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Geliebte Nanny

Geliebte Nanny

Titel: Geliebte Nanny
Autoren: Eileen Schlueter
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»Warum sind Männer bloß immer so primitiv und schwanzgesteuert? «
     
    Zock!
    Mist, daneben. Fast hätte ich ihn erwischt.
    Gleich noch mal!
    Zock!
      »Auuutsch! Bist du irre? Hör sofort auf damit!«
     »Verschwinde einfach, Sören!«
    Sörens Stimme schallt durch’s Treppenhaus: »Komm schon, jetzt beruhig’ dich Baby! Lass es uns noch mal versuchen, ich kann mich ändern, ich schwör’s!«,
     »Zu spät. Vergiss es!«, kreische ich, aus dem dritten Stockwerk zu ihm herunter. »Ich hab die Schnauze voll von dir. Werde glücklich mit deinem Auto und der dämlichen Spielkonsole. Ach ja, und nicht zu vergessen – mit diesem beknackten iPhone. Aber das mit uns , kannst du endgültig vergessen!«
    Er steigt die Treppe hinauf, in den ersten Stock. Dort bleibt er stehen. Er wird es nicht riskieren, noch eine Etage höher zu kommen, das weiß ich, denn ich bin schwer bewaffnet: Endlich bietet sich mir mal eine sinnvolle Verwendung für seine blöden Playstationspiele. Als Wurfgeschosse eignen sich die Dinger wirklich fabelhaft. Seine Spielsucht geht mir ohnehin tierisch auf den Keks. Dieser virtuelle Kram ist nichts für mich. Die Realität hat soooo viele Vorteile…
    Zock!
     »Verdammt Melissa!«, flucht er. »Bist du bescheuert? Das war Darksiders - Wrath of war , die Platinum Edition. Wenn die im Arsch ist…!«
    Schnauze da unten…
    Zock!
     »AUUUTSCH! Wetten, dass du Morgen sowieso wieder angekrochen kommst, Mel.«
     »Da kannst du lange warten, Sören. Es ist vorbei. Endgültig!«
     »Dann leck mich doch!«
    Die Haustür kracht. Jetzt ist er weg. Endlich! Nach vier Jahren Beziehung. Vier lange Jahre, die ich wesentlich sinnvoller hätte ausfüllen können. Kaum zu glauben, ich bin wieder Single.
    Ich wette, meine beste Freundin Yasemin wird sich vor Begeisterung bekreuzigen, über diese erfreuliche Neuigkeit. Sie hat ihn nie leiden können. Abgesehen davon verstehe ich selbst nicht, wie ich es so lange mit diesem Kerl aushalten konnte.
    Sören gehört jener Kategorie Mann an, deren Universum sich fast ausschließlich um Autos dreht. Das intime Verhältnis zu seinem aufgemotzten BWM, ließ mein Selbstwertgefühl gewissermaßen ins Bedeutungslose schrumpfen. Und nicht selten verfolgten mich abnorme Fantasien, in denen ich in Gestalt eines sexy Porsches – manchmal war es auch ein verführerischer Ferrari – um mehr Beachtung seinerseits buhlte.
    Das ist doch schizophren! Ich meine, welche Frau behauptet gerne von sich, ein Transformer zu sein?
    Sören endgültig in den Wind geschossen zu haben, ist vermutlich das Beste, was ich in den letzten vier Jahren getan habe. Trotzdem spüre ich gerade eine gewisse Leere in mir. So eine lange Beziehung geht eben nicht spurlos an einem vorüber.
    Sören hat nicht offiziell bei mir gewohnt. Sein peripheres Bedürfnis, sich an den Mietkosten zu beteiligen oder gar selbst ein paar Möbel zu meiner minimalistischen Wohnungseinrichtung beizusteuern, war nur ein Weiteres unserer unzählbaren Streithemen. Für so was ist ihm sein Geld ohnehin viel zu schade. Jeden Cent steckt er in sein Auto. Und in diese idiotischen Spielkonsolen, die sich wahnsinnig undekorativ in meinem Wohnzimmer hervortun. Ganz zu schweigen von den geschätzten Dreimillionen Spielen, in diesen bunten Plastikhüllen, die mir seit Neuestem die Sicht auf meine IKEA - Weingläser und das geerbte Sonntagsgeschirr nehmen, nur weil er meinte, die blöden Dinger in der Glasvitrine stapeln zu müssen. Ein Anblick zum Weglaufen!
     
    Zufrieden blicke ich auf das halbe Dutzend Müllsacke, in das ich Sörens Klamotten hineingestopft habe. Wenn er sie innerhalb von drei Tagen nicht abholt, landen sie auf dem Müll. Darauf kann er Gift nehmen. Diese Entrümplungsaktion war schon lange fällig. Ich meine, im Prinzip ist Sören ein Arschloch. Er hatte schließlich kein Interesse an einem harmonischen Zusammenleben. Er brachte sich nie richtig in unsere Beziehung ein. Außerdem ging er mindestens zweimal fremd, und ich Idiotin habe ihm jedes Mal verziehen.
    Aber jetzt ist ein für alle Mal Schluss. Schluss mit vergammelten Pizzaresten hinter jedem Sofakissen. Vorbei die samstagabendlichen Saufgelage, mit jener rücksichtslosen Horde unkultivierter Fußballfans, die er »seine Freunde« nennt; und vor allem Schluss mit diesem miesen Gefühl, dass sich das niemals ändern wird.
    Sören wird also wieder bei seinen Eltern einziehen; allenfalls in deren Garage, zu seinem Auto – wie ich diese blöde Karre hasse. Ich

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