jetzt durch, auch wenn es ungewohnt ist, künftig allein zu sein. Ich bin prinzipiell ungern allein. Aber wenn ich genau darüber nachdenke, war ich im Grunde schon während der Beziehung mit Sören ziemlich einsam.
    Ist das nicht komisch? Nacht für Nacht lag er neben mir, doch irgendwie war er nie so ganz da. Mit seinem Herzen, meine ich. Na gut, zumindest hat nun meine Schlaflosigkeit, bedingt durch seine plakativen Blähgeräusche, ein Ende. Von der penetranten Geruchsbelästigung – insbesondere nach Chilli con carne, sein Leibgericht – will ich gar nicht erst anfangen. Eine Frechheit von ihm , sich über mein sporadisches Zähneknirschen zu beschweren.
    Ist es zu viel verlangt, sich nach ein bisschen Wärme zu sehnen, von jemandem, der einen liebt und respektiert? Jemand der mich gern hat, nicht nur, weil ich eine langbeinige Blondine bin, sondern weil ich ich bin – Melissa Bogner.
     Gelegentlich kam ich mir ausgenutzt von Sören vor. Neulich zum Beispiel, ich hatte einen anstrengenden Tag in der Kita hinter mir und fiel halbtot ins Bett; da beklagte er sich, dass er nicht einschlafen könne. Ich konnte mich vor Müdigkeit kaum noch rühren, dennoch nahm ich meine letzte Kraft zusammen und nuschelte, schon der weiblichen Anteilnahme wegen: »Warum denn nicht, du Armer?«
     »Warum wohl?«, konterte er mit einem schelmischen Grinsen und eindeutigem Verweis auf das, was sich unter der Bettdecke im Bereich seiner Lenden anbahnte. Und seiner Meinung nach, gab es da nur ein gescheites Patentrezept, wenngleich ich mich zu derart später Stunde keineswegs nötigen lassen würde, ihm dabei Vorschub zu leisten. Theoretisch . Ach, Schwamm drüber.
    Nicht, dass ich mich sofort in die nächste Beziehung stürzen würde, um Gottes Willen. Tatsächlich, werde ich diesmal mein Singledasein sehr viel ausgiebiger genießen, meine neu gewonnene Freiheit nutzen, mal was Neues – was ganz Anderes – erleben. Die Welt kennen lernen. Raus aus diesem niederrheinischen Kuhdorf. Zufälligerweise ist der Zeitpunkt ideal, denn kommenden Montag läuft mein Zeitvertrag in der katholischen Kindertagesstätte ab, in der ich die letzten viereinhalb Jahre als Erzieherin gearbeitet habe. Ich bin also weder in privater noch in beruflicher Hinsicht gebunden. Zugegeben, mit sechsundzwanzig Jahren wird die Zeit allmählich knapp, sämtliche, noch offen stehende Missionen meines Lebens zu verfolgen. Einen gewissen Rahmen setzt sich letztendlich jede Frau. Verflucht sei der Erfinder der biologischen Uhr (der mit Sicherheit männlichen Geschlechts war).
     Jetzt ergibt sich die Chance auf einen Neuanfang. Ohne Sören. Und ohne blöden Zeitvertrag. Endlich ist Schluss mit schlecht gelaunten Kolleginnen. Schluss mit Überstunden, Hungerlohn und miesem Kita - Fraß. Hat man so was als Spitzenabsolventin einer renommierten Fachschule für Vorschulpädagogik nötig? Ich bin eine ausgezeichnete Kindergärtnerin, wenn ich das mal betonen darf. Aber jetzt..., wo sind sie bloß hingekommen – meine hochqualifizierten Erzieherinnen - Ambitionen –, mit denen ich mich einst ins Berufsleben gestürzt habe?
    Vergessen wir das. Jetzt bietet sich mir die Chance mal was richtig Gutes zu tun; die Welt zu verbessern, sozusagen. Zumindest solange, bis ich meinen zukünftigen Mister Right gefunden habe und mich voll und ganz meinem Heim und meiner Familie widmen kann. Und ich gebe zu, ich bin jetzt schon wahnsinnig gespannt darauf, wer eines Tages mein Mann sein wird; und wie viele Kinder wir bekommen und wie die aussehen werden. Am

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