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Gejagt

Gejagt

Titel: Gejagt
Autoren: P.C. Cast , Kristin Cast
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Eins
    D er Traum begann mit dem Geräusch von Flügelschlägen. Im Nachhinein denke ich, dass mir eigentlich hätte klar sein müssen, dass das ein schlechtes Zeichen war, wo doch die Rabenspötter frei in der Gegend herumflogen, aber in meinem Traum war es nur ein Hintergrundgeräusch, wie ein Ventilator oder ein Fernseher, in dem der Shoppingkanal lief.
    In meinem Traum stand ich mitten auf einer wunderschönen Lichtung. Es war Nacht, aber dicht über den Bäumen, die die Lichtung säumten, schwebte ein riesiger Vollmond, der so hell strahlte, dass die Dinge Schatten warfen und alles aussah wie unter Wasser. Der Eindruck wurde noch verstärkt durch die sanfte Brise, in der das Gras spielerisch gegen meine nackten Beine blies wie weiche Wellen gegen einen Strand. Auch mein dichtes dunkles Haar wurde von der Brise aufgewirbelt und wogte um meine nackten Schultern wie Seide.
    Nackte Beine? Nackte Schultern?
    Ich sah an mir herunter und konnte ein kleines überraschtes Kieksen nicht unterdrücken. Ich trug ein superkurzes Minikleid aus Wildleder. Oben bestand es hauptsächlich aus einem tiefen V-Ausschnitt – vorn wie hinten –, der ganz schön viel nackte Haut sehen ließ. Ansonsten war das Kleid total abgefahren. Es war mit Fransen, Federn und Muscheln verziert und so weiß, dass es im Mondlicht zu leuchten schien. Und in das ganze Kleid waren komplizierte, unwahrscheinlich schöne Muster eingestickt.
    Wow, hab ich eine geniale Phantasie!
    Irgendwie erinnerte mich das Kleid an etwas, aber ich dachte nicht weiter darüber nach. Ich hatte keine Lust zum Nachdenken – ich träumte schließlich! Statt mir Gedanken über Déjà-vus zu machen, tanzte ich leichtfüßig über die Lichtung und fragte mich, ob gleich Zac Efron oder Johnny Depp auftauchen und schamlos mit mir flirten würden.
    Während ich so dahinwirbelte und mich im Wind wiegte, ließ ich den Blick über die Lichtung wandern, und mir war, als sähe ich zwischen den dicken Baumstämmen seltsame Schatten herumhuschen. Ich hielt inne und kniff die Augen zusammen, um zu erkennen, was da in der Dunkelheit vor sich ging. So wie ich mich und meine komischen Träume kannte, hingen da in den Zweigen womöglich so bizarre Früchte wie Colaflaschen, die nur darauf warteten, abgepflückt zu werden.
    In diesem Moment erschien er.
    Am Rand der Lichtung, gerade noch im Schatten der Bäume, tauchte eine Gestalt auf. Er fiel mir auf, weil das Mondlicht sich auf den weichen Konturen seiner nackten Haut fing.
    Nackt?
    Ich brach den Tanz ab. War meine Phantasie total übergeschnappt? Ich hatte nicht unbedingt vor, mit einem nackten Typen auf einer Wiese herumzuhüpfen, selbst wenn es der unglaublich mysteriöse Mr Johnny Depp sein sollte.
    »Du zögerst, Geliebte?«
    Beim Klang seiner Stimme durchlief mich ein Zittern, und durch die Baumkronen ging ein unterdrücktes, schauerlich spöttisches Gelächter.
    »Wer bist du?« Ich war froh, dass in meiner Traumstimme nichts von meiner plötzlichen Angst zu hören war.
    Sein Lachen war tief, so wohltönend wie seine Stimme und ebenso furchterregend. Es wurde von den Zweigen der Bäume, die uns still beobachteten, zurückgeworfen und trieb dann beinahe sichtbar zu mir herüber.
    »Du gibst vor, mich nicht zu kennen?«
    Als seine Stimme sanft über meinen Körper strich, stellten sich mir die Härchen auf den Armen auf.
    »Klar kenn ich dich. Ich hab dich mir ausgedacht. Das hier ist
mein
Traum. Du bist eine Mischung aus Zac Efron und Johnny Depp.« Ich hielt inne und sah zu ihm hinüber. So ungezwungen ich sprach, mein Herz hämmerte wie verrückt, weil mir schon klar war, dass dieser Typ nichts mit den beiden Schauspielern gemein hatte. »Oder von mir aus Superman oder der Märchenprinz.« Fieberhaft klammerte ich mich an alles Mögliche, nur um der Wahrheit zu entkommen.
    »Ich bin kein Gebilde deiner Vorstellungskraft. Du kennst mich. Deine Seele kennt mich.«
    Ohne dass ich bewusst meine Beine bewegt hätte, wurde mein Körper auf ihn zugetrieben, als zöge mich seine Stimme an. Als ich ihn erreicht hatte, sah ich zu ihm auf … und auf …
    Es war Kalona. Ich hatte es vom ersten Moment an gewusst. Ich hatte es mir nur nicht eingestehen wollen. Warum bitte sollte ich von Kalona träumen?
    Ein Albtraum. Das musste ein Albtraum sein.
    Er war nackt, aber sein Körper war irgendwie nicht ganz wirklich. Seine Gestalt waberte und changierte im Rhythmus der zarten Brise. Hinter ihm, in den nachtgrünen Schatten der Bäume, konnte

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