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Gefuehlschaos inklusive

Gefuehlschaos inklusive

Titel: Gefuehlschaos inklusive
Autoren: Sabine Richling
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 Das Ende ist immer ein neuer Anfang
     
    „Wir sollten uns trennen“, sagt Ullrich und sieht mich danach an, als wären es meine Worte gewesen. Hab ich gerade was von Trennung gehört? Ich habe den ganzen Tag schon so ein Pfeifen in den Ohren, daher bin ich mir nicht sicher, ob ich es richtig verstanden habe. Aber als ich genauer in Ullrichs Gesicht sehe, fällt mir diese steife Mimik auf. Würde er sich einen Scherz erlauben, sähe er sicher nicht so angespannt und spröde aus. Beinahe bröselig. Warum muss ich jetzt an das vertrocknete Brötchen denken, dass ich heute Morgen in der Küche vergessen habe? Ich wollte es wegschmeißen. Ist das jetzt ein Wink mit dem Zaunpfahl von oben?
    „Warum?“, frage ich. „Willst du alles hinschmeißen, einfach so?“
    Ich habe mit allem gerechnet, aber nicht mit diesem Satz. Wir sollten diese Szene wiederholen, damit ich besser vorbereitet bin. Ich komme also zur Tür herein und beginne mit dem Satz: Hallo Schatz, da bin ich wieder! Den Rest können wir uns dann aber schenken. Der passt nicht in meine Zukunftspläne.
    „Selbstverständlich werde ich dir bei der Wohnungssuche helfen.“
    Er meint es wirklich ernst!
    Wie kommt er darauf, dass ich ausziehe? Ich wohne hier schließlich ebenfalls. Und daran wird sich auch nichts ändern! Da kann er sich auf den Kopf stellen!
    „Du willst mich einfach vor die Tür setzen?“
    „Es ist besser so, glaube mir.“
    Seine Stirnfalten bilden tiefe Furchen. Soll das jetzt ein nachdenklicher Blick sein? Er erstarrt in dieser Haltung und ich überlege einen Augenblick, ob Ullrich sich zu einem antiken Ölgemälde verwandelt hat, dessen Farben allerdings mit der Zeit verblasst sind. Am liebsten würde ich sofort einen Pinsel zücken und mit den Ausbesserungsarbeiten an ihm beginnen. Doch als ich nichts weiter auf seinen letzten Satz erwidere, bewegt er sich plötzlich wieder. Er zieht sich seinen Mantel über und verlässt die Wohnung. Deprimiert schaue ich ihm nach, als hätte ich gerade erfahren, dass ich den Rest meines Lebens kein Nutella mehr essen darf. Dabei muss ich nur ohne Ullrich auskommen. Das lässt sich doch bewerkstelligen. Oder nicht? Ich vergrabe mein Gesicht in den Händen und lasse meinen Tränen freien Lauf.
    Gerade noch bin ich freudestrahlend nach Hause gekommen und habe Ullrich von dem geplanten Wochenende mit dem Astronomie-Verein berichtet. Mitte April würden die Lyriden ihr Maximum erreichen. Rund zwanzig bis dreißig Meteore könnten dann pro Stunde aufleuchten. Auf keinen Fall darf ich mir das entgehen lassen. Das muss er doch verstehen.
     
    Ullrich und ich wurden vor über zwei Jahren ein Paar. Also gut, wir galten nicht gerade als Traumpaar, aber das Gerede der anderen war mir schon immer egal. Ich war verliebt bis über beide Ohren und absolut sicher, dass Ullrich die Liebe meines Lebens sei. Und nun will er sich nach mehr als zwei Jahren von mir trennen. Einfach so. Bis vor Kurzem träumte ich noch von einer gemeinsamen Zukunft und einer Heirat ganz in Weiß.
    Natürlich fochten wir den einen oder anderen Streit miteinander aus. Aber das kommt doch in den besten Familien vor. Ja gut, wir sind recht verschieden, stimmen in einigen Ansichten nicht ganz überein, möglicherweise auch gar nicht, aber unsere Interessen ... na ja, die sind wohl unvereinbar. Aber wir arbeiten daran.
    Ullrich ist technischer Zeichner und in seiner Freizeit beschäftigt er sich gern mit Fußball und Billard. Nun bin ich die Sorte Frau, die Fußball eher als eine chronische Krankheit ansieht. Wenn er sich mit seinen Freunden bei uns trifft, um seine Mannschaft im Fernsehen anzufeuern, dann nehme ich Reißaus und beschäftige mich mit meinem eigenen Hobby: der Astronomie. Ich bin Mitglied in einem kleinen Verein, der sich zu regelmäßigen Exkursionen ins Umland verabredet und mit Vereinsteleskopen oder eigenen Fernrohren ein gemeinschaftliches Sternen-Seeing veranstaltet. Darin gehe ich voll auf. Ich liebe es, mir die Nacht mit dem Sternenhimmel um die Ohren zu schlagen und den Jupiter, den Mars oder den beringten Saturn mit dem Okular meines Teleskops einzufangen, genieße den Anblick des mit Kratern übersäten Mondes oder das Beobachten des Orionnebels. Ja, das ist meine Welt. Leider nicht Ullrichs. Mit dem Sternenhimmel kann er rein gar nichts anfangen. Anfänglich versuchte ich noch inbrünstig, ihm das Himmelszelt nahezubringen, indem ich ihn während unserer abendlichen Spaziergänge verschiedene

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