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Gelegenheit macht Diebe - Nicht alles, was schwul ist, glänzt (German Edition)

Gelegenheit macht Diebe - Nicht alles, was schwul ist, glänzt (German Edition)

Titel: Gelegenheit macht Diebe - Nicht alles, was schwul ist, glänzt (German Edition)
Autoren: Marty Tolstoy
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Prolog
     
    H i, ich bin Julian. Aber mir ist es lieber, wenn man Jan zu mir sagt ... das klingt nicht so heilig.
    Zusammen mit meiner besten Freundin Andrea lebte ich bis vor ku rzem in einer Zweier-WG. Wir kennen uns schon ewig ... schon seit ich denken kann. Nein, ok, das ist übertrieben, so lange auch wieder nicht, aber auf jeden Fall schon viele Jahre. Ich glaube, als Kinder hätten wir uns gehasst, weil wir wahrscheinlich viel zu unterschiedlich gewesen wären. Jetzt verstehen wir uns aber gut ... Wirklich! ... Na ja, hin und wieder kracht es mal und zu WG-Zeiten überließ sie mir dann das Feld vor der Haustür zum Schlafen, aber ansonsten verstehen wir uns super.
    Kennengelernt haben wir uns in der Sch ule. Das war eine wirklich harte Zeit für mich ... nicht wegen Andrea, sondern wegen meiner Mitschüler. Von denen wurde ich nämlich permanent geärgert. Andrea hatte damals ihre soziale Ader, wie sie heute sagt, und wollte mich beschützen. Seitdem hängen wir ständig zusammen. Seit ich mit ihr befreundet bin, wurde ich auch in keine Toilette mehr eingesperrt, auf meinem Stuhl klebten keine Kaugummis und niemand warf mehr Steine, Stöcke, Lineale, vollgerotzte Taschentücher oder sogar mit Wasser vollgesaugte Tampons nach mir.
    Andrea war seitdem immer für mich da, ich musste nie wieder Angst haben. Machte jemand Ärger, kü mmerte Andrea sich darum. Auch wenn ich von da an ausgelacht wurde, weil mich ein Mädchen verteidigen musste, ließen sie mich ansonsten meistens in Ruhe. Sogar die Hausaufgaben wurden zu einem Klacks, wenn ich sie mit ihr zusammen machte. Wir unternahmen immer mehr zusammen, trafen uns zum Shoppen, gingen zusammen zum Schwimmen oder ins Kino oder redeten einfach bis spät in die Nacht über Gott und die Welt und waren irgendwann sogar schon richtig traurig, wenn wir uns mal einen Tag lang nicht sehen konnten.
    Als ich endlich volljährig war und wir die Tage ohne einander noch weniger werden lassen wollten, en tschlossen wir uns zusammenzuziehen.
    Es war praktisch, mit Andrea zusamme nzuleben; sie verwaltete den ganzen Papierkram, Miete, Rechnungen für Strom, Wasser, Müll usw. und wusste bei technischen Schwierigkeiten immer, was zu tun war. Und wenn es nur der Griff zum Telefon war, um einen Handwerker zu rufen.
    Unsere Wohnung verdankten wir auch ihr. Es war ein schöner kleiner Bungalow mit unterschiedlich he rausstehenden Ziegelsteinen, die dem Ganzen einen Hauch von „Natur Pur“ gaben.
    Andrea mag Wohnungen in Mehrfamilie nhäusern nicht, sie fühlt sich darin eingeengt und bekommt klaustrophobische Anfälle. Um die Wohnungen, in denen wir deswegen nicht wohnen konnten, tut es mir aber ehrlich gesagt gar nicht leid. Es ist einfach herrlich da draußen in den Einfamilienhaussiedlungen in dem kleinen Ort Diblingen und ich kann mir kaum vorstellen, dass es einen schöneren Ort gibt.
    Bis vor ein paar Wochen lebte ich also noch mehr oder weniger „sponsored by Andrea“. Wenn ich auch Diblingen nicht verlassen habe, war es dennoch an der Zeit, mir ein eigenes Dach über dem Kopf zu suchen.
     
    Seit meiner Ausbildung zum Bürokaufmann bin ich verzweifelt auf der Suche nach einem festen Job. Bisher hielt ich mich mit Ferienjobs und Kurzanstellungen über Wasser, aber es wäre einfach toll, endlich mal genug zu verdienen, um meiner ehemaligen WG-Partnerin nicht mehr auf der Tasche liegen zu müssen, auch wenn sie genug für eine ganze Familie verdient. Das verdankt sie diesmal nicht ihrer Klaustrophobie, sondern ihrer Arbeit als Werbetexterin. Sie hilft mir finanziell natürlich gerne, aber ich würde mir wünschen, sie könnte auch mal zu mir kommen und sagen, sie bräuchte etwas Geld für eine Maniküre oder was weiß ich, was Frauen so zum Leben brauchen.
    Ein paar unserer Freunde sind der Me inung, dass wir beide ein hübsches Paar abgeben würden ... Ich weiß ja nicht ... Ich steh da eher auf Männer. Also nicht, dass ich eher mit Männern gehen würde, als mit DER was anzufangen, aber ich mache mir generell nichts aus Frauen. Weiß auch nicht mehr, woran genau ich das gemerkt habe ... Eine Freundin hatte ich mal, aber sie machte Schluss, weil sie der Meinung war, ich wäre schwul. Das war damals für mich eine unfassbare Anschuldigung! Aber mittlerweile weiß ich es ja besser ... Gut, dass wir nichts mehr miteinander zu tun haben. Ich glaube, die würde mir das mein Leben lang vorhalten.
    Natürlich erzählte sie damals alles unseren Klasse nkameraden, die mich

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