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Geheimes Verlangen

Geheimes Verlangen

Titel: Geheimes Verlangen
Autoren: C Redfern
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S ie hat zwar noch nie ein Wort mit ihm gesprochen, aber seinen Namen kennt sie bereits, ein Name wie ein schwieriges Puzzle, mit Lettern aus Edelstahl. Sie hat diesen Namen schon häufig gehört, ihn bisweilen sogar geschrieben, doch ihre Wege haben sich nie gekreuzt, und sie hat nie darauf gehofft, dass dies geschehen würde.
    Also kann sie nur spekulieren. Jeder Gedanke an ihn hat etwas von der kaum fassbaren Silbrigkeit seines Namens. Schwer vorstellbar, dass dieser Mann lacht, dass er Humor hat – oder Witz. Die harmlosen Buchstaben seines Namens fügen sich in ihrem Kopf zu dem Bild eines Menschen, der streng ist – kultiviert, ungesellig. Auch sie selbst ist ungesellig, findet nichts dagegen einzuwenden, mag solche Menschen sogar. Doch kennen lernen möchte sie ihn eigentlich nicht. Wenn sie an ihn denkt, ist sofort diese Wut da. Denn in all den Jahren, in denen sie sich wieder und wieder begegnet sind, hat er sie nie angesprochen, sich nie Zeit für sie genommen, ihr nie jene Beachtung geschenkt, die ihr – wie sie aus Erfahrung zu wissen meint – zusteht. Ihr bleibt also nur eins: ihn in ihrem Denken tunlichst zu ignorieren.
    Als sie dann in einer Ansammlung von Menschen erstmals mit ihm spricht, ist sie erstaunt.
    Er ist gar nicht so groß, wie sie gedacht hat, und viel feingliedriger. Sie sieht ihn widerwillig an und erhält zum Dank einen poliert höflichen Blick. Unmöglich, wie blasiert er von oben auf sie herabschaut. Sie verfällt in einen gespielt fröhlichen Plauderton, den er gewiss nicht leiden kann; nur mühsam wahren beide die Form. Während sie dasteht und zu ihm aufblickt, wird sie trotzdem von einer mächtigen Flutwelle erfasst, von dem Gefühl, dass ein riesiger Vogelschwarm in ihr aufsteigt. Du bist schön, denkt sie: Einen Mann von so seltsamer Schönheit hat sie noch nie gesehen. Er bewegt sich geschmeidig wie ein Schakal, das Gesicht reine Poesie. Kein Wort darüber, dass er sich freut, sie kennen zu lernen. Seine Sätze sind knapp, kaum ein Lächeln. Sie spürt seine Unruhe, seine ständige Ungeduld, die er gar nicht erst zu verbergen versucht. Als sie in ihrem Innern merkwürdige Vogelstimmen hört, weiß sie: Dieser Mann ist eine der großen Lieben ihres Lebens. Das sieht sie so deutlich vor sich wie in uraltes Felsgestein gemeißelt, wie ein Zeichen, das seit dem Tag ihrer Geburt in ihre Haut eingeritzt ist: Das ist er – vielleicht sogar die größte Liebe ihres Lebens überhaupt. Und als sie sich, der Konvention gehorchend, wieder den anderen Gästen zuwendet, ihn wieder dem Gespräch überlässt, das er ihretwegen unterbrochen hat, blickt sie sich nicht mehr nach ihm um – nicht ein einziges Mal. Sein Bild hat sich ihr eingebrannt: unauslöschlich.
    In dieser Nacht liegt sie mit gespreizten Beinen allein in ihrem öden Bett und presst die Hand gegen ihr Schambein. Sie ist ein Mädchen, das gerne fickt – eine Schlampe, denkt sie manchmal, weil sie das Wort so lustig findet. Sie liebt es, sich hemmungslos der Lust hinzugeben. Allerdings hat es schon seit Monaten keinen Mann mehr gegeben – hier in diesem Haus überhaupt noch keinen. Seit sie hier wohnt, führt sie das Leben einer Nonne, hier, in dieser verschwiegenen Vorstadt, wo Witwen dem Ende ihres jämmerlichen Daseins entgegenwarten und die Bäume eine majestätische Höhe erreichen. Doch nachts ergreift bisweilen eine geheimnisvolle Hitze von ihr Besitz, die sich in sie hineinschraubt, eine arrogante Kraft, die sie erbarmungslos fickt und sich dann einfach davonmacht, sie mit vor Geilheit pochender Möse völlig abgekämpft, ungestüm keuchend wieder sich selbst überlässt. Nie hat sie sich dieser Kreatur geschämt, liebt sie sogar heiß und innig, ist ihr in tiefer Dankbarkeit zugetan. Denn die Besuche dieses fremden Wesens erinnern sie daran, dass auch in ihr eine solche Kreatur lauert. Als sie klein war, hat sie ihre Tiere – ihre Lieblinge – bei ebenso brutalen wie ekstatischen Paarungsspielen beobachtet: Mäuse und Katzen, bösartige Vergewaltiger, die immer nur eines wollten: ficken; die fauchend und kreischend übereinander herfielen, sich ineinander verbissen.
    Hunde, die sich erst zurückhaltend umkreisten und dann kaum noch zu trennen, buchstäblich ineinander verschlungen waren. Sie hatte dem Treiben ihrer Schmusetierchen heimlich zugesehen, und schon damals war sie jedes Mal feucht geworden: Am liebsten hätte sie die Beine weit gespreizt, hätte nichts lieber gehabt, als dass etwas Hartes, Warmes,

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