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Gefahr im Gruselgarten

Gefahr im Gruselgarten

Titel: Gefahr im Gruselgarten
Autoren: Ulf Blanck
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Überraschungsangriff
    Es kam selten vor, doch an diesem Tag war es absolut windstill in Rocky Beach. Auf den Straßen flimmerte die aufsteigende Hitze über dem Asphalt. Kein Lüftchen wehte vom nahen Pazifik ins Land und müde plätscherten die Wellen an die felsige Küste. Irgendwo dazwischen, gut versteckt an der alten Bahnlinie, stand die Kaffeekanne. Es war ein großer Wassertank auf einer Holzkonstruktion. An der Seite ragte ein dickes Rohr über die verrosteten Gleise. Früher wurden damit die Lokomotiven mit Wasser aufgefüllt.  Doch im Inneren befand sich kein Wasser, sondern Justus Jonas und sein Freund Peter Shaw. »Ich steck mir die Finger in die Ohren, sonst dampft mein Gehirn heraus«, stöhnte Peter und nahm einen großen Schluck warme Cola. Justus blickte auf den alten Wecker an der Wand. »Ich versteh nicht, wo Bob bleibt. Am Telefon sprach er noch von der Überraschung des Tages.« Nach weiteren zehn Minuten stieß plötzlich etwas Dumpfes gegen die Einstiegsluke. Man konnte vom Boden über einige Stahlsprossen in die Kaffeekanne gelangen. »Was war das?«, erschrak Peter. Im gleichen Moment öffnete sich die Klappe und Bob Andrews schob seinen Kopf ins Innere. Er trug keine Brille und seine aufgerissenen Augen starrten ins Leere. »Nun hör schon auf mit dem Quatsch!«, rief Justus.  Bob öffnete langsam den Mund und zum Vorschein kamen zwei lange, spitze Zähne. Peter und Bob stießen gemeinsam einen gellenden Schrei aus 

    – wobei Bob ein Plastikgebiss aus dem Mund fiel. »Das gibt Rache, Bob! Ich hasse dieses ganze Draculazeug – das weißt du. Hau bloß ab mit deinen bescheuerten Vampirzähnen!« Peter war außer sich vor Wut, und das kam selten vor. Doch bevor er sich richtig aufregen konnte, zog Bob triumphierend ein Bündel Pappstreifen aus der Hosentasche. »Wisst ihr, was das ist? Das sind alles Freikarten für den Jahrmarkt in Rocky Beach.«»Ist ja irre. Wo hast du die her?«, fragte Peter. Der Schreck war bereits vergessen. »Mein Vater hat sie mir geschenkt. Die Vampirzähne waren als Werbung dabei. Es sind alles Pressekarten. Als Reporter kommt man fast überall umsonst rein. Kino, Konzerte, Jahrmärkte … Die wollen natürlich, dass man dann auch gut darüber berichtet.« Bobs Vater arbeitete für eine große Tageszeitung in Los Angeles.  »Worauf warten wir noch? Der Jahrmarkt hat seit einer Stunde auf und übermorgen ist schon der letzte Tag. Los geht’s!« Bester Laune schwangen sich Justus, Peter und Bob auf ihre Fahrräder. Der Jahrmarkt lag genau auf der anderen Seite von Rocky Beach. Sie fuhren quer durch die Stadt und konnten schon bald das große Riesenrad erkennen.  Die Fahrgeschäfte und Buden wurden immer am Ende der großen Sommerferien aufgebaut. Danach zog der ganze Rummel weiter in eine andere Stadt. Kurze Zeit später schlossen sie ihre Räder um einen Baum zusammen und rannten los. Alle drei 

    waren sich einig, dass zuerst die Achterbahn ausprobiert werden sollte.  Um diese Zeit war es auf dem Jahrmarkt noch nicht so voll und sie mussten kaum anstehen. Justus und Bob stürmten auf die vorderen Plätze der Loopingbahn. Peter entschied sich für die sichere Mitte. Ein junger Mann zerriss drei der Freikarten und dann ging es los. Die Bahn schoss wie ein Pfeil nach vorn, raste durch einen dunklen Tunnel und wirbelte – die Insassen kopfüber – in die Tiefe. Die Leute kreischten vor Begeisterung. Nach zwei Minuten war alles vorbei und Peter war hellgrün im Gesicht. Er wartete lieber vor der Loopingbahn, als die anderen beiden gleich noch einmal durchstarteten und erholte sich. So verging der Nach-

    mittag. Der Stapel mit den Freikarten wurde kleiner und allmählich bekam Peter wieder Farbe in die Wangen. Erschöpft setzten sich die drei auf die Eingangsstufen eines Wohnwagens. Er stand ein wenig abseits von den Fahrgeschäften. In diesem Moment wurde hinter ihnen die Tür aufgestoßen und ein riesiger Mann stand auf den Stufen. Sein Gesicht war von Narben entstellt. »He, was soll das? Ihr habt hier nichts zu suchen!«, fauchte er sie an.  Erschrocken sprangen die drei auf und rannten weg. Erst als sie wieder in der sicheren Menge waren, blieben sie stehen. »Habt ihr das gesehen?«, stammelte Bob. »Das war Mister Horror persönlich.«  Die untergehende Sonne färbte den Himmel blutig rot und immer mehr Menschen drängten sich auf dem Jahrmarkt. Tausende bunte Lichter zuckten an den Buden und Fahrgeschäften. Peter schenkte zwei kleinen Mädchen die

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