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Geisterschiff

Geisterschiff

Titel: Geisterschiff
Autoren: Fred Kruse
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Flucht
    Es pfiff schrill durch den kleinen Kommandoraum. Im näch s ten Moment krachte es fürchterlich. Ein weiterer ohrenbetäubender Heu l ton schwoll an, bis er kaum noch zu ertragen war.
    Die Situation war mehr als brenzlig. Die sieben Jugendlichen b e fanden sich in dem Kommandoraum eines Raumschiffes der imp e rianischen C-Klasse. Das war die kleinste Schiffsklasse, die für Re i sen zwischen den Sternen geeignet war. Dieses Schiff war ein ganz besonderes. Andernfalls wäre es in dieser Situation ohnehin um sie geschehen gewesen. Den Angriff eines Mutte r schiffes der A-Klasse konnte ein übliches Schiff dieser Größe im Normalfall nicht überst e hen. Sie hätten keine Chance gehabt, selbst wenn die mehr als zehn feindlichen C-Klasse-Schiffe nicht in ihrer Nähe gewesen wären und nicht versucht hätten, sie ebenfalls mit aller Gewalt zu zerstören.
    Lucy saß an der Steuerung des Schiffes und versuchte den Stra h len der feindlichen Schiffe auszuweichen. Wie ein Hase schlug das Schiff Haken und änderte mit atemberaubender G e schwindigkeit die Richtung. Lucy war nicht nur eine begnadete Pilotin, sondern auch die Kommandantin des Schiffes. Ihr war bewusst, dass sie diese Manöver nicht lange durchhalten würde. Früher oder später würden sie sich den tödlichen Treffer einfa n gen.
    Lars saß an dem Leitstand für die Kontrolle der Raumtorp e dos. Er feuerte eine Reihe von ihnen auf die feindlichen Schiffe ab. Es hatte keinen Zweck, das war sowohl Lucy als auch dem Rest der Besa t zung klar. Es war nur ein Ablenkungsmanöver, das die gegnerischen Schiffe wahrscheinlich noch nicht einmal in geringere Schwierigke i ten bringen würde. Man konnte nur hoffen, dass wenigstens die kle i nen C-Klasse-Schiffe durch den Beschuss abgelenkt wurden, und sie so zumindest eine winzige Pause von dem ununterbrochenen Feuer erhalten würden.
    Gurian saß an der Strahlenkanone. Er war wirklich gut. Er hatte eine bessere Reaktion als irgendjemand anderer auf diesem Schiff. Bisher hatte er noch alle Torpedos der Angreifer abg e schossen. Sie explodierten aber immer dichter vor dem Schut z schirm, der das Schiff vor allen materiellen Einschlägen bewahrte. Die dadurch ve r ursachten Knallgeräusche wurden immer lauter.
    Diese Knallgeräusche waren genau wie das Pfeifen, das immer wieder im Kommandoraum anschwoll und manchmal von einer Seite zur anderen zu wandern schien, natürlich keine Geräusche, die wirklich von den Explosionen oder den Torpedos verursacht wu r den. Das Raumschiff bewegte sich schließlich genau wie die gegn e rischen Schiffe im luftleeren Raum. Alle Geräusche, die man im Kommand o raum hörte, waren Signale, die das Schiff gab, um den sich darin befindenden Menschen die Gefahr, in der sie sich befa n den, akustisch zu verdeutlichen, oder um die Funktionen der A b wehrmechanismen wahrnehmbar zu machen. Das erhöhte zwar deutlich den Adrenalinspiegel, aber genau das war gewollt. Schlie ß lich waren alle Mannschaftsmitglieder darauf gedrillt, in Extrems i tuationen so effizient wie möglich zu ha n deln.
    Eigentlich hätte dieser Flug nicht zu einer Extremsituation führen dürfen. Er war als eine typische Standardaktion der R e bellen geplant gewesen. Die Rebellen waren mittlerweile ein paar Hundert Jugen d liche, die sich sowohl gegen das Imperium als auch das aranaische Reich auflehnten. Alle Mannschaftsmitglieder stammten ursprün g lich aus einem dieser beiden Verbünde von Planeten. Sie lebten auf Raumschiffen, die heimatlos die Galaxie durchkreuzten. Natürlich mussten sie sich mit Nac h schub an Nahrung, Kleidung und anderen Dingen versorgen, die man zum täglichen Leben brauchte. Sie en t wendeten diese Sachen von schlecht gesicherten Basen des Imp e riums oder des aranaischen Reichs.
    Die Rebellen hatten solche Aktionen schon häufig durchg e führt und waren geschickt im heimlichen ›Organisieren‹ der Dinge, die sie für ihr tägliches Leben brauchten. Deswegen hätte diese Oper a tion nichts weiter als Routine sein sollen. Dass ein Spezialschiff wie die ›Taube‹ – wie Lucy ihr Schiff getauft hatte – überhaupt an solch ei n fachen Operationen teilnahm, hatte eher damit zu tun, dass die Mannschaft im Training bleiben sollte. Außerdem hielt Lucy es auf dem Mutterschiff der Rebe l len nicht lange aus. Sie brauchte das Abenteuer.
    Der größere Teil der Mannschaft konnte sich unter dem N a men des Schiffes sicher nichts vorstellen, vermutete Lucy. Lars und sie waren die einzigen
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